Kondom aufziehen müssen manche wohl auch im Erwachsenenalter noch lernen. [Foto: Nikita Verbitskiy]
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Let’s talk about Sex

18. August 2026

Eine Kolumne von anonym

Manche Klischees gibt es aus gutem Grund. Auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen, hat zumindest meine Lebenserfahrung mir gezeigt, dass Cis-Männer miteinander deutlich weniger, wenn überhaupt, über das Thema Sex sprechen. Zumindest nicht über das Wie oder Warum. Meistens dreht sich alles nur um das Wann und Wieviel.

Mir (m, 27, hetero) erklärt meine Partnerin auch immer noch regelmäßig, wie viel tiefer die Gespräche dazu in ihrem Freundeskreis gehen. Aber zumindest die wichtigsten Themen sind bei uns unter den „Jungs“ kein Tabuthema. Was sind die groben Präferenzen, wie geht man bestimmte Dinge an, was sind wichtige Erfahrungen und Learnings, was sind vielleicht Dinge oder Verhaltensweisen, die man hinterfragen könnte und sollte? Ich habe es in anderen Kreisen schon gespürt und von befreundeten Frauen die gleichen Infos über ihre Partner und deren Freunde bekommen: Das Männer untereinander über Sex sprechen ist eher die Ausnahme. 

Aber warum? Viele Dinge, die mir vielleicht besonders in der Pubertät und im frühen Erwachsenenleben geholfen hätten, musste ich später oder eben von meinen Partnerinnen erfahren, da im Freundeskreis einfach nicht darüber geredet wurde. Dass Erektionen und „Performance“ or a lack thereof – besonders am Anfang – durch Nervosität ganz normal sein können und eher die Regel als die Ausnahme sind, würde fast kein Mann vor den anderen Männern zugeben. Obwohl sich alle dadurch ein bisschen weniger einen Kopf machen und damit wohler fühlen könnten. Ein Freund erfuhr erst mit Mitte 20, dass er jahrelang das Kondom falsch aufzog, weil er mit niemandem darüber reden konnte. Tipp an der Stelle: Ihr müsst den Zipfel beim Aufziehen zusammendrücken, damit sich keine Luftblase bildet, da das Kondom dadurch schneller platzen kann.

Pornos ≠ Sex Education

Durch regelmäßigen Austausch können auch eventuell vorliegende toxische Verhaltensmuster eher als solche erkannt und verhindert werden. Was erwartest du von deinem Partner oder deiner Partnerin? Forderst du gewisse Dinge? Wenn ja, wie? Welche Dinge sind abgesprochen? Was machst du einfach so, weil du es vielleicht in Pornos so gesehen und als normal eingeordnet hast? 

Hier liegt auch ein großer Teil des Problems: In der Schule lernen wir, was auf anatomischer Ebene passiert, (hoffentlich) wie wir richtig verhüten und was sexuell übertragbare Krankheiten und Schwangerschaft sind. Aber sexuelle Praktiken, Vorspiel und Vorlieben werden nicht besprochen. Und da spielen dann nun mal Sexszenen in Filmen und leider auch Pornos eine entscheidende Rolle in der frühen sexuellen Erziehung. Und wenn darüber nicht gesprochen wird, kann diese Menge an Falschinformationen auch nicht als solche eingeordnet werden. 

Genau andersherum ist es dann beim Kinkshaming. Während gewisse Praktiken normalisiert werden, werden andere automatisch verurteilt oder als krank eingestuft. Solange Konsens und juristische Richtlinien beachtet werden, sollten die Menschen sich so austoben dürfen, wie es ihnen Spaß macht. Und auch hier sind viele Dinge vielleicht normaler, als man glaubt. Es wird eben nur nicht darüber gesprochen. Im schlimmsten Fall flüchtet man sich stattdessen in zweifelhafte Ecken des Internets, um seine Vorlieben auszuleben und wird dort radikalisiert. Stattdessen könnte man erfahren, dass der eine Kollege das schon mit seiner Partnerin ausprobiert hat und einem Tipps geben kann, was man denn beachten sollte. 

Mein Appell

Habt keine Angst, mit euren Freunden über euer Sexleben zu sprechen. Wenn einmal der kurze Moment der Awkwardness überschritten ist, weil jemand dieses Thema zum ersten Mal aufmacht, wird es ganz normal. Wer nie über solche Themen redet, ist im schlimmsten Fall übergriffig, riskiert eine Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten oder eine ungewollte Schwangerschaft, ohne es zu wissen.