Die Uni Duisburg-Essen hat ein Problem. Der Campus in der Essener Innenstadt und der Campus am Duisburg Stadtrand sind ziemlich weit voneinander entfernt. Das ist ein Problem für Studierende wie Lehrende, die oft für Veranstaltungen von einem Campus zum anderen müssen. Eine Lösung für dieses Problem waren bis jetzt die Shuttlebusse der UDE.
Ein Kommentar von Jannis Wahoff
Die Linienbusse mit UDE-Aufdruck fahren stündlich ab 7:30 Uhr von Duisburg nach Essen und Essen nach Duisburg. Zumindest morgens sind die Busse auch trotz voller Autobahn meistens früh genug am anderen Campus, um Vorlesungen und Seminare um Viertel nach pünktlich zu erreichen. Allerdings haben die Busse ein großes Problem. Um am Fahrpersonal zu sparen, endet der Busverkehr schon um 16:30. Da viele Lehrveranstaltungen bis 18 Uhr, manche sogar bis 20 Uhr gehen, ist der Busverkehr immer nur begrenzt nützlich. Kürzlich, am 19. November, fand zum Beispiel die Vorlesung der Mercatorprofessur statt, die erst um 18 Uhr in Duisburg anfing und selbst wenn sich Busplan und Stundenplan überschneiden, lässt der früh endende Busverkehr kein Lernen in der Unibibliothek zu.
Durch dieses Problem bleiben die Shuttlebusse oft leer, während sie zu Stoßzeiten morgens und nach der Mittagspause deutlich voller sind. Für die meisten Studierenden hieß der Shuttlebus eine Hinfahrt ohne Rückfahrt. Da bleibt dann nur der „normale“ Nahverkehr, der besonders abends im Ruhrgebiet extrem unzuverlässig ist. Dementsprechend ist der Shuttlebus auch für viele Studierende keine ernstzunehmende Alternative zum Auto.
Das Rektorat der UDE hat lange behauptet, für dieses Problem eine Lösung zu suchen. Nun gab es am 11. November eine skurrile Karnevalsüberraschung vom Rektorat. Per E-Mail wurde eine „Neuaufstellung Pendelbusverkehr Duisburg – Essen“ angekündigt. Ein Einbeziehen der Studierendenschaft, die den Busdienst bisher am meisten genutzt hat, gab es überhaupt nicht. Diese Neuaufstellung liest sich auch eher wie eine Einstellung des Busverkehrs. Aufgrund von „ökonomischen und ökologischen Gründen“ werde der Busverkehr schon am 30. November, keine drei Wochen nach der Ankündigung, eingestellt. Die ökonomischen Gründe sind klar – die Ruhrgebietsuni UDE ist Opfer von jahrzehntelanger Sparpolitik. Das sieht man im Unialltag schon an Zustand der Gebäude, aber die ökologischen Gründe wirken vorgeschoben. Hat die Uni Duisburg-Essen nicht gerade erst ein riesiges neues Parkhaus am Campus Essen errichtet? Und gleich danach soll die Alternative zum Auto, der Shuttlebus zwischen den Campus, abgeschafft werden?
Begründet wird das mit einer „ausführliche Auslastungsanalyse“ die in den vergangenen Monaten erhoben wurde. Anders als der akademische Betrieb legt das Rektorat hier die Daten nicht vor. Wissenschaftliche Standards von Veröffentlichung, methodischer Nachvollziehbarkeit und damit Kritisierbarkeit sind nicht erfüllt. Möglicherweise wurde die Auslastung in der vorlesungsfreien Zeit gemessen, wo natürlich weniger Studis zwischen den Campus unterwegs sind. So oder so kann keine „Auslastungsanalyse“ das eigentliche Problem der Shuttlebusse aufdecken: der Pendelbus hört einfach zu früh auf zu pendeln.
Die Uni hat aber auch ein neues „Alternativangebot“. Zuerst soll es, allerdings nur für Beschäftigte der Uni, drei Carsharing-Autos geben. Das sind nicht sehr viele und hilft den Studierenden, die bis jetzt den Shuttlebus genutzt haben, überhaupt nicht.
Dafür soll es einen neuen Elektrobus geben – aber mit Haken. Der neue Bus hat nur Platz für ganze sieben Passagiere. Das mag in der vorlesungsfreien Zeit am Nachmittag reichen. Aber zu Stoßzeiten im Semester ist das zu wenig. Verschlimmert wird das Problem durch ein Reservierungssystem. Es ist eine App geplant, mit der Plätze lange im Voraus reserviert werden können. Erfahrungsgemäß bedeutet so ein System, dass viele Fahrten reserviert, aber wenige genutzt werden. Das ist ein deutliches Downgrade im Vergleich zur vorigen Lösung: ein Linienbus mit rund 40 Sitzplätzen und zusätzlichen Stehplätzen.
Das Rektorat begründet dieses Downgrade mit Geldknappheit. Doch wie viel kostet der Shuttlebus wirklich? Laut einem WAZ-Artikel von 2020: 250.000 Euro. Das hört sich erst einmal viel an, das ist auch viel. Aber: die Uni Duisburg-Essen hat laut eigener Website einen Etat von über 550 Millionen Euro im Jahr. Da sind 250.000 ein Tropfen auf dem heißen Stein. Auch für Verkehrsprojekte ist Geld da: 2024 wurde in Duisburg und dieses Jahr in Essen ein neues Parkhaus errichtet – auch, aber nicht nur, mit staatlichen Fördergeldern. Nur beim Shuttlebus, der fast ausschließlich von Studierenden genutzt wird, ist das Geld plötzlich knapp.
Trotz aller Lippenbekenntnisse zu Nachhaltigkeit, will das Rektorat lieber Carsharing-Autos kaufen statt ökologische Alternativen. Damit steht die Uni Duisburg-Essen alleine im Ruhrgebiet. Der neue Gesundheitscampus der Ruhruni Bochum hat auch direkt einen Anschluss an die „CampusLinie“ U35 bekommen, und die Technische Universität Dortmund hat eine eigene S-Bahn, und eine Hochbahn, die beide Campushälften miteinander verbindet. Daneben steht die UDE traurig ohne ernstzunehmendes Verkehrskonzept da und bald auch ohne die beiden Linienbusse, die die Campus (noch) verbinden.
