Alle zwei Jahre feiert das Ruhrgebiet sein immaterielles Kulturerbe: die Trinkhallen. [Foto: Per Appelgrenl]
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Der perfekte Tag der Trinkhallen

28. August 2026

Nur Wasser bekommt das Ruhrgebiet diesen Samstag sicherlich nicht zu trinken. Über 100 Buden in mehr als 11 Städten im Pott fahren am 29. August wieder groß auf. Von Musik über Mentalmagier:innen bis zum Flohmarkt könnt ihr am diesjährigen Tag der Trinkhallen so ziemlich alles erleben. 

Alle zwei Jahre wird Ende August im Ruhrgebiet die Budenkultur gefeiert und das bereits seit 2016. Einst war der Nutzen der Trinkhallen Trinkwasser für Bergarbeitende zu bieten, heute wird eben diese Historie mit diversifiziertem Sortiment gefeiert. Mit über 100 Locations ist das natürlich organisatorisch ein ziemliches Unterfangen. Meike von Ruhr Tourismus, dem Hauptveranstalter des Tages, erklärt uns: „Es ist ein Gemeinschaftsprojekt mit den Budenbesitzenden, weil ohne die würden wir das überhaupt nicht schaffen.”

Meike kümmert sich um das Marketing des Großevents und kennt die teilnehmenden Buden quasi auswendig. Zu unterscheiden gibt es zwei Budentypen, denn 33 davon sind sogenannte Programmbuden mit vom Ruhr Tourismus-Team kuratiertem Programm. Alle anderen zählen als Mitmachbuden und sind für ihr Angebot selbst verantwortlich. Eine spezifische Zielgruppe hat das Event nicht: „Wir wollen am liebsten alle erreichen, weil die Bude ein Safe Space ist, ein Ort, wo jede Person sich aufhalten kann, darf und soll”, so Meike. Dementsprechend vielfältig ist das Programm, das diverse, teils nischige Interessen abdeckt. 

„Wir sind kein Späti!”

Neben Besucher:innen sind auch (fast) alle Begrifflichkeiten erlaubt: „Wir sind auf jeden Fall eine Bude und eine Trinkhalle und vielleicht auch mal ein Kiosk”, erklärt Meike. Aber auf jeden Fall nicht ‘Späti’, immerhin geht es schon um 15 Uhr los mit dem Programm; enden wird es um 22 Uhr. 

Besonders denjenigen, die für Studium oder Job ins Ruhrgebiet gezogen sind, verspricht dieser Tag eine besondere Art des Kennenlernens. „Das ist einfach ein Vibe, wenn man an der Bude ist”, sagt Meike kurz und knapp. Immerhin wurden 2021 die Trinkhallen im Ruhrgebiet – gemeinsam mit dem Steigerlied – vom Land Nordrhein-Westfalen offiziell zum immateriellen Kulturerbe ernannt.

Der perfekte Tag der Trinkhallen…

…findet nicht nur an einer Bude statt, da ist sich Meike sicher: „Man sollte nicht den ganzen Tag an einer Bude verweilen, sondern das Ruhrgebiet entdecken.” Um den Pott richtig zu erleben, sollte man also in einer Stadt losziehen und sich vom bunten Treiben des Tags der Trinkhallen von Bude zur Trinkhalle zum Kiosk leiten lassen. 

Oder man nutzt eine der vorgeplanten Wander- oder Radrouten, die verschiedene Buden verbinden. Für alle Level sportlicher Motivation gibt es hier die passende Tour. Manche davon führen von Trinkhalle zu Trinkhalle innerhalb einer Stadt, andere verbinden mehrere. Wer selbst kein Fahrrad besitzt oder abends nicht wieder den Drahtesel für den Heimweg satteln will, kann die für Studis zeitweise kostenlosen Donkey Republic Bikes nutzen, „sodass man einfach mal mit dem Fahrrad von Bude zu Bude hoppt.”

Wer lieber selbst planen möchte, kann im Vorhinein auf der Website ein individuelles Programm zusammenstellen. Dort könnt ihr nach euren Interessen filtern und nach Stadt, Budentyp oder Sparte, also zwischen Musik, Fußball, Kleinkunst oder gemischter Tüte suchen. Wem es schwerfällt Entscheidungen zu treffen oder wem die Zeit für die eigene Suche fehlt, dem:der haben wir ein paar Vorschläge für UDE-Studis in Duisburg und Essen zusammengestellt: 

Mit Pottpoesie kommen junge Talente auf die Bühne des Büdchens und performen Texte und Lieder, zwischendurch gibt es Karaoke für alle. 

  • Verkaufshalle Sven Lauer in Essen (Hedwigstraße 8) 

Wir haben gehört, Techno-Freund:innen kommen an der Verkaufshalle Sven Lauer in Rüttenscheid vorbei. Dort wird auf der Straße zu folgenden DJs gestampft: Muttiah Ashnim, TiM TASTE, Jayna Daze und Aaron.St

  • Candy Kiosk in Duisburg (Friedrich Wilhelm Straße 71)

Project Duisburg Fans werden am Candy Kiosk fündig, wenn sie die Techno-Mukke von Schillymilli, Loner, Jascha oder KUX suchen.

Für die ganz Fitten, die beide Top-Events des Samstags zusammenlegen wollen, geht es vor dem Pottfest von essendiese zum Pegasus Kiosk in Altenessen. Dort gibt es House Mukke von Juliet Sikora, Sina Turner und David Hasert.

Ansonsten interessiert euch vielleicht ein Flohmarkt oder Mentalmagie in Mülheim, Retro-Gaming in Herne oder die Clownsbrothers in Castrop-Rauxel. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was der Tag der Trinkhallen zu bieten hat. 

Kurz vor dem Event ist für Meike das ausgesprochene Ziel des Tags der Trinkhallen, „dass die Buden mehr Aufmerksamkeit bekommen und wir wieder die Nachbarschaft feiern, die Begegnung.” Die Rahmenbedingungen haben die Organisator:innen und Budenbesitzer:innen geschaffen, im Weg steht am Samstag allerhöchstens etwas schlechtes Wetter.

Carolin (25) schreibt seit April 2024 für die ak[due]ll. Als Redakteurin interessieren sie Themen wie intersektionaler Feminismus, das Campusleben in Essen und lokale Happenings. In der Redaktion ist sie als car bekannt.

Carolin Neumeier

Carolin (25) schreibt seit April 2024 für die ak[due]ll. Als Redakteurin interessieren sie Themen wie intersektionaler Feminismus, das Campusleben in Essen und lokale Happenings. In der Redaktion ist sie als car bekannt.

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