Die Psychologische Beratungsstelle des ABZ ist Anlaufstelle für alle psychologischen Belange, die Studierende betreffen – von Überforderung bis Prüfungsangst. Angeboten werden sowohl individuelle Beratungsgespräche als auch Gruppenangebote, online sowie an beiden Campus.
In einer Studie der Charité Berlin und Universität Bielefeld gaben rund ein Drittel der Studierenden an, regelmäßig unter depressiven Symptomen zu leiden. Auch Erschöpfungs- und Burn-Out-Symptome wurden von circa 40 Prozent der Befragten genannt. Psychische Probleme unter Studierenden sind verbreitet, und manchmal braucht es externe Hilfe, um durch schwierige Zeiten zu kommen.
Die Themen, mit denen sich Studierende an die Beratungsstelle wenden, sind so vielfältig wie die Studierenden selbst. Überforderungserleben und Erschöpfungszustände, Prokrastinationsverhalten und Lernschwierigkeiten, Prüfungsängste und Motivationsfragen. Auch persönliche Probleme, die den Studienerfolg verhindern, kommen häufig zur Sprache.
Von der ersten Anfrage zur finalen Feedback-Mail
Der Weg zu einem Termin bei der Psychologischen Beratungsstelle startet auf ihrer Website. Dort finden sich die E-Mail-Adressen der Berater:innen. Nach einer Gesprächsanfrage per Mail reagieren die Berater:innen normalerweise zeitnah mit einer ersten Rückmeldung. „Die Studierenden melden sich in einer schwierigen Phase, und da zumindest ein Zeichen zu geben, finden wir wichtig“, sagt Christian Hoverath, einer der Psycholog:innen der Beratungsstelle. Denn bis zu einem freien Beratungstermin kann es durchaus mehrere Wochen dauern. In diesem sondieren Studierende und Berater:in dann die Situation und gehen dem Problem auf den Grund. Bei manchen Schwierigkeiten lässt sich bereits in einer Sitzung eine Strategie erarbeiten, bei anderen Problemen kann auf weitere Angebote der UDE, wie Studienzweifel-Workshops oder die Studienfachberatungen, oder auch externe Träger im Lebensraum der Person verwiesen werden. Ob es bei einem Gespräch bleibt oder weitere Termine folgen, ist „variabel je nach Anliegen und Manifestation“, so Hoverath. Die Verlaufskontrolle der Beratung erfolgt manchmal mit einem weiteren Termin, manchmal auch mit der Vereinbarung, sich bei weiterem Bedarf noch einmal zu melden. „Das hat natürlich auch für den Studierenden selbst eine Wirkung, wenn er so den Verlauf für sich nochmal im Anschluss reevaluiert“, erklärt Hoverath.
Grenzen der Beratung
Die psychologische Beratung ersetzt keine Therapie. Der Mangel an Therapieplätzen wirkt sich jedoch sichtbar auf den Arbeitsalltag der Beratungsstelle aus. „Wir sehen ja in der Gesellschaft, dass es einen Mangel an psychologischen Angeboten gibt und stellen schon fest, dass sich dieser Mangel dann auch bei uns niederschlägt“, so Hoverath. Psychische Krankheitsbilder, die eine therapeutische Indikation erfordern, können in der Beratungsstelle nicht bearbeitet werden. Die Berater:innen können allerdings mit Informationen und Unterstützung bei der Suche nach einem Therapieplatz weiterhelfen.
Hoverath beobachtet in seinem Arbeitsalltag die Belastungen der jungen Generation: „Ich nehme eine Menge Druck bei der jungen Bevölkerung wahr, ich nehme eine Menge Stress, Ängste und Sorgen wahr, aber innerlich vertraue ich darauf, dass auch die Generation der Studierenden Lösungen für sich finden wird.“
„Kleine Routinen schaffen, die die Batterie wieder aufladen“
Die Beratungsstelle unterstützt Studierende auch präventiv. Vor allem mit Gruppenangeboten, in denen sie Strategien lernen, die den Unialltag leichter machen. Es gibt Workshops im Rahmen des Schreibcamps der Bibliothek, die beim Anfangen von und Dranbleiben an wissenschaftlichen Arbeiten helfen. Außerdem gibt es Sessions zu Selbstmanagement und dem Umgang mit Leistungsdruck.
Besonders viel Zulauf findet der mehrteilige Prüfungsangst-Workshop. Hier wird geklärt: Was ist eigentlich Prüfungsangst? Wo kommt sie her? Und welche Wege gibt es, mit ihr umzugehen? Laut Hoverath sei das Ziel dieses Workshops nicht, dass sich die Angst nach ein paar Sitzungen in Luft auflöst, sondern: „Ich muss davon ausgehen, dass diese Prüfung etwas mit mir macht, und dann die richtigen Strategien bereithalten, damit umzugehen. Das versuchen wir in den Prüfungsangst-Workshops zu erarbeiten, damit die Studierenden einen kleinen Methodenkoffer haben, um mit ihren eigenen Reaktionen auf Stressoren umgehen zu können.“
Neu im Repertoire der Beratungsstelle ist die „Mentale Mini-Tankstelle“. In dieser halbstündigen Session werden konkrete Tools vorgestellt, die die eigene Resilienz stärken und dabei helfen, mit Herausforderungen besser umzugehen.
Ein Tipp aus dem Tankstellen-Toolkoffer: Richtig Pause machen.
Die Forschung zeigt: Um nach einer verdoppelten Belastungszeit die gleiche Erholungswirkung zu erreichen, braucht es keine verdoppelte Pausenlänge, sondern eine vervierfachte. Der Pausenbedarf steigt exponentiell. Das heißt, dass frühzeitige Pausen nicht nur die Fehlerquote reduzieren, sondern auch Zeit sparen. Die Wirkung der Pause steht und fällt allerdings mit ihrem Inhalt. So verlockend es auch sein mag, die Augen nur vom großen Bildschirm auf den kleinen wandern zu lassen – für das Gehirn ist das keine Entspannung. „Pause heißt nicht: Bildschirm nehmen, durchscrollen, Energydrink reinkippen und weitermachen“, sagt Hoverath. Besser: aufstehen, bewegen und – wenn es geht – kurz raus an die frische Luft gehen oder in die Natur schauen.
Näheres zu den Beratungsangeboten sowie Kontaktdaten finden sich auf der Website der Psychologischen Beratungsstelle.
Bei akuten psychischen Krisen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111.
