Ein Kommentar von anonym
Ich habe eine Regel: Kein Sex auf dem ersten Date! Das klingt banal, leicht umsetzbar, aber das ist es nicht. Am Ende date ich immer noch Männer. Hetero-Männer, die es spannend finden, mich als trans Frau „auszuprobieren“, oder queere Männer, versaut von der Gay-Hook-up-Culture.
Als ich auf einem Date mit jemandem war, mit dem ich später zusammenkommen würde, war mein Ziel klar: Wenigstens der Tanga bleibt an. Wir hatten zusammen gegessen, getrunken, gefeiert. Er küsste gut und in unseren Blicken blitzte es manchmal, wenn wir uns anschauten. Unser Date war in Köln – über zwei Stunden Zugfahrt von meiner kleinen Heimatstadt entfernt. Und ich muss zugeben: Mit Alkoholpegel und seinen ständigen Zusicherungen, dass ich bei ihm schlafen könne, checkte ich meine Züge ziemlich halbherzig.
Mein letzter Zug fuhr ohne mich ab. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mit meinem Date nach Hause zu fahren. Tragisch, ich weiß. Ich erinnerte ihn noch mal an meine Regel – und freute mich insgeheim doch auf Körperkontakt. Zu meiner Verteidigung: Er sah ziemlich breit aus unter seinem T-Shirt.
Als wir recht spät oder früh, wie man’s nimmt, in seinem kleinen WG-Zimmer ankamen, hatten wir unseren Rhythmus beim Küssen längst gefunden. Ohne viel falsche Scham zog ich mich aus – der Tanga blieb natürlich an. Als mein Date sich auszog, bereute ich kein bisschen, nicht zu Hause zu sein. Die ganze Nacht über kuschelten wir. Ekelhaftes Wort, ich weiß. Zu viele erwachsene Männer hatten mir das vorgeschlagen, als ich fünfzehn war. Aber ich schweife ab.
Ich genoss den Körperkontakt, den ich lange nicht mehr hatte. Er fuhr mit den Händen über meinen Körper, flüsterte mir süße Komplimente ins Ohr. Ich tat dasselbe. Ein perfekteres Date hätte ich mir kaum vorstellen können. Bis zu dem Moment, in dem er anfing zu betteln, meine Regel zu brechen.
Ich war müde und genoss die Intimität. Es liegt etwas Selbstloses darin, nur Zärtlichkeiten auszutauschen. Aber er rieb sich an mir wie ein geiler Hund – eine weirde Angewohnheit von Männern. Er küsste meinen ganzen Körper, und als er meinen Tanga zur Seite schob und anfing, mich zu lecken, gab ich auf.
Im Nachhinein eine ziemliche Red Flag. Ich hatte oft wiederholt, dass ich keinen Sex beim ersten Date wollte, und trotzdem versuchte er es die ganze Nacht und hielt mich wach. Versteht mich nicht falsch: Natürlich habe ich es genossen und am Ende eingewilligt. Aber er hätte auch einfach warten können, statt mich so lange horny zu machen, bis ich selbst nicht mehr nein sagen wollte. Sein Plan ist jedenfalls aufgegangen.
Zwei Monate später kamen wir zusammen. Er war auf meinem Geburtstag und fragte mich mit so einer Aufrichtigkeit im Gesicht, ob er mein Freund sein dürfe, dass ich nicht nein sagen wollte – obwohl es mir eigentlich etwas zu schnell ging. Schon vorher, als er dachte, ich schlafe, hatte er mir „Ich liebe dich“ auf Spanisch ins Ohr geflüstert. Es war definitiv sein Talent, mich unter seinen Händen schmelzen zu lassen.
Vom Kuscheln zum Klammern
Beim ersten Date hatte er mir erzählt, er sei dominant und würde Zeit von mir einfordern. Ich sagte ihm, dass ich gern auf queere Partys gehe und regelmäßig kiffe. Wir hatten uns unsere Trennungsgründe noch beim ersten Date in der Aufregung des Abends anvertraut – hätten wir mal besser zugehört.
Er hatte emotionale Ausbrüche und war eifersüchtig – während ich auf Partys Spaß hatte, ging er daheim die Wände hoch. Später wollte er mich immer mehr kontrollieren, mir das Kiffen ausreden und auch noch den letzten Rest meiner Zeit für sich beanspruchen. Irgendwann wurde er sogar eifersüchtig auf meine beste Freundin, weil ich ungern ans Telefon ging, wenn ich Zeit mit ihr verbrachte.
Wir redeten nur noch über seine Probleme. Ich war seine Therapeutin, Partnerin, beste Freundin und Mutter in einem. Zu viel Care-Arbeit für meinen depressiven Arsch, der eigentlich gern allein zu Hause geparkt ist, oder für jede andere Person.
Als ich ihm schließlich sagte, dass ich mit meinen Freund:innen auf eine Fetisch-Party gehen wollte, während er in Kolumbien täglich feiern war, rastete er aus. Ich schrieb meinen Freund:innen, dass ich wegen meines Freundes nicht mitkommen könne – und erkannte genau in diesem Moment, was aus unserer Beziehung geworden war.
Nie hatte ich ihm einen Grund gegeben, mir zu misstrauen oder mir „I hope you fucking die“ zu texten, nur weil ich auf eine Party wollte. Das war genug. Ich machte Schluss – und kaufte mir währenddessen online ein Ticket zur Party.
