Ein Kommentar von Volker Strauß
Mein Freund schaut sich manchmal die Debatten im Bundestag auf Phoenix an. Da streiten sich Politiker, die ich kaum kenne, über Themen, von denen ich manchmal noch weniger verstehe. Meistens hart in der Sache, selten herzlich im Ton. Aber immerhin hat man das Gefühl: Da geht’s um was.
Wer dagegen in den letzten Monaten eine StuPa-Sitzung besucht hat, konnte Zeuge des genauen Gegenteils werden: Alle scheinen sich in der Sache mehr oder weniger einig zu sein und trotzdem wird so heftig gestritten wie im Deutschen Bundestag. Es geht also nicht darum, was gesagt wird, sondern wie man sich dabei möglichst effektiv missversteht.
Aber alles von Anfang: Es geht darum, dass der AStA, im Lichte vergangener Vorfälle in der letzten Legislaturperiode (zum Beispiel dem Filmen von Personen auf den Uni-Toiletten) ein neues Awareness-Konzept entwickeln wollte. Also ein Konzept, das für mehr Sicherheit, Sensibilität und Ansprechbarkeit auf dem Campus und bei Veranstaltungen der Studierendenschaft sorgen soll. Eine gute Idee, findet eigentlich jede:r. Um das umzusetzen, wurde in der letzten Legislatur dann vom AStA eine Awareness-Kommission gegründet, kulanterweise auch mit Mitgliedern aus den HoPo-Listen. Was als gemeinsames Projekt begann, wurde allerdings bald schon zur Prüfung für Geduld und studentische Diplomatie.
Die eigens gegründete Awareness-Kommission traf sich, arbeitete und wurde zu Beginn der neuen Legislatur dann wieder aufgelöst. Der AStA beschloss, das Konzept selbst mit externer Unterstützung zu erstellen, kombiniert mit einer Schulung und einem Selbstverteidigungskurs. Der RCDS, eigentlich für ein Awareness-Konzept, kritiserte diesen Alleingang in einem Insta-Post scharf. Der „rote AStA” würde Geld in externe Projekte stecken, während das Awareness-Team abgeschafft werden solle.
Die Diskussion über genau diesen Instagram-Post, wie auch das Awareness-Konzept und die Beendigung der Awareness-Kommission wurden auf der letzten StuPa-Sitzung debattiert. Hier ging es schnell aber nicht mehr um das Konzept, sondern die Personen, die in der Debatte im Mittelpunkt standen. Und vor allem: gegenseitige Vorwürfe, Unterstellungen von Fehlverhalten, eine Debatte über empörte Instagram-Kommentare und den Versuch, mit Zitaten aus Mails einen Punkt zu machen.
Wer einer solchen Sitzung beiwohnt, bekommt schnell den Eindruck, dass es im StuPa weniger um hochschulpolitische Entscheidungen geht als vielmehr um verletzte Egos, Missverständnisse und Geschäftsordnungsfragen. Manchmal kommt es einem so vor, als wenn die Parlamentarier:innen einen Großteil der Sitzung lang nur versuchen, sich gegenseitig Knüppel vor die Beine zu werfen. In der Sache ist man sich, so scheint es zumindest dem geneigten Zuschauer, meist erstaunlich einig, nicht nur bei einem „Ja“ zum Awareness-Konzept. Denn im Kern wollen die Parlamentarier:innen alle, dass es den Studierenden besser geht.
Vielleicht ist das die eigentliche Awareness, die das StuPa für sich am dringendsten braucht: Das Bewusstsein, dass der Ton die Musik macht und man vielleicht das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verlieren sollte. Ansonsten hilft vielleicht ein StuPa-Awareness-Konzept.
