Aktionstüte zum Orange Day 2025 [Foto: Cora Liebscher]
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15 Frauen pro Stunde – Wieso wir den Orange Day brauchen

25. November 2025


Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) brachte es auf den Punkt, als sie angesichts der aktuellen Bundeslagebilder am Freitag sagte: „Wenn Sie das mal umrechnen, bedeutet das, dass pro Stunde 15 Frauen von partnerschaftlicher Gewalt betroffen sind.“ Am 25. November 2025 beginnt der jährlich stattfindende Orange Day bzw. die Kampagne „Orange the World“ – ein Zeitraum bis zum 10. Dezember (Tag der Menschenrechte) –, der weltweit dazu auffordert, Gewalt gegen Frauen und Mädchen nicht länger still zu akzeptieren.

In Deutschland zeichnet das gerade veröffentlichte Bundeslagebild eine ernüchternde Bilanz: 308 Frauen und Mädchen wurden im Jahr 2024 durch Gewalttaten getötet, meist von Partnern oder Ex-Partnern. Zudem stiegen die registrierten Fälle von sexualisierter Gewalt, von häuslicher Gewalt sowie digitaler Gewalt an.

Diese Zahlen sind nicht nur Statistiken. Sie sind Symptome eines gesamtgesellschaftlichen Versagens und zugleich ein Ausgangspunkt für Engagement, Gespräche und Sichtbarkeit. Auch Hochschulen und Gleichstellungsbüros, unter anderem die UDE, beteiligen sich am Gedenk- und Aktionstag. 

„Jeder vierte Frau ist in ihrem Leben von partnerschaftlicher Gewalt betroffen“ – so fasst Prien die Zahlen zusammen. Im neuen Lagebild heißt es: Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 265.942 Menschen Opfer häuslicher Gewalt – ein neuer Höchststand. 70,4% der Opfer sind weiblich. Die Anzeigequote läge unter 5% und die Zahlen zeigen nur das Bild der angezeigten Taten.

Die Tötungsdelikte an Frauen und Mädchen gingen leicht zurück (308 gegenüber 340 im Vorjahr) – dennoch bleibt das eine Realität, in der alle zwei Tage ein Femizid begangen wird.

Debatte um den Begriff „Femizid“

Gerade dieser Begriff sorgt in Deutschland für intensive Diskussionen. International – etwa durch die Vereinten Nationen – wird Femizid längst genutzt, um die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts zu beschreiben. Befürworter:innen des Begriffs argumentieren, dieser mache sichtbar, dass viele Tötungen nicht „Beziehungsdramen“, sondern Ausdruck struktureller, patriarchaler Gewalt seien.

Kritiker bemängeln hingegen, der Begriff sei juristisch schwer fassbar oder zu politisch aufgeladen. Doch die Zahlen sprechen für sich: Die meisten getöteten Frauen sterben durch Partner oder Ex-Partner – ein Muster, das über individuelles Verhalten hinausweist. Die Debatte zeigt, wie entscheidend Sprache ist: Benennen wir ein strukturelles Problem, oder verdecken wir es? Für viele Expert:innen ist deshalb klar: Ein Begriff wie Femizid schafft Sichtbarkeit und Sichtbarkeit ist Voraussetzung für Veränderung.

Die digitale Gewalt nahm mit 6% am stärksten zu: 18.224 Frauen und Mädchen wurden Opfer von Stalking, Online-Bedrohung oder Nötigung. Die registrierten Fälle von sexualisierter Gewalt stiegen auf 53.451 Opfer, was einem Plus von 2,1% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Angesichts dieser Daten meinte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU): „Auf die Frage, ob die Politik genug tut, um Frauen vor Gewalt zu schützen, muss die Antwort lauten: Nein.“ Die Bilanz ist klar: Es passiert etwas, aber es passiert zu wenig und zu langsam.

Warum die Kampagne „Orange“?

Die Farbe Orange steht symbolisch für eine Zukunft ohne Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen. Kampagnen wie „Orange the World“ der Vereinten Nationen mobilisieren, sensibilisieren und fordern. In NRW engagiert sich die Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen und Universitätsklinika NRW (LaKof NRW) mit einer digitalen Vortragsreihe vom 18. November bis 6. Dezember 2025.

