Geht wählen! [Grafik: Vincent Will]
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Kommunalwahl-Check 2025 

11. September 2025

Am 14. September finden in NRW Kommunalwahlen statt. Wir haben uns angeschaut, was die Parteien in Duisburg und Essen für Studierende und junge Menschen zu bieten haben. Das Bild ist ernüchternd: Zwar tauchen Universität und Campus hin und wieder auf, doch konkrete Ideen bleiben vage. Wir haben bei den OB-Kandidat:innen nachgefragt.

Wahlprogramme: Essen 

CDU Essen

In ihrem „Kommunalen Handlungsprogramm” beschreibt die CDU Essen das Uni-Viertel als „Wachstumsmotor” mit Potenzial für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und möchte gezielt Unternehmen in Nähe zur Universität ansiedeln. Außerdem soll der Campus besser an die Innenstadt angebunden werden.

SPD Essen

Die SPD Essen möchte in Essen Wohnraum für Studierende, aber auch Azubis schaffen.

Bündnis 90 Die Grünen Essen
Die Grünen fordern, dass auch Auszubildende von Vergünstigungen profitieren sollen, die bisher nur Studierenden vorbehalten sind, etwa dem Kulturticket für günstige Kulturveranstaltungen. Allgemein möchte sich die Partei dafür einsetzen, das gesellschaftliche Ansehen von Ausbildung und Studium gleichzusetzen.

Wahlprogramme: Duisburg 

CDU Duisburg

Im Wahlprogramm der CDU Duisburg wird die Universität nur im Zusammenhang mit der Förderung eines Wasserstoff-Zentrums und der Schaffung eines Technologie-Quartiers genannt.

SPD Duisburg

Die Duisburger SPD möchte „die Potenziale der Universität besser nutzen”. Absolvent:innen sollen ihren Lebensmittelpunkt in Duisburg finden, Jobsuche sowie Unternehmensgründungen sollen gefördert werden. 

Bündnis 90 Die Grünen Duisburg

Die Grünen nennen die UDE als wichtigen Standortfaktor für Duisburg. Um diesen attraktiver zu gestalten, fordern sie bezahlbaren Wohnraum, interessante Freizeitmöglichkeiten und ein vielfältiges kulturelles Angebot. Zudem sollen Studierende und Forschende von Seiten der Stadt befragt werden, wie die Stadt attraktiver gestaltet werden kann. So haben die Duisburger Grünen erreicht, dass der AStA der Universität Duisburg-Essen beratend am Unterausschuss Universität teilnehmen kann. Dieser Ausschuss soll auch weiter gestärkt werden. 

Darüber hinaus soll der Uni-Wald am Duisburger Campus erhalten bleiben und nicht Erweiterungsplänen der Universität weichen. Bei dem Ausbau soll zudem eine umfassende Bürgerbeteiligung stattfinden:„Die Entwicklung der Uni geht alle etwas an.”

Was bleibt?

Insgesamt lässt sich festhalten: In den Wahlprogrammen der Parteien finden Studierende kaum Platz. Viele Forderungen seitens der Parteien bleiben allgemein oder betreffen uns nur am Rande. Um genauer herauszufinden, welche Vorstellungen die Parteien tatsächlich haben, haben wir einige Bürgermeisterkandidat:innen der Parteien um Antworten gebeten. Rückmeldung erhalten haben wir von allen, außer von der CDU Duisburg.

Mögliche Oberbürgermeister:in in Essen

Inga Sponheuer (Grüne Essen)

Auf unsere Fragen zu den Anliegen von Studierenden betont Inga Sponheuer, dass ihre eigenen Erfahrungen und das Erleben von Ungleichheit, Klassismus und Rassismus bei anderen sie geprägt haben und bis heute prägen.

Wichtiges Ziel für sie ist bezahlbarer Wohnraum für Studis: Leerstehende Bürogebäude wie zum Beispiel das Postbankhaus oder das Hochtiefhaus sollen für „preisgedämpften” Wohnraum und Gewerbe genutzt werden, in Zusammenarbeit mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft und dem Studierendenwerk.

Beim Thema Mobilität fordert sie sichere Radwege zwischen Hauptbahnhof und Campus und die Durchsetzung des Radentscheids, der von der Stadtspitze gebremst werde, so Sponheuer. Der Bau von Radwegen werde durch Fokussierung auf den Autoverkehr gebremst. Auch soll die abendliche ÖPNV-Taktung erhöht werden. Durch die Einführung einer:eines Nachtbürgermeister:in soll das Nachtleben und das Sicherheitsgefühl verbessert werden.

Als Lieblingsort in Essen nennt Sponheuer die Cafés und Bars am Isenbergplatz.

Julia Klewin (SPD Essen)

Julia Klewin schreibt uns, dass sie als erste in ihrer Familie Abitur gemacht hat und studiert hat, besonders geprägt hat sie die Orientierungslosigkeit und Unsicherheit zu Beginn des Studiums.

Auch für Klewin ist bezahlbarer Wohnraum zentral. Vor allem kleine Wohnungen sollen mit öffentlichen Geldern gefördert werden, außerdem will sie erreichen, dass die Stadt 40 % aller Neubauten fördert. Zudem soll der Leerstand vor allem bei Bürogebäuden bekämpft werden. Wohnraum soll privat und nicht kommerziell, beispielsweise als AirBnB oder Büro genutzt werden, Spekulation mit Bauland soll teurer werden.

