Zwei Kolosse treffen in dieser Vorstellung aufeinander. Das langersehnte Projekt des koreanischen Starregisseurs Bong Joon-ho (Parasite) mit Robert Pattinson in der Titelrolle und die Speerspitze in Sachen Bild und Ton – IMAX. Wir haben uns beides mal genauer angeschaut.
Ende letzten Jahres kürte das Format IMAX die Leinwände des Cinestar in Dortmund. Eines von nur zehn Kinos in ganz Deutschland, ist es nun schon das zweite im Ruhrgebiet. Das UCI in Bochum bietet diesen Spaß bereits seit 2018 an. Doch was ist IMAX überhaupt? IMAX ist ein Aufnahme- und Projektionssystem, das, wie der Name schon verrät, auf Maximalismus ausgerichtet ist. Doppelt so große Filmrollen oder mittlerweile Sensoren, riesige Leinwände und gigantischer Sound. Es verspricht Detailreichtum und nahtlose Immersion der Zuschauenden. Man schaut nicht auf eine Fläche, sondern taucht direkt in den Film ein. Welcher Film kann also besser geeignet sein, das auszutesten, als Bong Joon-hos Mickey 17.
Sechs Jahre nach Joon-hos als Meisterwerk anerkanntem Spielfilmhit Parasite folgt endlich sein neuestes Projekt. Nach solch einer Bombe in der Filmwelt waren Augen und Ohren auf den koreanischen Regisseur gerichtet. Mit einem starbesetzten Cast, der unter anderem aus dem aktuellen Batman (Pattinson), Hulk (Mark Ruffalo) und der Arthouse-Favoritin Toni Collette besteht, dürfte dem Erfolg wohl nichts im Wege stehen. Doch – die Meinungen sind gespalten.
Einfach unterhaltsam
In einer dystopischen Zukunft versucht ein gescheiterter Politiker (Ruffalo), mit seiner sektenartigen Anhängerschaft einen neuen Planeten zu besiedeln. Dabei soll der Einsatz von sogenannten „Expendables“ helfen. Mickey lässt sein Bewusstsein in einen Computer hochladen und kann durch Recycling geklont werden. Und dadurch unzählige Male sterben, damit es sonst niemand muss. Nun ja, 17 Mal um genau zu sein, doch bei der 18 läuft etwas schief.
Der Plot erfindet nicht unbedingt das Rad neu und auch die im Film gestellten moralischen Fragen zum Klonen wurden bereits seit den 80ern unter anderem durch Blade Runner schon gestellt. Vielmehr ist es ein Gefäß für den Witz und eine Leinwand für die Kreativität des Casts und davon lebt das Projekt. Wer hier Parasite 2 oder ein modernes Citizen Kane erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Doch das ist gar nicht der Anspruch: Mickey 17 unterhält. Und das macht er gut. Robert Pattinson als bedauernswerter Lemming beweist ein weiteres Mal seine Bandbreite und gibt dem Film durch sein Porträt von Mickey einen Aufhänger, der uns gespannt hält. Toni Collette und Mark Ruffalo dürfen sich als Trump-esques Bild der Sci-Fi Bourgeoisie richtig austoben und lassen uns lachen und hassen zugleich.
Inhaltlich beschäftigt sich Joon-ho mit den für ihn typischen Themen: Klassenkampf, Gier und unsere Zerstörung des Planeten. Traurigerweise zunehmend relevant, ist es verständlich, weshalb die Ideen dazu nicht ausgehen. Der Film basiert auf dem 2022 erschienenen Roman Mickey7 von Edward Ashton. Wenn man sich den Zeitstrahl anschaut, bleibt bloß die Frage offen, ob Joon-ho schon in der Buchhandlung die ersten Anrufe tätigte.
Lohnt sich IMAX?
Visuell verbleibt Joon-ho genauso in seiner Komfortzone. Süße, dem Menschen moralisch überlegene Tierchen wie bei Okja in einer schneebedeckten Landschaft, für die er Frames aus Snowpiercer hätte recyceln können. IMAX lässt diese Bilder allerdings in neuem Glanz erstrahlen. Die Auflösung ist knackiger denn je und die gigantische Leinwand hat den Saal in ihre Schneelandschaften verschluckt. Abstriche mussten allerdings beim Sound festgestellt werden: Immersion ist schön und gut, doch es wurde etwas zu gut gemeint. Beim Verlassen des Saals hieß es aus fast jeder Richtung, dass Ohrenschmerzen oder Kopfschmerzen die Folge waren. Da muss also vielleicht noch etwas neu gepegelt werden.
Der ein oder anderen Person wird auch auffallen, dass der Preis für das neue System es in sich hat. 17 Euro kostet ein Platz in der Loge, für die neuen Komfort-Sitze in den IMAX-Sälen zahlt man sogar 20 Euro. Mehr als das Doppelte eines Ticketpreises in kleineren Programmkinos im Ruhrgebiet. Für den ein oder anderen Film, der von seiner Bildgewalt lebt, kann es durchaus lohnenswert sein. Für den regulären Besuch ist der 10-Prozent-Studi-Rabatt leider doch zu wenig ausschlaggebend.
