Illustration: Lisa Johanna Enninger
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Wie finanzieren sich Studis?

Geld ist für uns Studis von zentraler Bedeutung. Und steigende Preise und Mieten stellen Studis vor große Herausforderungen. Trotzdem reden die meisten nicht gerne über ihre Ein- und Ausgaben. Wie viel ist eigentlich normal? Wo stehe ich im Vergleich zu anderen Studis? Wir haben uns am Campus umgehört, Statistiken ausgewertet und Studis in einer Umfrage gefragt, wie sie ihr Studium finanzieren und was das für ihren Alltag bedeutet. 

Bitte Alter, förder Geld (BaföG)

Für einen Teil der Studierenden ist BAföG die wichtigste Einnahmequelle. Für den Staat ist es das zentrale Instrument, um Chancengleichheit an Hochschulen herzustellen. Doch BAföG erreicht längst nicht alle, die es brauchen. Anspruch haben Studierende im ersten berufsqualifizierenden Studium, sofern sie Altersgrenzen einhalten und eigenes sowie elterliches Einkommen nicht ausreichen. Entscheidend ist die elternabhängige Berechnung. Verdienen die Eltern gut, sinkt die Förderung oder entfällt ganz. Damit ist BAföG eng an die soziale Herkunft gebunden.

Wie das im Alltag aussieht, zeigt der Blick auf Studienanfänger:innen. Eine Lehramtsstudentin im ersten Semester hat BAföG beantragt und keinen Cent bekommen. „Ich habe meine Unterlagen alle ausgefüllt, habe ich aber leider nicht bekommen“, sagt sie. Der Aufwand habe sich im Nachhinein kaum gelohnt. „Das war so anstrengend, wirklich.“ Sie lebt noch bei ihren Eltern und kommt mit ihrem Minijob über die Runden. BAföG hätte sie trotzdem gebraucht, zumindest als Absicherung.

Illustration: Lisa Johanna Enninger

Ähnlich ergeht es Diana, erstes Semester Lehramt. Auch sie wartet vergeblich auf eine Förderung. „Ich habe auch BAföG beantragt, aber da kam auch noch nichts“, sagt sie. Dass sie noch zu Hause lebt, fängt vieles ab. „Wenn ich jetzt alleine wohnen würde, würde ein Minijob gar nicht ausreichen.“

Bundesweit erhält rund jede:r fünfte Studierende BAföG. Im Sommersemester 2021 lag die Förderquote bei etwa 19 Prozent. Der durchschnittliche monatliche Förderbetrag betrug rund 640 Euro. Diese Zahl verschleiert jedoch große Unterschiede. Viele erhalten nur Teilbeträge von wenigen hundert Euro. Andere erreichen fast den Höchstsatz von aktuell etwas über 930 Euro inklusive Zuschlägen für Miete und Krankenversicherung. Es wird deutlicht: Für eine Minderheit ist BAföG zentral, für die Mehrheit spielt es keine Rolle.

Die Förderung besteht zur Hälfte aus einem Zuschuss, zur Hälfte aus einem zinslosen Darlehen. Studierende verschulden sich also bereits während des Studiums. Die Rückzahlung ist gedeckelt. Maximal müssen 10.010 Euro zurückgezahlt werden, unabhängig von der Gesamthöhe der Förderung. Die Tilgung beginnt frühestens fünf Jahre nach Ende der Regelstudienzeit und erfolgt in festen monatlichen Raten. Trotz der Verschuldung gilt BAföG als vergleichsweise planbares Finanzierungsmodell.

In der Praxis scheitert vieles an der Umsetzung. Ray, Psychologiestudentin im zweiten Semester, hat BAföG erst spät erhalten. „BAföG war richtig anstrengend für mich“, sagt sie. Ihre Unterlagen seien verloren gegangen, alles habe sie erneut einreichen müssen. „Gott sei Dank haben mir meine Eltern […] geholfen.“ Ohne diese Unterstützung hätte sie die Monate bis zur Bewilligung kaum überbrückt. Solche Erfahrungen sind kein Einzelfall. Zwischen Antrag und erster Auszahlung vergehen oft mehrere Monate. Wer zu Semesterbeginn auf das Geld angewiesen ist, gerät schnell unter Druck. Viele überbrücken die Zeit mit Nebenjobs oder elterlicher Hilfe. Vorausleistungen sind zwar vorgesehen, kommen aber selten an. Bürokratie, lange Bearbeitungszeiten und schwer einschätzbare Förderhöhen erschweren die finanzielle Planung zusätzlich.

