Die Uni kann oft kalt und anonym wirken – vor allem in der dunklen Jahreszeit. Aber jeder hat diesen einen Ort, an dem Erinnerungen wohnen. Wir erzählen Geschichten von Orten mit Ecken und Kanten, die mehr sind als Beton. Von Orten, an denen Studierende lachen, feiern, nachdenken – und manchmal auch den Feueralarm auslösen.

Wer hat den Keks aus der Dose geklaut?
Ich war es zwar nicht, aber lange vor Beginn meines Studiums hätte ich mal die Gelegenheit gehabt, als ich am Duisburger Campus in die Keksdosen eingebrochen bin.. Oder genauer: Durch ein offenes Fenster eingestiegen. Da Hausfriedensbruch nach drei Jahren verjährt und das Ganze sehr viel länger her ist, ist hier meine Assoziation zu den Duisburger M-Gebäuden.
Heute studiere ich zwar in Essen, komme allerdings gebürtig aus Duisburg. Damals, mit 14 Jahren, haben mich die Universitätsgebäude nicht die Bohne interessiert. Bis einer meiner damaligen Freunde mit mir das Geheimnis teilte, dass man nachts durch „ein Fenster in die Uni” gelangen könne. Und so begab es sich, dass ich lange vor meinem Studium an der UDE gemeinsam mit drei anderen Halbwüchsigen auf ein Gerüst, von dort aus auf ein Vordach und dann durch ein Fenster mit kaputtem Öffnungsmechanismus kletterte. Was aus meinen heutigen Augen sanierungsbedürftig aussieht, war für mein jugendliches Ich nachts um halb eins der coolste Ort der Welt. Wir machten nichts kaputt, hinterließen keine Schmierereien. Wir liefen einfach nur durch die Korridore und erkundeten diese für uns noch fremde Welt.
In meinem ersten Semester bin ich tagsüber zu besagtem Fenster zurückgekehrt und siehe da: Es ließ sich immer noch nicht schließen. Mittlerweile ist es aber repariert. Ein großer Verlust für die Duisburger Jugend. [mok]

Klolumne
Dass die Sanitäranlagen am Essener Campus mal eine solche Relevanz für mich haben würden, klingt komisch und fast bemitleidenswert. Schön ist immerhin etwas anderes. Aber sie begleiten mich bereits seit meinen Anfängen als Redakteurin bei der Unizeitung.
Einer meiner ersten Beiträge war ein Kommentar zur Scheiß-Situation der Mensaklos und dem Fehlen von All-Gender Toiletten sowie Periodenprodukten. Einige Zeit später holte der sexualisierte Übergriff auf eine Studentin im Damenklo in R11 das Thema wieder hoch – am Campus und in der Redaktion. Der Bogen – zumindest bis jetzt – schließt sich bei dem Vandalismus mit verfassungswidrigen und rechtsextremen Symbolen auf dem Herrenklo in S06. Drei verschiedene Toiletten-Vorfälle – das ist schon wirklich kurios –, die für mich auch die redaktionelle Entwicklung widerspiegeln.
Innerhalb der letzten eineinhalb Jahre haben meine Recherche und meine Texte Fortschritte gemacht, genauso wie die ganze Redaktion. Diese Toilette im AStA, direkt gegenüber von unserem Redaktionsraum, dient also sinnbildlich für die Bedeutsamkeit des Arbiträren – und vielleicht auch für mich, die Bedeutung überall sucht. [car]

Über der Party
Was ich an Partys im AStA-Keller in Duisburg mit am meisten liebe, ist das große Fenster, durch das man raus auf die Wiese hinter dem LF-Gebäude kommt und die Tatsache, dass bei gutem Wetter die Hälfte des Geschehens draußen stattfindet. Es wird geraucht, geatmet, gequatscht und Energie gesammelt für die nächste Dance-Session. Dass die Wiese so beliebt ist, hat nur einen kleinen Nachteil: sie ist nicht wirklich der ideale Ort für private Party-Zwischenstand-Besprechungen. Vor diesem Problem standen auch ein Freund und ich vor einigen Sommern bei einer von etlichen Asta-Keller-Partys. Wir sind über den Campus geschlendert, auf der Suche nach einem geeigneten Ort, um uns ein paar Minuten in Ruhe zu unterhalten. Da schlug er vor, auf das Baugerüst, das das LF-Gebäude einhüllte, zu klettern. Das Gerüst war zu diesem Zeitpunkt ein nicht mehr wegzudenkender Teil des Gebäudes. Nachdem die Gerüstfirma pleite gegangen war, blieb das Gerüst trotz längst erledigter Fassadenarbeiten einfach stehen. Der Kletter-Vorschlag traf bei mir auf offene Ohren. Geht doch nichts über eine kleine Sidequest, und so kletterten wir kurz darauf die metallischen Leitern hoch Richtung Dach. Oben angekommen erwartete uns die ersehnte Ruhe und wir konnten endlich, ohne unbeabsichtigte Zuhörer:innen – die Party unter uns, der Nachthimmel über uns – unser Zwischenfazit zu diesem Abend ziehen. Was nach dieser Aktion nur noch positiver ausfiel.
Als ich diesen Oktober nach den Semesterferien zurück an die Uni kam, habe ich das Gebäude zum ersten Mal ohne Gerüst gesehen. Im Rahmen des Deutschen Soziologie Kongresses, der diesen Sommer in Duisburg stattfand, wurde es abgebaut. Jetzt liegt es wohl an mir, die Geschichte des legendären LF-Gerüsts am Leben zu halten. [smb]

