Am Campus Duisburg laufen gerade zwei Entwicklungen gleichzeitig ab und die Kombination hat es in sich. Während es in einigen Gebäuden Probleme mit Schimmel an den Wänden, in anderen Keime im Trinkwasser und in wieder anderen kaputte Toiletten gibt, plant die UDE parallel den größten Umbau des Duisburger Campus seit ihrer Gründung in den 1970ern. Und die ersten Gebäude stehen bereits.
„Grünes” Parkhaus
Das neue Parkhaus an der Carl-Benz-Straße ist seit Ende 2024 in Betrieb. Hier ist jetzt Platz für 365 Autos. Treffenderweise beschreibt die Uni den Neubau als „Parkhaus mit grüner Fassade”, denn, obwohl es ähnlich wie das Schwesterparkhaus am Campus Essen mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach ausgestattet ist und Dachbegrünung angebracht wurde, bezieht sich das Wort „Grün” vor allem auf die Farbe der Fassade. Für den Bau mussten einige Bäume weichen.
Auf der Fläche neben dem Parkhaus, die früher als Parkplatz genutzt wurde, entsteht jetzt ein Ersatzbau für das in die Jahre gekommene LE-Gebäude. Der Rohbau wurde Anfang 2025 bereits abgeschlossen, der Innenausbau läuft. Das alte LE-Hochhaus von 1973 soll danach abgerissen werden. Das sind die derzeit schon laufenden Bauprojekte. Interessanter wird es, wenn man fragt, was danach kommt.
Im April 2025 stellte die NRW-Landesregierung die „Neue Masterplanung Hochschulbau” vor, und die UDE wurde als eine von drei Hochschulen in diesem Pilotprojekt ausgewählt. Für den Campus Duisburg bedeutet das konkret nicht nur die Sanierung oder den Ersatz bestehender Gebäude, sondern eine komplette Neuordnung des Campus. Die Kernidee: Ein starker, konzentrierter Campus statt vielen Einzelstandorten. Das ganze soll laut UDE-Kanzler Ulf Richter aus drei Zonen bestehen: einem Campus Süd für Informatik und Ingenieurwissenschaften, einem Campus Mitte für Physik, Gesellschaftswissenschaften und BWL und einem Campus Nord, der als „kulturelles Herz“ mit Bibliothek und zentralen Einrichtungen fungieren soll.
Besonders interessant für alle, die in den Bereichen Informatik oder Ingenieurwissenschaften studieren: Beide Fakultäten sollen langfristig – baulich – eng zusammenwachsen. Die Informatik ist seit Ende 2023 eine eigenständige Fakultät mit mehr als 30 Professuren. Es wird wohl auch diskutiert, die Informatik vom Campus Essen mit der in Duisburg zu verschmelzen. Ob und wann das passiert, scheint allerdings noch offen zu sein. Nicht zuletzt deshalb, weil die Studierenden, die Informatik auf Lehramt studieren, auf eine Beheimatung in Essen angewiesen sind.
Exkurs Technologiequartier
Ein Plan hat es wohl nicht aus dem Gruppen-Chat hinausgeschafft: Vor ein paar Jahren schwirrte die Idee umher, ein Technologiequartier auf einem alten DB-Werk in Duisburg-Wedau zu errichten, wo Uni, Startups und Unternehmen eng miteinander kooperieren sollten. Die „Neue Masterplanung Hochschulbau” macht das Projekt wohl überflüssig und vermutlich auch unwirtschaftlich.
Seit dem 23. Februar diesen Jahres läuft an der UDE jetzt ein sogenanntes städtebauliches Werkstattverfahren. „Drei (…) Teams aus Stadtplanung, Städtebau und Freiraumplanung erarbeiten (…) Vorschläge”, so Richter. Also wo Gebäude entstehen könnten, welche abgerissen werden und wie Freiflächen gestaltet werden sollen. Am 13. April 2026 sollen die Entwürfe am Campus Duisburg präsentiert werden. Wer mag, kann sich dann demnächst anschauen, was sich die Planer ausgedacht haben.
Bis die dann geplanten Maßnahmen umgesetzt werden, wird noch viel Wasser die Ruhr herunterfließen. Nach dem Werkstattverfahren folgen 2027 Ausschreibungen, dann Maßnahmenplanungen bis 2030 und die tatsächliche bauliche Umsetzung beginnt laut Plan frühestens 2031. Wer jetzt im ersten Semester ist, wird den fertigen Campus wohl nicht mehr Studi erleben.
Bis die großen Pläne Wirklichkeit werden, bleibt für viele Studierende am Duisburger Campus allerdings ein bitterer Beigeschmack: Während Baupläne in Werkstattverfahren präsentiert werden, sind Studis mit Schimmel und nicht funktionierenden Toiletten konfrontiert. Dass der Duisburger Campus im Vergleich zu Essen der vernachlässigte Standort sei, ist unter Studierenden ein weit verbreitetes Gefühl. „Dass da so ein Gefälle drin wäre, kann ich nicht wahrnehmen“, so Gebäudedezernentin Elke Hampel in einem früheren Interview. Ob die Studierenden am Duisburger Campus das genauso sehen, ist eine andere Frage.