Illustration: Lisa Johanna Enninger

Unsere Umfrage bestätigt das bundesweite Bild. Nur eine kleine Minderheit der Studierenden bezieht BAföG – drei der 27 Teilnehmenden. Die meisten erhalten Teilförderungen, die allein kaum zum Leben reichen. Auffällig ist der Zusammenhang mit dem elterlichen Bildungshintergrund. Studierende ohne akademische Eltern beziehen deutlich häufiger BAföG und erhalten im Schnitt höhere Beträge. Studierende aus akademischen Haushalten gehen dagegen oft leer aus oder bekommen nur geringe Summen, weil das Elterneinkommen angerechnet wird. Im Vergleich zur 22. Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks zeigen sich kaum strukturelle Abweichungen. BAföG deckt selbst im Höchstsatz selten alle Lebenshaltungskosten. Für viele bleibt es nur ein Baustein, ergänzt durch Elternhilfe oder Erwerbsarbeit. Für Studierende aus finanziell schwachen Haushalten ist BAföG jedoch oft die einzige realistische Möglichkeit, ein Studium überhaupt aufzunehmen.

„Ich muss mich oft entscheiden: lernen oder arbeiten?”

Wenn BAföG keine Option ist, ist es vielleicht der Minijob, die Werkstudi-Stelle oder die Arbeit als Wissenschaftliche Hilfskraft, kurz HiWi. Immer mehr Studierende arbeiten neben der Uni. Solche Deutungen lassen zumindest die Daten des Mikrozensus vom Statistischen Bundesamt und der Bundesagentur für Arbeit zu. Seit 2015 steigt die Zahl der Erwerbsbeteiligung zwischen den 20- und 24-Jährigen, insbesondere die Teilzeitbeschäftigungen, an. 

In NRW waren in 2022 56,2 Prozent der Studierenden erwerbstätig. Während in Essen 60,1 Prozent der Studis (zwischen 18 und 26 Jahren) neben der Uni arbeiteten, waren es in Duisburg 51,5 Prozent. An beiden Standorten lag der Anteil der weiblichen Studis mit Job etwas höher als der von männlichen. Diese Gewichtung passt zu den Ergebnissen des Studierendenwerks, demnach Studentinnen „statistisch signifikant häufiger als Studenten” arbeiten. Es lässt sich also festhalten, dass junge Leute nicht faul sind, auch wenn dieses Bild von älteren Generationen im Privaten ebenso wie in der politischen Debatte immer wieder gezeichnet wird. 

Vielmehr schaut die Realität für einige Studis so aus: „Ich muss teilweise meinen Job meinem Studium vorziehen, um die Lebensunterhaltskosten zu finanzieren. Leider leidet mein Studium darunter. Ich muss mich oft entscheiden: lernen oder arbeiten?”, schreibt eine Studentin (21) der Aquatischen Biologie in unserer Umfrage. Es hat sich eine Art Teufelskreis von Vorurteilen gegenüber Studierenden gebildet, der von der Annahme sie seien faul über die Realität, dass sie mehr arbeiten denn je, bis hin zu zusätzlichem Druck durch Dozierende reicht, die teilweise zwanghaft eine Anwesenheitspflicht zurück wollen. 

Noch dazu hilft Arbeitserfahrung während des Studiums beim Übergang in die Arbeitswelt nach dem Abschluss. Netzwerke, die während des Jobbens in einer zum Studium passenden Branche entstehen, können später den Berufseinstieg erleichtern. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schlussfolgert: „Die Bedeutung von Studentenjobs geht somit deutlich über den finanziellen Aspekt der Deckung der Lebenshaltungskosten während des Studiums hinaus.” Natürlich ist es nicht immer möglich, direkt einen fachnahen Nebenjob zu ergattern. Häufig arbeiten Studis (um die 40 Prozent) in fachfremden Jobs in der Gastronomie oder im Einzelhandel, die eher der Deckung von Lebenshaltungskosten als der Karriere dienen. Auffällig ist hierbei, dass Studierende aus nicht-akademischem Elternhaus häufiger in fachfremden Jobs arbeiten, während Studis aus akademischen Haushalten eher in HiWi bzw. fachnahen Jobs landen. 

Ein Job neben der Uni ergibt also aus mehreren Gründen Sinn und ist ein Muss für viele. Gleichzeitig beeinträchtig die Entscheidung zu arbeiten oder nicht zu arbeiten, nicht nur die Lebenserhaltung, sondern auch Zukunftspläne. Die Idee der unbeschwerten Studis mit viel Freizeit, Partys und Campusleben bleibt dabei eher eine Illusion.