Auch die UDE beteiligt sich: Ab dem 25. November werden beide Campus orange beflaggt, Aktionen wie „Gewalt kommt mir nicht auf den Campus“ starten.

Was passiert an der UDE?

Die Gleichstellungsstelle der UDE listet konkrete Initiativen auf:

  • Ab 25.11. wird in den Mensen und Cafeterien eine Aktionstüte („Gewalt kommt mir nicht auf den Campus“) ausgegeben – mit Hashtags wie #GewaltKommtMirNichtAufDenCampus und #GewaltfreieHochschule könnt auch ihr Sichtbarkeit schaffen. 27 Hochschulen in NRW machen mit.
  • Am 27.11. von 14:00 – 15:30 Uhr hostet das Gleichstellungsbüro der UDE im Rahmen der digitalen Vortragsreihe einen Vortrag zum Thema „Bystander Interventionen bei sexueller Belästigung“ mit Dr. Sandra Schwark.

Das soll zeigen: Hochschulen sind nicht nur Bildungsorte, sondern auch gesellschaftliche Räume, die Verantwortung übernehmen, Orte schaffen für Reflexion, Schutz und Handlung.

Was passiert im Unialltag?

In der Uni treffen Studium und Lehre auf die Realitäten von Macht und Geschlecht. Der akademische Raum ist weder unpolitisch noch neutral. Im Gegenteil: Er kann und er muss Ort der Prävention und der Gesprächs- und Unterstützungsangebote sein.

Die UDE macht das z.B. mit Empowerment-Workshops. „Erfolgreich verhandeln im Hochschulalltag“ oder „Schutz vor sexualisierter Gewalt und sexualisierter Belästigung in Hochschulkontexten“ werden angeboten. Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsberatung sind Teil des Angebots.

Denn essenziell ist: Wer Gewalt erfahren hat – ob psychisch, physisch oder digital – braucht Orte, in denen gehört wird; er braucht Strukturen, die intervenieren.

Die Veranstaltungstermine an der UDE sind eine Chance und eine Einladung: Nutzt sie! Macht gemeinsam sichtbar, dass der Campus nicht nur Wissen produziert, sondern auch Verantwortung übernimmt. Die Politik hat eingeräumt: „Es passiert nicht genug.“ Und damit ist klar: Es gibt Raum und Bedarf für Engagement, für Veränderung und für eine Gesellschaft, in der jede Frau sich frei bewegen kann, ohne Angst und Gewalt.

Werdet am Orange Day 2025 Teil dieses Signals.. Tragt Orange. Hisst Fahne. Besucht Vorträge. Teilt die Aktionstüte. Zeigt: Gewalt gegen Frauen ist nicht verborgen. Sie ist nicht privat. Sie geht uns alle an.

Cora ist seit Juli 2025 Redakteurin bei der ak[due]ll. Sie studiert Fotografie an der Folkwang Universität. Cora interessiert sich besonders für Themen an der Schnittstelle von Gesellschaft, Kultur und individueller Entwicklung. Neben ihrem Studium engagiert sie sich hochschulpolitisch, arbeitet an kreativen Projekten im Kulturbereich und glaubt daran, dass neue Formen von Arbeit, Bildung und Miteinander möglich sind, wenn wir den Mut haben, sie zu denken. Ihr Redaktionskürzel ist [col].

Cora Liebscher

Cora ist seit Juli 2025 Redakteurin bei der ak[due]ll. Sie studiert Fotografie an der Folkwang Universität. Cora interessiert sich besonders für Themen an der Schnittstelle von Gesellschaft, Kultur und individueller Entwicklung. Neben ihrem Studium engagiert sie sich hochschulpolitisch, arbeitet an kreativen Projekten im Kulturbereich und glaubt daran, dass neue Formen von Arbeit, Bildung und Miteinander möglich sind, wenn wir den Mut haben, sie zu denken. Ihr Redaktionskürzel ist [col].

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