Wie kann feministische Aufarbeitung aussehen? Im Studium unter anderem so. [Foto: Rabea Jung]
Posted in

Mikrofeminismus, Studium Edition

15. Mai 2026

Mikrofeminismus bezeichnet die Implementierung kleiner feministischer Akte in den Alltag, um gegen tiefsitzende gesellschaftliche Manifestierungen des Patriarchats anzukämpfen. Wie genau das aussehen kann, und wie ihr auch im Studium niederschwellig gegen das Patriarchat vorgehen könnt, zeigen wir hier. 

  1. Gendern oder generisches Femininum 

Wie oft habt ihr in einem Text schon Fußnoten gelesen, die sagen, dass auf das Gendern verzichtet wird, um die Lesbarkeit zu vereinfachen, Frauen* aber natürlich mitgemeint sind? Wie oft gab es nicht einmal diese Fußnote? Wer nicht die Hälfte der Bevölkerung für eine vermeintlich bessere Lesbarkeit ausklammern möchte, kann in den eigenen Texten gendern, oder – ganz im Sinne von Foucault und Derrida – die Lage umkehren und das generische Femininum nutzen. Das stört auch? Dann liegt das Problem vielleicht doch nicht bei der Lesbarkeit, sondern beim Sexismus. 

  1. Kanonhinterfragung: wir stehen auf den Schultern von (unsichtbaren) Riesinnen  

Wer Sprachen studiert, wird mit verschiedenen literarischen Kanons konfrontiert. Hier fällt schnell auf: ein Großteil der Listen wird von den berühmt-berüchtigten alten weißen Männern eingenommen, Frauen* finden kaum Beachtung. Das hat gesellschaftliche Gründe – obwohl Frauen* häufig der Zugang zu künstlerischen/schaffenden Tätigkeiten verwehrt wurde, haben sie geschrieben, erfunden, gemacht. Verwehrt euch nicht die Chance auf großartige Literatur, indem ihr starr Listen abarbeitet. Viele Akademiker:innen an der UDE forschen zu schreibenden Frauen* und unterhalten sich sicher gerne mit euch über die Möglichkeit, auch in euren Prüfungen den Fokus auf die Aufarbeitung zu setzen. Projekte wie Die Kanon geben Anhaltspunkte. Das gilt übrigens nicht nur für Literatur. Die meisten Leute werden etwa von Lord Byron gehört haben, dass aber sein vielleicht größter Beitrag für die Menschheit die Vaterschaft zu Ada Lovelace, der britischen Mathematikerin, die das erste Computerprogramm der Welt geschrieben hat, ist, wird im Zusammenhang mit ihm eher weniger häufig genannt. 

  1. Akademische Perspektive

Über Primo, JStor und mit Nationallizenzen auch diverse andere Plattformen habt ihr Zugriff auf unglaublich viel Wissen – nutzt das! In der Bib findet ihr z.B. einige Werke der feministischen, gendertheoretischen und postkolonialen Kanons, von Einstiegswerken über Anthologien zu den ersten Texten, die ganze Bewegungen angestoßen haben. Nicht nur für ein Sprachstudium wichtig, sondern auch hilfreich, um gesellschaftliche Zusammenhänge besser verstehen zu können. Auch hierbei gilt: Intersektionalität ist key! Das von Kimberlé Crenshaw in 1989 entwickelte Konzept fehlt auch heute noch in vielen Strömungen – ganz zu schweigen vom Namen der Schöpferin. Interagiert mit Theorien, seht euch Kontexte an, bleibt kritisch. 

  1. Nehmt euren Platz ein 

Frauen dürfen erst seit 1909 studieren. Das Recht auf Bildung wurde hart erkämpft – verteidigt es, indem ihr eure Ressourcen nutzt. Habt keine Angst vor Autoritätsfiguren, auch Lehrpersonen sind keine Gottheiten. Informiert euch, nutzt euer Gehirn. 

Rabea (25) ist seit September 2023 Redakteurin bei der ak[due]ll. Sie studiert Anglophone Studies und Germanistik an der UDE. Ihr Redaktionskürzel ist [raj].

Rabea Jung

Rabea (25) ist seit September 2023 Redakteurin bei der ak[due]ll. Sie studiert Anglophone Studies und Germanistik an der UDE. Ihr Redaktionskürzel ist [raj].

Mehr von Rabea Jung