Die Ausstellung dis/connect ist noch bis zum 13. Juli 2025 im Künstlerhaus Dortmund zu sehen. [Foto: Anna Olivia Böke]
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f² Fotofestival in Dortmund: Die Ausstellung dis/connect im Künstlerhaus

4. Juli 2025

Im Rahmen des fünften f² Fotofestivals zeigt das Künstlerhaus Dortmund vom 12. Juni bis 13. Juli 2025 die Ausstellung dis/connect. Unter dem Festivalmotto #Chaos versammelt die von Jens Sundheim kuratierte Gruppenschau zwölf künstlerische Positionen, die sich fotografisch mit dem Spannungsfeld zwischen Verbindung und Auflösung, Ordnung und Kontrollverlust auseinandersetzen. Es folgt ein Einblick mit Fotostrecke.

Netzwerke durchziehen nahezu alle Lebensbereiche: ob digital, sozial, ökologisch oder politisch. Sie verbinden und ermöglichen, doch sie erzeugen auch Abhängigkeiten und Krisen. dis/connect beleuchtet genau diese Ambivalenz: Die gezeigten Arbeiten machen sichtbar, wie fragile Systeme funktionieren, scheitern oder sich transformieren und was das über unsere Gegenwart erzählt.

Norman Behrendts Serie Exit dokumentiert Notausgänge der Berliner U-Bahn, die wie stumme Bühnen des Ausnahmezustands wirken. Ohne Kontext oder Erklärung erzeugen sie ein Gefühl von Bedrohung. Markus Kaesler reagiert mit seiner Arbeit vanitas auf den Ukrainekrieg: Er löst täglich einen analogen Abzug fotografisch auf und archiviert die Spuren der Zerstörung als poetisches und politisches Statement zugleich. Katharina Gruzei wiederum verbindet industrielle Architekturen mit Raumfahrt-Ästhetik und hinterfragt so historische und technologische Bilder und Darstellungen von Fortschritt.

Neben diesen Arbeiten zeigen weitere Künstler:innen wie Sabine Bungert und Stefan Dolfen, Daniela Risch, Lee Chang Ming oder Anna Thiele Fotografien über Stadtentwicklung, Umweltwandel, Migration und Identität. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit eint die Werke eine gemeinsame Fragestellung: Wie lassen sich komplexe, oft unsichtbare Strukturen fotografisch fassen? Und wo beginnt das Chaos?

Die Ausstellung bewegt sich bewusst zwischen dokumentarischer Genauigkeit und künstlerischer Interpretation. Sie lädt dazu ein, Ordnungen zu hinterfragen, Brüche wahrzunehmen und Unsicherheiten anzunehmen. In einer Welt, die zunehmend von Vernetzung geprägt ist, entsteht so ein vielschichtiges Bild von Instabilität, aber auch von Widerstandskraft.

Bei unserem Besuch am 25. Juni fand zudem die Reihe mex-Konzerte statt. Obwohl nicht fester Teil der Ausstellung, war der Auftritt von Elisa Metz mit ihrem Glasinstrument sehr beeindruckend. Inmitten der Fotografien des Hauptraums klangen die aufgehängten, bunten Glasröhren, die mit einem Gummihammer bespielt werden, mit vielen Ober- und Untertönen und feinen mikrotonalen Unterscheiden, wie der perfekte Soundtrack zu einer Ausstellung, die sich mit Ambivalenzen beschäftigt.dis/connect ist Teil eines größeren Festivalprogramms mit weiteren Ausstellungen im Ruhrgebiet. Der Eintritt im Künstlerhaus Dortmund ist frei, geöffnet ist donnerstags bis sonntags von 16 bis 19 Uhr.