Gute Nacht!
“Wer noch nicht in R14 geschlafen hat, hat nicht gelebt”.
Manchmal vergesse ich, dass die ersten beiden Semester meines Studiums auf 12,9 Zoll stattfanden, dass mein erster Prof kleiner war als ein Post-it und dass ich viele meiner Kommiliton:innen jahrelang nur von den Schultern aufwärts kannte, meist eingefroren.
Dann öffnete die Uni wieder. 3G auf dem Handy, Masken in den Vorlesungen, Einlasskontrollen mit QR-Code und das nervöse Warten auf die zweite Impfdosis. Der Campus roch plötzlich wieder nach Kaffee und kaltem Rauch, und nach Mensa – nur, dass wir alle ein bisschen verbeult zurückkamen: sozial eingerostet, smalltalklahm und mit dem Gefühl, dass wir alle etwas verpasst hatten.
Ich weiß noch genau, wie seltsam die erste Präsenzvorlesung war. Das Flüstern und Rascheln, das sich als Teppich über alles legte. Und wie ich dachte: So fühlt sich also Uni an. Gleichzeitig war das auch das erste Mal, dass ich eine Vorlesung nicht aus dem Bett heraus besuchte. Kein Zoom, kein “Sie sind noch stumm” oder “Hören Sie mich”. Statt mit ihren PCs kämpfen die Profs jetzt mit den den Mikrofonanlagen.
Wenn ich jetzt um 18:00 Uhr in der Vorlesung sitze und mein Kopf langsam schwer wird, denke ich an die Zeit zurück. An mein Kinderzimmer, an die zu grelle Schreibtischlampe und merke: Vielleicht ist genau das hier – das leise Murmeln, der erstaunlich laute Beamer, der harte Stuhl – was Studieren wirklich bedeutet. [vos]

Folien, Feueralarm und fünf Einsatzwagen
Auch im Jahr 2023 fand der jährliche Rundgang der Folkwang Universität auf dem Campus Zollverein statt und wir wollten natürlich Eindruck machen. Unser Plan: den von Treppen gesäumten Innenhof mit halbtransparenten Folien schmücken, damit das Licht schön durchschimmert. Alles lief perfekt. Donnerstagabend glänzte der Hof im sanften Schimmer, wir waren stolz und pünktlich fertig. Doch die Freude hielt nicht lange.
Am nächsten Morgen kam die Nachricht: Unsere traumhafte Deko hatte in der Nacht den Alarm ausgelöst – „ups“ trifft es wohl am besten. Also hieß es: wieder abbauen. Doch beim Versuch, die Folien zu entfernen, passierte das nächste Missgeschick. Eine Lichtschranke wurde zu lange verdeckt und plötzlich durchzuckte eine ohrenbetäubend laute Sirene die Uni. Von der Decke fielen schwere Stahltüren herab, die die Kuben voneinander trennten. Wir hatten – ganz offiziell – den Feueralarm ausgelöst.
Eine Stunde, ein paar Tausend Euro und fünf Feuerwehrwagen später war der Spuk vorbei. Die Einsatzkräfte stiefelten aus der Uni, erklärten routiniert, alles sei gesichert und keine Gefahr bestünde. Zurück blieb ein leicht nervöses, aber lachendes Team und ein Innenhof ohne Deko – dafür mit einer neuen Anekdote, die wohl noch viele Rundgänge überdauern wird. [col]
Habt ihr auch komische, spannende oder erzählenswerte Annekdoten aus eurer Studizeit in Duisburg und Essen? Dann schreibt uns gerne einen Leser:innenbrief an redaktion@akduell.org.
