Wieder leere Wahlurnen? [Illustration: Lisa Johanna Enninger]
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„Werdet aktiv!“ – Berk Eraslan, Juso-Hochschulgruppe (JusoHSG)

Vom 30. Juni bis zum 04. Juli könnt ihr ein neues Studierendenparlament an der Universität Duisburg-Essen (UDE) wählen! Wir haben den Hochschulgruppen auf den Zahl gefühlt: Wofür steht die JusoHSG ein? Und welche ihrer Forderungen hat die Gruppe in der Vergangenheit überhaupt in die Realität umgesetzt? Berk Eraslan von der JusoHSG hat mit uns über kostenloses Sozialdarlehn für Studierende, das autonome Referat für Studis mit Migrationsbiografie und Freiversuche geredet. Außerdem hat er erklärt, wie die JusoHSG mit der bevorstehenden Geldknappheit umgehen will.

Berk Eraslan ist 22 Jahre alt, studiert Lehramt für Wirtschaft, Politik und Geschichte und war in der vergangenen Legislatur im StuPa-Präsidium aktiv. Er kandidiert für die JusoHSG mit einem Verständnis  von Hochschulpolitik als sozialdemokratische Gestaltungskraft: „Wir wollen, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Einkommen und ihrer Herkunft hier gut studieren können”, erzählt Berk.

Unterstützung erhält die JusoHSG zum Beispiel vom Juso Landesverband, mit rund 200 Euro im Jahr. Manchmal spenden auch Abgeordnete für den Wahlkampf. Der Wahlkampf wird aber vor allem durch andere Spenden finanziert: „Die meisten Beiträge , mit denen wir unseren Wahlkampf finanzieren, zahlen unsere Referent:innen aus dem AStA, die einen Teil ihres Gehalts an die HSG spenden”, so Berk.

Sechs von sieben Wahlkampfversprechen eingelöst (also bald)

In der vergangenen Legislatur hatte die JusoHSG eine absolute Mehrheit im StuPa und regierte ohne Koalition. Dadurch, dass Diskussionen nicht wie sonst vor den Sitzungen, im Koalitionsausschuss geführt wurden, sondern im StuPa ausgetragen wurden, waren die Sitzungen der Legislatur mitunter sehr lang: „Das ging am Ende auch zum Leidwesen der Debattenkultur, denn wenn Sitzungen bis 23 oder 0 Uhr gehen, dann nimmt irgendwann die Konstruktivität ab.”

Sechs von sieben Wahlversprechen möchte die JusoHSG in der vergangenen Legislatur eingelöst haben. Der Semesterbeitrag von 16 Euro steigt nicht an, bald wird ein kostenloses Sozialdarlehen für Studis in sozialen Notlagen eingeführt, ein autonomes Referat für Studis mit Migrationsgeschichte wurde gegründet und schon bald könnte es kostenlose Menstruationsartikel auf (fast) allen Toiletten geben. Der „Raum der Stille”, das Containergebäude vor der Bib am Campus Essen, soll auch bald eröffnet werden und ab dem Wintersemester hat die Bib vielleicht länger offen.

Offen ist noch die Abschaffung des Drittversuchs, „das ist vor allem ein Thema für den Senat und nicht für das StuPa”, sagt uns Berk. Auch bei der besseren Bezahlung studentischer Hilfskräfte hat sich wenig getan. Trotz begrenzter Kompetenzen sieht Berk einen Unterschied: „Das Geilste am hochschulpolitischen Ehrenamt ist die Selbstwirksamkeit, weil man kann wirklich was verändern und das Leben für Menschen besser machen.“

Ausblick: Geld wird das große Thema

Die Jusos starten mit zwei großen Themen in die neue Legislatur. Zum einen sorgen sinkende Studierendenzahlen für eine knappe Haushaltssituation. Durch die Wiedereinführung von G9 in NRW fehlt im nächsten Jahr ein Abiturjahrgang – damit fehlt auch fast ein ganzer Jahrgang Erstis an der UDE. „Wir haben verschiedene Projekte wie Nextbike, Kulturticket, die kulturellen Veranstaltung des AStA, die Partys die durch den Semesterbeitrag finanziert werden. Wir werden einen drastischen Einnahmeverlust erleben.” Hier stellt sich dann die Frage, ob der Studierenbeitrag weiter erhöht werden muss oder ob Kürzungen gemacht werden müssen. Hier wäre zum Beispiel die Reduzierung von AStA-Stellen denkbar.

Darüber hinaus möchte sich die Juso-Hochschulgruppe auf die Verbesserung der Prüfungsbedingungen fokussieren. Hier geht es zum einen um Freiversuche, also die Abschaffung des Drittversuchs und flexiblere An- und Abmeldung von Klausuren.

Neben diesen inhaltlichen Fragen drängt sich auch die Frage auf, wie man das studentische Ehrenamt stärken und mehr Studierende für die Hochschulpolitik begeistern kann. „Wir haben viel zu wenig Leute in der Hochschulpolitik, wie sieht denn die Generation nach uns aus?” Es ist schwer, Studierende zu erreichen, die UDE ist eine klassiche Pendleruni, viele Studis kommen nur zur Vorlesung und gehen direkt danach wieder. Selbst eine Mail an alle fast 40.000 Studierende mit dem Aufruf, sich für AStA-Referate zu bewerben, führte am Ende nur zu zwei oder drei Listenunabhängigen Personen im AStA. Um das attraktiver zu machen, prüft der AStA gerade, ob man ehrenamtliches Engagement an der Uni mit Credits aus dem Ergänzungsbereich belohnen kann.

Für die kommende Wahl setzt die JusoHSG wieder auf viel Präsenz an beiden Standorten, um möglichst viele Studies auf den beiden Campus zu erreichen. Berk hat auch kreative Ideen wie man mehr Aufmerksamkeit für die StuPa-Wahl erzeugen könnte: „In Bonn wurde mal ein Auto verlost.” Das könne man sich in Essen zwar nicht leisten, vielleicht könnte man aber was anderes unter den Wählenden verlosen. Zum Schluss richtet Berk noch einen Appell an alle Studierenden: „Werdet Aktiv!”

Volker (23) schreibt seit September 2023 für die Ak[due]ll. Er studiert Wirtschaftsinformatik an der UDE. Sein Redaktionskürzel ist [vos].