Am 19. April findet der Ratsbürgerentscheid statt. [Foto: Anna Olivia Böke]
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Ratsbürgerentscheid zur Olympiabewerbung: Das müsst ihr wissen

4. April 2026

Die Region Köln-Rhein-Ruhr möchte sich als Austragungsort der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben, aber ihr entscheidet mit. Bis zum 19. April 2026 läuft die Abstimmung für alle wahlberechtigten Bürger:innen der 17 NRW-Kommunen, in denen die Wettbewerbe stattfinden sollen. Was ihr wissen solltet, bevor ihr euer Kreuz setzt.

Die Region Köln-Rhein-Ruhr (das heißt Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsen­kirchen, Herten, Kiel oder Warne­münde, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mark­kleeberg (Sachsen), Mönchen­glad­bach, Monheim, Oberhausen, Pulheim, Reckling­hausen und Wuppertal) könnte in der Zukunft zu einem Austragungsort der Olympischen und Paralympischen Spiele werden. In der Entscheidung, ob die Bewerbung eingereicht werden soll, spielt allerdings noch der Bürger:innenentscheid eine tragende Rolle. 

Das sind mögliche Vorteile

  1. Stärkung der Demokratie und von Zusammenhalt

In Zeiten der internationalen Spaltung und des enormen Rechtsrucks in Deutschland würde ein so großes Sportereignis der Gesellschaft ein Zeichen setzen. Anhand des Fußballphänomens im Ruhrgebiet kann man erkennen, welch große Kraft des Zusammenbringens Sport haben kann. Zudem könnte die Chance genutzt werden, die Olympischen und Paralym­pischen Spiele in ein demo­kratisches Land zu holen. Veran­staltun­gen in Staaten wie Katar zu kritisieren, ohne selbst die Alternative zu bieten, passt nicht zusammen.

  1. Ein Großteil der Infrastruktur ist bereits vorhanden

Über alle Städte verteilt weist die Region eine hohe Dichte an modernen Sport­stätten, eine leistungs­fähige Infrastruktur und eine sport­be­geisterte Bevölkerung auf. Der zentrale Standort für das Olympische Dorf und ein temporäres Leicht­athletik-Stadion wäre Köln, das später in ein nach­haltiges Stadt­quartier umge­wan­delt werden soll.

  1. Finanzielle Investments in die Region

In Vorbereitung für die Austragung würden In­vesti­tionen in ÖPNV, Sport­stätten, Digitali­sierung und Barriere­freiheit getätigt werden, die die Lebens­qualität in der Region lang­fristig ver­bessern könnten. Die Spiele sorgen zudem für inter­natio­nale Auf­merk­samkeit und setzen Impulse für Tourismus und wirtschaftliche Aktivitäten. Zur Finanzierung: die temporäre Errichtung des Leicht­athletik-Stadions wird aus dem Budget der Olympischen Spiele gezahlt. Die Kosten für die Durch­führung der Spiele werden vollständig über Ein­nahmen durch TV-Rechte, Werbung und Zuschüsse des International Olympic Committee (IOC) abgedeckt. Öffentliches Geld würde nur für Sicherheit und medi­zinische Versorgung eingesetzt. Ein aus­ge­glichenes Durch­führungs­budget ist das Mindestziel Olympischer und Paralympischer Spiele in Deutschland. (Als Beispiel: Paris erzielte sogar einen Überschuss.) Der Deutsche Olympische Sportbund rechnet mit einem Gewinn von rund 400 Millionen Euro.

  1. Stärkung der Jugend

Die Austragung der Spiele vor Augen der Jugend in der Region kann durch Motivation und Vorbilder neue Perspek­tiven eröffnen. Neue Sportarten können in Begleitprogrammen lokaler Vereine ausprobiert werden, Zusammenhalt und Gemeinschaft können gestärkt werden, was gerade in Zeiten globaler und lokaler Krisen positiv prägend sein kann.

Das sind mögliche Nachteile

  1. Eventuelle Kostenfalle

Kostenpunkte wie etwa Sicherheit und medi­zinische Versorgung lassen sich nur schwer vorab kalkulieren. Die in der Pariser Bewerbung veranschlagten 2,4 Millarden an öffentlichen Geldern waren am Ende mehrmals verdoppelt.

  1. Umwelt

Die geplante Bewerbung steht auch aus ökologischer Sicht in der Kritik. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bemängelt insbesondere die vorgesehenen Bauflächen im Kölner Norden. Dort sollen sowohl das Olympische Dorf als auch das Leichtathletikstadion auf bislang unbebautem Gelände errichtet werden. Dieses Gebiet wird derzeit unter anderem landwirtschaftlich genutzt und dient zugleich als bedeutende Kaltluftschneise für das Stadtklima. BUND-Vorstandsmitglied Helmut Röscheisen betont gegenüber dem WDR, dass eine Versiegelung dieser Flächen für olympische Zwecke unbedingt vermieden werden müsse. Allerdings soll aus dem Dorf anschließend auch sozialer Wohnraum entstehen.

  1. Kritik am IOC

Das International Olympic Committee steht, ähnlich wie die FIFA, seit Jahren in der Kritik. Vorwürfe betreffen unter anderem Korruption, mangelnde Transparenz und eine zu große Nähe zu autoritären Staaten. Zusätzlich müssen ausrichtende Städte in den sogenannten Host-City-Verträgen häufig weitreichende Zugeständnisse machen, etwa Steuererleichterungen für das IOC und seine Partner:innen. Kritiker:innen bemängeln, dass diese Verträge den Städten hohe finanzielle Risiken aufbürden, während das IOC selbst von Steuern und Zöllen befreit wird. Auch die Verteilung der Einnahmen sorgt für Kritik. Laut der Organisation Global Athlete kamen im Jahr 2020 lediglich etwa 0,5 Prozent direkt bei den Sportler:innen in Form von Förderungen, Zuschüssen oder Preisgeldern an. Zuletzt entschloss sich das Komitee zudem, den umstrittenen Geschlechtstest für Sportler:innen wieder einzuführen.

Ihr entscheidet mit 

Es ist definitiv sinnvoll, sich weiter zu informieren und über all diese Aspekte Gedanken zu machen, bevor ihr euer Kreuz setzt.. Es mag noch weit weg scheinen und selbst bei Bewerbung muss sich der Standort Köln-Rhein-Ruhr immer noch gegen Hamburg, Berlin und München durchsetzen. Dann muss sich letztendlich der IOC noch für Deutschlands Konzept entscheiden. Bis 2032 (Brisbane) stehen die Ausrichter für die Sommerspiele fest. Für 2036 hat sich Delhi aussichtsreich in Stellung gebracht. Bis 2040 bleibt also noch eine Menge Zeit, positive Investitionen unabhängig von der Bewerbung zu tätigen, nicht wahr?

Die Stellungnahmen der Fraktionen und Gruppen der Räte aus dem Ruhrgebiet findet ihr unter folgenden Links:

Duisburg

Essen

Dortmund

Gelsenkirchen

Bochum