Geld von Fremden

Um möglicherweise ohne Arbeit neben dem Studium auszukommen, könnte ein Stipendium hilfreich sein. Es gibt eine Bandbreite an Stipendien in Deutschland: Zoe hat ein Stipendium von der Stiftung des deutschen Volkes und bekommt seit Beginn ihres Bachelors 300 Euro im Monat. Sie ist 21 Jahre alt und studiert Englisch und Chemie auf Lehramt. Das Stipendium habe ihre Schule „eingefädelt”, indem sie als Stipendiatin bei der Studienstiftung vorgeschlagen habe. Nach vollendetem Bewerbungsprozess mit Unterlagen und Auswahlwochenende in einer Jugendherberge in Bochum bekam Zoe dann die Zusage. Als Stipendiatin ist sie eine von wenigen. Lediglich um die vier Prozent der Studierenden erhielten 2021 Förderungen im Zuge eines Stipendiums. Anders sieht es natürlich bei Stipendien für Auslandsaufenthalte, wie z. B. Erasmus+ aus. 

Als eines von 13 Begabtenförderungswerken unterstützt die Studienstiftung Zoe nicht nur finanziell, sondern auch ideell und ermöglicht freiwillige Angebote wie Sprachkurse oder auch Auslandsaufenthalte. Für Zoe bedeutet das regelmäßige Einkommen vor allem Sicherheit. Gemeinsam mit ihrem Kindergeld und ihrer HiWi-Stelle mit 8 Stunden pro Woche, kann sie so ihre Kosten decken. Ohne das Stipendium würde vor allem ihre Freizeit etwas anders aussehen: „Ich würde damit über die Runden kommen, aber dann sind das weniger Spaßgetränke, ohne Spaßerlebnisse”, erklärt Zoe. 

Der Bewerbungsprozess des Deutschland- bzw. UDE-Stipendiums ist im Vergleich etwas leichter. Dafür müssen lediglich Motivationsschreiben und Lebenslauf in einem Portal hochgeladen werden. Kein Auswahlwochenende, keine Jugendherberge. Zur Aussicht stehen ein Semester lang 300 Euro pro Monat. Danach muss man sich wieder neu bewerben. 2024 konnten 33.000 Studierende in Deutschland davon profitieren. Bei unserer Umfrage gaben drei der 27 Teilnehmenden an, ein Stipendium mit 300 Euro im Monat zu erhalten.  Zoe unterstreicht, dass Stipendien für jede:n eine Möglichkeit darstellen, man müsse sich nur nach etwas Passendem erkundigen und es probieren. Wer Interesse an einem Stipendium hat und mehr Infos sucht, kann sich an der UDE über ein Buddyprogramm direkt Infos von Stipendiat:innen holen oder sich ans ABZ (Akademische Beratungszentrum) für eine allgemeine Sprechstunde wenden. 

Das Familien-Stipendium

Elterliche Unterstützung ist die häufigste und oft entscheidende Einnahmequelle im Studium und oft das, was den Ausschlag gibt zwischen Sorge und Sicherheit. Für viele Studierende entscheidet nicht allein der Studienerfolg über einen entspannten Alltag, sondern die Frage, wie stabil das finanzielle Netz zu Hause ist. „Ja, aber nur dank meiner Eltern”, antwortete ein 26-jähriger Masterstudent der Wirtschaftsinformatik auf die Frage, ob er gut über die Runden kommt. Kürzer lässt sich die Lage kaum zusammenfassen.

Das Recht ist eindeutig. Eltern sind verpflichtet, ihre Kinder bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss finanziell zu unterstützen. Wie hoch dieser Unterhalt ausfällt, hängt vom Einkommen der Eltern ab und orientiert sich an pauschalen Bedarfssätzen.

Für Studierende, die nicht mehr im Elternhaus wohnen, liegt der monatliche Bedarf seit 2025 bei rund 990 Euro. Darin enthalten ist eine angenommene Warmmiete von etwa 440 Euro. Kranken- und Pflegeversicherung sowie mögliche Studiengebühren kommen noch hinzu. Diese Summe ist kein Garant, sondern ein Richtwert. Zahlen müssen Eltern nur das, was sie leisten können. Verdienen Studierende selbst Geld, etwa durch Nebenjobs oder BAföG verringert sich der Anspruch entsprechend. Und die Pflicht der Eltern hat Grenzen. Sie endet mit dem Abschluss des Studiums oder wenn das Studium ohne erkennbaren Grund in die Länge gezogen wird. Unterhalt kann dabei nicht nur als Geld fließen, sondern auch als Sachleistung, etwa durch kostenfreies Wohnen oder regelmäßige Mahlzeiten.

