Am 08. März ist Weltfrauentag/Frauenkampftag/feministischer Kampftag. [Foto: Carolin Neumeier]
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#Männer gegen Gewalt

6. März 2026

Männer sollen jetzt das Patriarchat stürzen. Zumindest fordert eine Initiative gerade online Männer am 08. März auf, gegen Gewalt an Frauen* auf die Straße zu gehen. Insgesamt 100.000 Männer wünschen sich die Initiatorinnen des Hashtags #Männergegengewalt bei den feministischen Demonstrationen. Unsere Redakteurin findet die Idee gar nicht mal so schlecht.

Ein Kommentar von Carolin Neumeier

Mein Instagram-Algorithmus hat mir diese interessante Aktion in den Feed gespült. Meine erste Reaktion zu dem Hashtag #MännergegenGewalt war ein kurzes Auflachen, der Gedanke The bar is in hell kam mir sofort. So platt formuliert ist es natürlich fast schon komödiantisch, zu fordern, dass sich Männer doch bitte gegen Gewalt aussprechen mögen, – was bestimmt viele von ihnen bereits tun – aber hier geht es spezifisch um Gewalt von Männern gegen Frauen*. Es geht um häusliche Gewalt, die jeden Tag stattfindet; um die Femizide, die in Deutschland jeden zweiten Tag durch einen Mann an einer Frau* ausgeübt werden; es geht um psychische Gewalt, Belästigung und viele weitere Unterdrückungsmechanismen. 

Die Initiatorinnen nennen all diese Missstände ein Männerproblem. Weshalb sollten das dann Frauen* lösen müssen? Meiner Meinung nach eine berechtigte Frage. Bei den Posts der Initiative bleibt aber offen, ob es sich wirklich um Demonstrationen ausschließlich für Männer handelt.  

Dabei schießt mir aber auch der Gedanke in den Kopf: Hä, sollen jetzt Männer unsere Kämpfe für uns führen? Meine Antwort: Nein, sollen sie nicht. Aber sie sollen mit uns kämpfen. Es geht nicht darum, dass sich jetzt Feministen nach vorne drängen und feministische Errungenschaften für sich reklamieren, sondern dass sie im Schulterschluss Seite an Seite mit Frauen* stehen. Sie sollen weibliche Erfahrungen von Unterdrückung und Ungleichberechtigung wahrnehmen, zuhören und mit ähnlicher, angemessener Empörung reagieren. 

Wer auf Social Media unterwegs ist, kann das Gefühl bekommen, dass Männer und Frauen immer weiter auseinanderrücken. Wer Misogynie sagt, bekommt das Wort Misandrie an den Kopf geworfen. Die Incel-Kultur und die Manosphere boomen. Diese Wahrnehmung von Rückschritten zurück zu traditionellen Geschlechterrollen wird von einer neuen Studie gestützt. Dort gab jeder dritte Mann der Gen Z an, eine Frau soll dem Mann Gehorsam leisten. Das sind wesentlich mehr als die 13 Prozent der Babyboomer, die dieser Aussage zustimmen. Wie krass wäre es, in so einem sozialen Moment gemeinsam für eine Sache zu stehen: Gleichberechtigung. 

Allyship heißt nicht Mittelpunkt. Es heißt Mitverantwortung

So deklariert es ein Instagram Post der drei Initiatorinnen: Dr. Franziska Saxler ist Psychologin und Buchautorin zu Belästigung und Machtmissbrauch. Zusammengetan hat sie sich mit der Filmemacherin Annelie Runge, die als erste Frau in der BRD gegen Belästigung durch Männer geklagt hatte, und Jessica Mathieu, einer Rechtsanwältin mit Fokus auf Antidiskriminierungs-, Arbeits- und Sozialrecht.

Runges Aussage eröffnet immer wieder die Reels der Aktion: „Gewalt an Frauen ist kein Frauenproblem. Das ist ein Männerproblem.” #MännergegenGewalt wird auch von immer mehr Content-Creator:innen und Personen des öffentlichen Lebens unterstützt. Einer davon ist Gunnar, der Lieblingsmann vieler Frauen aus der diesjährigen Love is Blind Germany Staffel.  Neben ihm nutzen feministische Influencer:innen wie Silvi Carlsson ihre Reichweite, um auf die Aktion aufmerksam zu machen.

Es sollte mehr Gunnars geben, die mit Frauen mitlaufen, anstatt zu sagen „Geh du mal auf die Demo und protestiere für deine Rechte” und dann daheim bleiben, als ginge sie die Debatte nichts an. Denn Männer, die schweigen, machen es Tätern leichter, ein ungleiches System aufrechtzuerhalten. Wir alle haben Frauen* in unserem Leben und diese öffentlich zu unterstützen und Solidarität zu zeigen, wäre doch eine ganz wundervolle Sache. 

Auch wenn keine der deklarierten #MännergegenGewalt Demos im Ruhrgebiet stattfindet, gibt es dennoch genug Möglichkeiten, am 08. März mit auf die Straße zu gehen. In Essen um 16 Uhr am Rüttenscheider Markt, in Bochum um 15 Uhr am Hauptbahnhof, in Duisburg um 16 Uhr auf dem Dellplatz und in Dortmund ab 14 Uhr auf dem Friedensplatz. 

Und wer weiß? Vielleicht sorgen solche Anstöße dafür, dass in kommenden Jahren auch Männer ähnliche Bewegungen initiieren. Die Macherinnen schreiben auf Instagram: „Wir wünschen uns, dass Männer diese Initiative irgendwann selbst starten. Bis dahin öffnen wir die Tür – und erwarten, dass sie hindurchgehen.”

Carolin (25) schreibt seit April 2024 für die ak[due]ll. Als Redakteurin interessieren sie Themen wie intersektionaler Feminismus, das Campusleben in Essen und lokale Happenings. In der Redaktion ist sie als car bekannt.

Carolin Neumeier

Carolin (25) schreibt seit April 2024 für die ak[due]ll. Als Redakteurin interessieren sie Themen wie intersektionaler Feminismus, das Campusleben in Essen und lokale Happenings. In der Redaktion ist sie als car bekannt.

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