Wir leben im Zeitalter des postmodernen Feminismus: Frauen und Minderheiten bekleiden erstmals Posten in politischen Institutionen, die einst als unantastbar für sie galten. Doch die Realität zeigt: Der allgegenwärtige Fortschritt steckt noch in den Kinderschuhen. Hier sind vier Beispiele, die deutlich zeigen, wie tief Frauenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft verankert ist und warum es einen dringenden gesellschaftlichen Umbruch benötigt.
1. Die Objektifizierung weiblich gelesener Körper
Den weiblichen Körper, oder in diesem Falle, den Körper von irgendjemanden als Objekt sexueller Begierde oder zur Beurteilung zu betrachten, ist keine Schmeichelei, sondern eine frauenfeindliche Praxis.
2. Mansplaining
Mansplaining ist ein Verhalten, das es gilt zu reflektieren, denn der Überzeugung zu sein, dass man als Mann automatisch mehr wüsste, ist ein Symptom der männlichen Herrschaft.
3. Internalisierte Misogynie
Das Traurige am Patriarchat, abgesehen vom Patriarchat selber, ist die Tatsache, dass Frauen, also die Beherrschten wie Pierre Bourdieu sie bezeichnet, zu Mittätern werden, die die patriarchalen Herrschaftsverhältnisse aufrechterhalten. Innerhalb eines Frauenkollektivs unterscheidet man oft zwischen vermeintlich „guten“ und “schlechten” Frauen, also denjenigen, die sich den Regeln des Patriarchats bewusst oder unbewusst anpassen und denjenigen, die sich auflehnen. Die Abwertung des weiblichen Geschlechts äußert sich dann in Aussagen wie: „Wenn man rumläuft wie eine Schlampe, muss man sich auch nicht wundern, dass man wie eine behandelt wird”, ohne dabei zu reflektieren, dass dieser Versuch sich von “schlechten Frauen” abzugrenzen, eine frauenfeindliche Denkweise legitimiert.
Ein kleiner Lichtblick: Internalisierte Misogynie kann überwunden werden, allerdings ist dies ein langwieriger Prozess, der die gesamte Sozialisation der Betroffenen auf den Kopf stellt und das Anerkennen komplexer Herrschaftsverhältnisse benötigt.
4. Fascism is Female
Das Gedeihen von faschistischer Politik ist neben zahlreichen weiteren Faktoren auf niemand Geringeres als auf Frauen angewiesen. Es benötigt ein weibliches Sprachrohr, das die Bedeutsamkeit von Familie und Reproduktionsarbeit an die breite Bevölkerung trägt. In der gegenwärtigen Zeit sind die Akteurinnen längst nicht mehr nur in (faschistischen) Frauenzeitschriften vertreten. Stattdessen findet man sie in den sozialen Netzwerken wieder, wo sie als sogenannte Trad-Wife-Influencerinnen autoritäre Rollenbilder vertreten. Als erwerbstätige Frauen dringen sie aus dem Komfort der privaten Sphäre in die öffentliche ein, um ihre Followerinnen an die vermeintliche Notwendigkeit des Rückzugs der Frau aus dem öffentlichen Raum zu erinnern. Dabei verfolgen sie das Ziel, die Idee eines traditionellen Maternalismus zu normalisieren.