„Ich lebe halt sparsam und wohne zum Glück bei meinen Eltern, aber wäre gerne unabhängiger, sorgloser was Geld angeht”, sagt eine 24-jährige Studentin in den Fächern Spanisch und Germanistik. Eine andere berichtet offen von ihrem Vorteil. „Ich habe das unglaubliche Privileg, bei meinen Eltern im Haus wohnen zu können, sodass mein Minijob gerade so reicht”, sagt eine 26-jährige Kunstwissenschaftsstudentin. Urlaub oder größere Ausgaben sind dann allerdings nicht mehr drin.

Ein fester Bestandteil der elterlichen Unterstützung ist das Kindergeld. Es beträgt aktuell 250 Euro im Monat und wird vom Staat bis zum 25. Lebensjahr gezahlt, solange sich das ‘Kind’ in Ausbildung oder Studium befindet. Formal geht es an die Eltern, praktisch landet es häufig direkt auf dem Konto der Studierenden und ist Teil ihrer Kalkulation. „Sobald ich 25 bin und aus der Familienversicherung falle und meine Eltern kein Kindergeld mehr bekommen, wird es sehr schwierig mit Miete und Essen. Ich habe Angst vor der Zukunft”, erzählt ein 23-jähriger Lehramtsstudent. 

Unsere Umfrage zeigt, wie unterschiedlich die Beträge ausfallen. Studierende, die Geld von ihren Eltern erhalten, kommen im Durchschnitt auf rund 542 Euro im Monat. Dieser Wert basiert auf einer kleinen Zahl an Antworten und ist vorsichtig zu lesen. Deutlich sichtbar sind soziale Unterschiede. Studierende mit zwei akademischen Elternteilen erhalten im Schnitt mehr pro Monat als Studierende ohne akademischen Elternhintergrund. Herkunft kann also einen spürbaren Unterschied machen. Wer aus einem Akademiker:innenhaushalt stammt, kann häufiger auf finanzielle Rückendeckung zählen. Diese Ergebnisse decken sich mit dem bundesweiten Bild. Laut Studierendenwerk erhalten mehr als 80 Prozent der Studierenden Geld von Eltern oder Verwandten. Im Durchschnitt sind es 418 Euro pro Monat. Private Unterstützung deckt damit etwa ein Drittel der gesamten Studienfinanzierung. Gleichzeitig zeigt auch die Erhebung eine klare soziale Schieflage. Studierende aus bildungsnahen und einkommensstärkeren Familien profitieren deutlich häufiger und stärker. Studierende ohne akademischen Hintergrund müssen häufiger jobben oder staatliche Leistungen nutzen.

Wie knapp es trotzdem werden kann, beschreiben einige. „Am Ende des Monats wird es manchmal knapp, dann muss ich mich zusammenreißen”, sagt eine 25-jährige Lehramtsstudentin. Zwei Mal habe sie ihre Eltern um zusätzliches Geld bitten müssen. Andere berichten von noch größerem Druck. Eine 21-jährige Software-Engineering-Studentin erzählt, dass ihr Erspartes weitgehend aufgebraucht ist. Arbeiten raube Lernzeit, Essen werde geplant oder reduziert. „Ehrlich gesagt habe ich eine leicht ungesunde Art entwickelt, mit Essen umzugehen”, sagt sie.

Die Abhängigkeit vom Elternhaus ist hoch. Wer dort auf stabile Unterstützung bauen kann, studiert entspannter. Miete, Lernmaterialien oder ein kaputter Laptop werden schneller aufgefangen. Studierende ohne diese Rückendeckung müssen häufiger jobben oder auf staatliche Leistungen zurückgreifen. Einige berichten trotz elterlicher Hilfe von finanziell angespannten Situationen, etwa wenn die Unterstützung knapp bemessen ist oder unregelmäßig kommt. Wer diese elterliche Rückendeckung nicht hat, zahlt oft mit Zeit, Stress und Sorge.

Kostenfaktor Wohnen 

Fast die Hälfte der monatlichen Ausgaben von Studis gehen für Wohnen drauf. Und die Mieten steigen weiter. Eine Analyse des Moses Mendelssohn Instituts zufolge stiegen die durchschnittlichen WG-Preise in Deutschland von 2015 (Ø 339€) bis 2025 (Ø 505€) um fast 50 Prozent. Auch an den UDE-Standorten ist diese Entwicklung deutlich spürbar. In Essen stiegen die WG-Preise im gleichen Zeitraum um rund 40 Prozent, von 300 auf 420 Euro. In Duisburg stiegen die Mieten von 2020 (Ø 325€) bis 2025 (Ø 430€) um rund 32 Prozent. Diese Werte decken sich auch mit den Ergebnissen unserer Campusbefragung: Studierende gaben im Schnitt rund 420 Euro im Monat für Wohnen aus.