Der ÖPNV soll durch digitale Taktung flexibler werden, schlecht versorgte Stadtteile besser angebunden werden. In Mischbereichen, wo Autos und Fahrräder aufeinander treffen, soll Tempo 30 gelten.

Essen soll durch Freiflächen, geöffnete Schulhöfe und neue Sportanlagen attraktiver für junge Menschen werden. Kultur soll in Zusammenarbeit mit der Folkwang-Uni zugänglicher werden. Die Vielfalt von Essen sieht Klewin als Stärke und setzt auf Begegnungsräume. Wirtschaftlich soll Essen in GreenTech, Gesundheit und IT wachsen, immer in enger Zusammenarbeit mit der UDE.

Besonders verbunden mit ihrer Stadt fühlt sie sich beim Kaffee auf der Rü und einem anschließenden Spaziergang im Stadtwald.

Thomas Kufen (CDU Essen)

Thomas Kufen schreibt uns, dass besonders seine Ausbildung zum Bürokaufmann und sein Wehrdienst ihm gezeigt haben, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und neue Erfahrungen zu machen.

Beim Thema Wohnraum verweist Kufen auf die städtische Allbau GmbH, die geförderte Wohnungen baut und saniert. Zudem seien Micro-Apartments in der Uni-Nähe entstanden, hier seien auch weitere Projekte geplant. Auch Studi-Wohnheime sollen gefördert werden.

Im Bereich Mobilität nennt Kufen Investitionen in Bus und Bahn, neue Schienenstrecken, längere Straßenbahnen sowie 220 Mio. Euro für den Radverkehr bis 2030.

Für junge Menschen setzt der amtierende Oberbürgermeister auf Bildungsangebote und mehr Grünflächen. Studierende profitieren durch 50% Ermäßigung in städtischen Häusern, auch die freie Kulturszene soll gefördert werden.

Darüber hinaus stellt er klar: „Ich kämpfe kompromisslos für null Toleranz bei Gewalt, Kriminalität, Vandalismus sowie Rassismus und Antisemitismus.”

Wirtschaftlich will er Essen als Standort für Gesundheit, Energie und Wasserstoff sowie Start-Ups stärken.

Kufens Lieblingsort: Die Zeche Zollverein.

Mögliche Oberbürgermeister:in in Duisburg

Sebastian Ritter (Grüne Duisburg)

Sebastian Ritter hat in Duisburg studiert und promoviert. Aus dieser Zeit nimmt er mit, dass es jungen Menschen an Angeboten fehlt. Wenn Duisburg als Studienort attraktiv sein soll, müssen Studierende stärker einbezogen werden.

Auch für Ritter ist zentraler Wohnraum wichtig. Die GEBAG, eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft in Duisburg, soll mehr Wohnungen bauen und sanieren. In Abstimmungen mit dem Studierendenwerk sollen auch Wohnheime entwickelt werden. 

Beim Thema Mobilität kritisiert er die jahrelange Bevorzugung des Autoverkehrs. Ritter will Straßenbahnlinien beschleunigen, ein Netz von Radstraßen und zwei Radschnellwege schaffen. Verkehrspolitik solle dabei an den Bedürfnissen von Bürger:innen und Studierenden orientiert sein. „Das Rad muss eine echte Alternative werden”, so Ritter.

Für junge Menschen fordert er mehr niederschwellige öffentliche Räume und soziokulturelle Angebote. Kultur sieht er als Stärke Duisburgs, möchte aber zusätzliche Räume für queere Menschen schaffen: „Ein queeres Zentrum als Schutzraum für Kultur- und Bildungsangebote von der queeren Community für die queere Community”. Integration bedeutet für ihn: Alle einbeziehen und migrantische Selbstorganisation zu  stärken. Wirtschaftlich setzt er auf Stahl und Logistik, aber auch einen strategischen Prozess für neue Branchen.

Sein Lieblingsort in Duisburg ist die Installation „Tiger & Turtle“ in Duisburg-Angerhausen.

Sören Link  (SPD Duisburg)

Sören Link, Oberbürgermeister von Duisburg schreibt uns, dass er schon früh mit Nebenjobs, wie Prospekte austragen, sein eigenes Geld verdient hat und dadurch seine Unabhängigkeit schätzen lernte.

Für Studierende setzt auch er auf bezahlbaren Wohnraum. Gemeinsam mit Studierendenwerk und der GEBAG sollen neue Wohnungen in Uni-Nähe entstehen. In Hochfeld plant die GEBAG zudem ein neues Azubiwohnheim.

Im Bereich Mobilität verweist Link auf Investitionen in den ÖPNV. Dichtere Takte bei den Linien 901 und 903, neue Nachtbuslinien, den On-Demand Bus myBus, neue Fahrradboxen und Leihstationen.

Kulturell sollen Studierende von günstigen Tickets, dem 1€-Kulturticket und Angeboten wie dem Jugendtheater profitieren. Kulturstellen in den Bezirken fördern neue Projekte direkt vor Ort. Vielfalt sieht Link als Stärke, die durch Vereine, Sport und Stadtteilprojekte gelebt wird. Wirtschaftlich will er Zukunftsbranchen und Start-Ups fördern, damit Absolvent:innen gute Jobs direkt in Duisburg finden.

Links Lieblingsort sind die Rheinauen in Walsum, wo er aufgewachsen ist.

Volker (23) schreibt seit September 2023 für die Ak[due]ll. Er studiert Wirtschaftsinformatik an der UDE. Sein Redaktionskürzel ist [vos].