Wie wär’s mal mit Dry 2026? [Foto: Anna Olivia Böke]
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Ist Alkohol gefährlicher als Heroin oder Crack?

3. Februar 2026

Alkohol ist gesellschaftlich so normalisiert, dass wir sein Gefahrenpotenzial kaum hinterfragen. Der Dry January kann daher für viele ein Experiment sein: einen Monat lang auf Alkohol verzichten, um dem Körper eine Pause zu gönnen, Geld zu sparen oder einfach zu testen, wie sehr der eigene Alltag von Konsum bestimmt wird. Für die einen fühlt es sich nach Verzicht an, für die anderen nach Detox und besserem Schlaf. Eine große Studie kommt jedoch zu einem Ergebnis, das irritiert und nachdenklich machen sollte.

Der britische Psychopharmakologe David Nutt und sein Forschungsteam haben 2010 in der Fachzeitschrift The Lancet eine umfassende Bewertung von Drogen veröffentlicht. Anders als viele Ranglisten, die nur auf individuelle Gesundheitsschäden schauen, berücksichtigt diese Studie 16 Kriterien. Dazu zählen körperliche Schäden, Suchtpotenzial, Todesrisiko, Auswirkungen auf Job und Beziehungen aber auch die Folgen für andere: ökonomische Kosten, Kriminalität, familiäre Belastungen und sozialer Zusammenhalt.

Das Ergebnis: Heroin und Crack-Kokain sind für Konsumierende selbst extrem gefährlich. Sie führen zu schweren gesundheitlichen Schäden und haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Überraschend ist jedoch, dass Alkohol im Gesamtranking ganz oben steht. Mit einem Gesamtschadensscore von 72 liegt er deutlich vor Heroin (55) und Crack-Kokain (54). Der Grund dafür ist nicht nur das individuelle Risiko, sondern vor allem der enorme Schaden für andere.

Alkohol verursacht hohe Kosten im Gesundheitssystem, spielt eine Rolle bei Verkehrsunfällen und Gewalt, belastet Familien und führt zu Arbeitsausfällen. In der Studie machen diese „sozialen Schäden“ mehr als die Hälfte der Gesamtbewertung von Alkohol aus. Während bei illegalen Drogen vor allem die direkten gesundheitlichen Folgen ins Gewicht fallen, ist es beim Alkohol das Gesamtpaket aus Alltagskonsum, Verfügbarkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz.

Heißt das, Alkohol ist „schlimmer“ als Heroin? 

So einfach ist das nicht. Niemand will damit den Konsum harter Drogen relativieren. Die Studie zeigt vielmehr, dass unsere Bewertung von Drogen stark von der Perspektive abhängt, die wir einnehmen. Wenn man nur fragt, was dem eigenen Körper schadet, landen Alkohol und Tabak oft im Mittelfeld. Wenn man aber einbezieht, wie sehr andere mitbetroffen sind, verschiebt sich das Bild drastisch.

Für Studierende ist das besonders relevant, da Alkohol in der Studi-Phase oft allgegenwärtig ist, ob aus Gruppenzwang oder Genuss. Ein Bier nach der Vorlesung oder ein paar Gläser Wein auf einer WG-Party machen niemanden automatisch zu Problemtrinker:innen. Es geht nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger auf individuelle Entscheidungen zu schauen, sondern darum, sich der kollektiven Folgen bewusst zu werden und zu sensibilisieren.

Dry January kann in diesem Sinne mehr sein als ein Fitness-Trend. Er bietet die Gelegenheit, das eigene Trinkverhalten zu reflektieren: Trinke ich aus Genuss oder aus Gewohnheit? Fühle ich mich ohne Alkohol unwohl in sozialen Situationen? Wie gehe ich mit Stress oder Prüfungsdruck um? Solche Fragen sind nicht zwingend Zeichen eines größeren Problems, sondern von Selbstfürsorge.

Die Studie von Nutt und Kolleg:innen legt nahe, dass Drogenpolitik und gesellschaftliche Debatten oft an der Realität vorbeigehen. Illegale Substanzen werden streng reguliert, während Alkohol trotz seiner hohen Schadensbilanz kulturell verankert bleibt. Die Studie beleuchtet also nicht nur die Notwendigkeit zur Selbstreflexion, sondern auch die dringende Überarbeitung der Logik, wieso und auf welche Weise bestimmte Drogen und ihre Konsument:innen kriminalisiert werden.

Vielleicht ist die wichtigste Botschaft nicht, dass Alkohol „gefährlicher als Heroin“ sei, sondern dass wir unser Verständnis von Risiko erweitern sollten. Was wir konsumieren, betrifft nicht nur uns selbst, sondern auch unser Umfeld. Dry January kann ein kleiner Schritt sein, diese Perspektive einzunehmen – ohne erhobenem Finger, aber mit mehr Bewusstsein.

Wer jetzt nach dem Januar also wieder anstößt, tut das vielleicht mit einem zusätzlichen Gedanken im Hinterkopf: nicht aus Gewohnheit, sondern aus informierter Freiheit und mit bewusstem Genuss.Die gesamte Studie könnt ihr hier nachlesen.

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In der Lancet-Studie erreichten „Magic Mushrooms“ (Psilocybin) einen Gesamtschadenswert von 6 auf einer Skala von 0 bis 100 – der niedrigste Wert aller untersuchten Substanzen. Ein Wert für Schaden an anderen ist in der Grafik nicht zu erkennen. Bewertet wurden unter anderem körperliche Schäden, Abhängigkeit, Sterblichkeit sowie gesellschaftliche Folgen wie Kosten, Kriminalität und familiäre Belastungen. Der geringe Score ergibt sich vor allem aus niedriger Toxizität, kaum Suchtpotenzial und geringen sozialen Folgekosten. Zum Vergleich: Alkohol liegt bei 72 Punkten. (Disclaimer: Die Studie bewertet Risiken des durchschnittlichen Konsums. Einzelfälle können trotzdem negative Folgen haben.)