Der BAföG-Unterkunftsanteil, also der Anteil an der Förderung, der für Miete vorgesehen ist, hält bei dieser rasanten Entwicklung nicht mit. Zwar stieg er in den letzten zehn Jahren um rund 70 Prozent, dennoch bleiben die Studierenden auf einer Finanzierungslücke von rund 125 Euro sitzen. Diese Differenz müssen Studis aus dem restlichen BAföG, Nebenjobs oder durch familiäre Unterstützung ausgleichen. Elterliche Hilfe kann diese Lücke schließen, zumindest in der Theorie. Die Düsseldorfer Tabelle geht von rund 440 Euro monatlich für Wohnkosten aus, das setzt jedoch voraus, dass Eltern den Unterhalt auch leisten können. Das hat Folgen für die Chancengleichheit. „Problematisch wird es, wenn der Geldbeutel der Eltern darüber entscheidet, ob ein Studium am gewünschten Ort möglich ist. Bildungschancen dürfen nicht vom Wohnungsmarkt abhängen”, so Dr. Stefan Brauckmann vom Institut.

Beim Thema Wohnen zählen nicht allein Größe und Kosten. Der Wohnort prägt den Studienalltag entscheidend, etwa durch die Nähe zum Campus, zur Bib und zu sozialen Treffpunkten. Wer sich nur ein Zimmer weit außerhalb leisten kann, verbringt einen Großteil seiner Zeit mit Pendeln und weniger im Uni-Alltag. Lerngruppen, Angebote des AStAs oder Treffen mit Kommiliton:innen werden zur logistischen Herausforderung. Gleichzeitig schränken hohe Mieten den finanziellen Spielraum ein. Wer viel Miete zahlt, hat weniger Geld für Essen, Kultur, Sport und soziale Aktivitäten. Wer studiert, braucht mehr als einen Platz zum Schlafen, sondern auch Nähe, Austausch und Teilhabe. Wenn Wohnen unbezahlbar wird, gerät genau das in Gefahr.

Die Studienfinanzierung bleibt für viele Studierende ein Balanceakt. Mit elterlicher Unterstützung und Nebenjobs kommen die meisten über die Runden, oft jedoch nur sehr knapp und „auf den Cent genau”, wie ein Studi (27, Soziale Arbeit) uns schreibt. Dieses Auskommen ist häufig mit Verzicht verbunden, etwa durch längeres Wohnen im Elternhaus oder Abstriche bei Freizeit und Lernzeit zugunsten von Erwerbsarbeit. Wer wie viel Spielraum hat, hängt dabei stark von Faktoren wie Bildungsherkunft, Geschlecht, Alter und Studiengang ab. Neben klassischen Einnahmequellen greifen einige Studierende auch zu unkonventionellen Wegen, um ihr Budget aufzubessern, etwa durch Blutspenden, den Verkauf gebrauchter Kleidung oder die Teilnahme an wissenschaftlichen Studien. Insgesamt zeigt sich, dass Studieren für viele nur mit kreativen Strategien, Kompromissen und erheblichem persönlichem Aufwand finanzierbar ist.

Carolin (25) schreibt seit April 2024 für die ak[due]ll. Als Redakteurin interessieren sie Themen wie intersektionaler Feminismus, das Campusleben in Essen und lokale Happenings. In der Redaktion ist sie als car bekannt.

Carolin Neumeier

Carolin (25) schreibt seit April 2024 für die ak[due]ll. Als Redakteurin interessieren sie Themen wie intersektionaler Feminismus, das Campusleben in Essen und lokale Happenings. In der Redaktion ist sie als car bekannt.

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Cora Liebscher

Cora ist seit Juli 2025 Redakteurin bei der ak[due]ll. Sie studiert Fotografie an der Folkwang Universität. Cora interessiert sich besonders für Themen an der Schnittstelle von Gesellschaft, Kultur und individueller Entwicklung. Neben ihrem Studium engagiert sie sich hochschulpolitisch, arbeitet an kreativen Projekten im Kulturbereich und glaubt daran, dass neue Formen von Arbeit, Bildung und Miteinander möglich sind, wenn wir den Mut haben, sie zu denken. Ihr Redaktionskürzel ist [col].

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