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Endometriose für Anfänger:innen (wie mich)

30. April 2025

Ich, ein Cis-Mann, habe bisher nur peripher mit dem Wort Endometriose und der dahintersteckenden Krankheit Kontakt gehabt. Dass der März Endometriose-Awareness-Monat ist, habe ich dann doch irgendwie mitgekriegt. Als Nicht-Betroffener habe ich mich mal aktiv mit der Krankheit auseinandergesetzt und versuche, euch die mir neuen Erkenntnisse weiterzugeben. 

Endometriose entsteht, wenn Gewebezellen außerhalb der Gebärmutter sich so verhalten, als wären sie in ihr angesiedelt. Sie versuchen, zum entsprechenden Zeitraum im Menstruationszyklus Gebärmutterschleimhaut zu bilden. Dafür vervielfältigen sich die Zellen und werden beim Einsetzen der Regelblutung abgestoßen. Weil sie aber nicht in der Gebärmutter, sondern beispielsweise am Bauchfell, der Blase oder am Darm angesiedelt sind, können sie nicht den üblichen Weg über die Vagina nehmen und werden nicht in Form der Regelblutung ausgeschieden. So verbleiben die fehlplatzierten und abgestorbenen Zellen an der jeweiligen Stelle, entzünden sich und bilden Zysten. Dieser Vorgang wiederholt sich in jedem Menstruationszyklus, sodass regelmäßig starke Schmerzen auftreten. Falls man unter ungewöhnlich starken Periodenschmerzen leidet, empfiehlt es sich, seine:n Gynäkologe:in aufzusuchen. 

Wer hat Endometriose?

Wie aus der vorherigen Erklärung schon hervorgeht, sind von Endometriose fast ausschließlich Personen mit Gebärmutter, also vor allem Frauen*, betroffen. Die Krankheit kann bereits bei jungen Mädchen mit Auftreten der ersten Menstruation erscheinen. Mit steigendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit. Die wohl höchste Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung an Endometriose besteht laut verschiedenen Fachartikeln für Frauen zwischen 35 und 45 Jahren. Mit Beginn der Wechseljahre schwächen sich die Symptome einer Endometriose häufig ab oder verschwinden komplett. Es ist bisher keine klare Ursache für das Auftreten der Gebärmutterzellen in anderen Körperregionen bekannt. Einige Studien gehen jedoch von einem bisher noch nicht genauer identifizierten genetischen Zusammenhang aus, da Töchter von an Endometriose erkrankten Frauen selbst eine rund sechs Mal höhere Chance für deren Entwicklung haben. Die Erforschung von Ursachen und der Krankheit selbst wird erst seit September 2024 vom Bund gefördert: bisher nur mit 5 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Insgesamt sind zwischen 6 Prozent und 15 Prozent aller Frauen von Endometriose betroffen, alleine in Deutschland also wohl mehrere Millionen. Im globalen Vergleich sind Deutschland, Österreich und die Schweiz fortschrittlich im Umgang mit der Erkrankung. Es existieren in Deutschland rund 100 Einrichtungen, die auf Erkennung und Behandlung spezialisiert sind. Allein im und rund um das Ruhrgebiet sind es über 20. Weitere Informationen könnt ihr zum Beispiel auf der Website www.endometriose-vereinigung.de finden.

*Hiermit sind in Folge alle Personen mit Gebärmutter gemeint.

Interview mit einer Gynäkologin

Ich habe ein Interview mit Dr. med. Sabine Hamacher, Gynäkologin in Duisburg, geführt. Sie hat mir erklärt, wie sie als Ärztin mit Endometriose umgeht, was man tun kann und wie sehr die Krankheit schon im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen ist.

Wie erkennen Sie als Ärztin Endometriose, wenn Betroffene zu Ihnen kommen?

Hamacher: Das kann sehr unterschiedlich und auch schwierig sein. Das häufigste Symptom sind außerordentlich starke Schmerzen in der Periode. Die können je nach Lage der Endometriose zum Beispiel auch spezifisch beim Wasserlassen sein, wenn die Endometriose an der Blase sitzt. Manchmal sind es auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – das kann ganz unterschiedlich sein. Leider ist es besonders bei jungen Frauen und Mädchen teils schwer, den Grad an Schmerzen zu identifizieren.

Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung kann ich erkennen, wenn die Endometriose am Eierstock sitzt. Falls sie sich aber zum Beispiel am Bauchfell oder an der Blase befindet, bleibt es meist bei einem Verdacht. Zur Diagnosesicherung bräuchte es dann eine Bauchspiegelung, also einen operativen Eingriff. Das ist natürlich eine Abwägungssache für die Betroffenen und auch für mich. Häufig behandele ich die Patientinnen dann in Absprache aber schlicht so, als hätten sie Endometriose. Gerade bei Frauen, die verhüten wollen, hilft nicht selten die Pille. So kann man beides zugleich behandeln und minimalinvasiv vorgehen. Die Therapie gelingt meistens hormonell. Manchmal erfordert die Behandlung von Endometriose in einzelnen Fällen aber auch eine Operation.

Ist die Diagnose „Endometriose“ für Patientinnen, die in Ihre Praxis kommen, schon eine bekannte Möglichkeit?

Hamacher: Bis vor zehn Jahren wusste niemand außer Gynäkolog:innen etwas darüber. Da gibt es aber einen klaren Aufschwung mittlerweile. In einschlägigen Zeitungen, wie zum Beispiel der „Brigitte“, wird in Artikeln darüber informiert, im Internet kann man sich darüber informieren – Endometriose ist mittlerweile auch im Laienbewusstsein angekommen. Es gibt eine regelrechte Lobbyarbeit, die versucht, in der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür zu schaffen und die Forschung voranzutreiben. Es gibt eine Endometriose-Vereinigung, Forschungsgruppen, Arbeitsgemeinschaften. Mittlerweile gibt es auch viele Zentren für Endometriose, die sich fast nur damit beschäftigen, aufklären und behandeln. Heute kommen teils Patientinnen zu mir in die Praxis und fragen: „Kann es sein, dass meine Periodenschmerzen eine Endometriose sind?“

Moritz ist 25 Jahre alt und seit August 2024 Teil der ak[due]ll-Redaktion. Er studiert an der UDE Kommunikationswissenschaft und Germanistik. Als Redakteur schreibt er vor allem Artikel über lokale und Campus-Themen. Sein Redaktionskürzel ist [mok].

Moritz Karrer

Moritz ist 25 Jahre alt und seit August 2024 Teil der ak[due]ll-Redaktion. Er studiert an der UDE Kommunikationswissenschaft und Germanistik. Als Redakteur schreibt er vor allem Artikel über lokale und Campus-Themen. Sein Redaktionskürzel ist [mok].

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