Das erste eigene Buch veröffentlichen: Das klingt für Autor:innen erstmal wie ein wahr gewordener Traum. Aber wie kann das klappen? Mein Name ist Derya und ich bin gerade mitten in diesem aufregenden Prozess und nehme euch mit.
Man arbeitet Monate, wenn nicht sogar Jahre lang an einem Manuskript, tüftelt und bastelt, nimmt allen Mut zusammen und schickt dann das hart erkämpfte Werk an verschiedene Verlage… dann kommt plötzlich die Zusage. Was jetzt? Genau so stand ich vor einigen Monaten da. Total glücklich, aber auch komplett verloren, ohne wirkliche Ahnung, was man jetzt macht und ob das überhaupt eine gute Idee ist.
Unwissend, aber dafür hoch motiviert hatte ich mein Manuskript gleich an mehrere Verlage gesendet, die offen für Debüt-Autor:innen waren. Mit einer Antwort rechnete ich kaum, noch weniger mit einer Zusage. Aber probieren wollte ich es trotzdem. Als ich dann beim Haare Föhnen auf mein Handy guckte, glaubte ich meinen Augen nicht. „Contract Offer A Study in Love by Derya Eulenbach“ stand im Betreff der Mail. Nach der ersten Welle von Euphorie war es dann mein Vater, der vorsichtig erfragte, ob das denn ein echter Verlag sei und ob ich rechtsschutzversichert wäre. Ein erster kleiner Dämpfer. Woher wollte ich denn wissen, ob das ein gutes Angebot ist und alles mit rechten Dingen zugeht? Ich bat den Verlag um etwas Bedenkzeit.
In den folgenden Tagen recherchierte ich den Verlag, las Erfahrungsberichte von anderen Autor:innen und fragte Dozent:innen und Bekannte um Rat. Ich stellte fest, dass ich tatsächlich eine Rechtsschutzversicherung hatte. Auch den Vertrag musste ich genau unter die Lupe nehmen. Behalte ich denn die Rechte an meinem Buch? Viel Zeit musste in die gründliche Prüfung des Vertrags gesteckt werden. Dann, als ich mir sicher war, dass ich mit dem Vertrag zufrieden war und ich mich mit dem Verlag identifizieren konnte, unterschrieb ich.
Nach kurzer Zeit stellte ich dann fest, wie viel Arbeit noch auf mich und den Verlag zukommen würde. So eine Buchveröffentlichung besteht nämlich nicht nur aus dem Manuskript und einem Vertrag, sondern auch aus Fotos, Marketing und zusätzlichen Texten.
Zum Glück war der Verlag nicht so unerfahren wie ich. Man erklärte mir, dass ich noch eine Danksagung und eine Zusammenfassung schreiben muss. Eine Aufgabe, die ich mir definitiv einfacher vorgestellt hatte. Wer hat mir auf meinem Weg zu dem Buch geholfen? Wen will ich erwähnen? Und wie soll ich mein ganzes Buch in einem so kurzen Text zusammenfassen?
Ich ließ meine Freund:innen und Familie über Textentwürfe lesen und schickte meine fertigen „Blurbs“ an den Verlag, damit dort alles in das Layout eingearbeitet werden konnte. Das ist der Schritt, in dem mein Manuskript von einem Dokument zu einem Buch wurde. Das Cover-Design wurde von dem Verlag übernommen, aber ich bekam Mitspracherechte. In einem Dokument sollte ich zusammenfassen, was ich mir vorstelle und was ich überhaupt nicht möchte. Ein Foto von mir musste auch her, ein Vernünftiges, das man ins Buch drucken und für Werbezwecke nutzen konnte. Dafür habe ich dann einen befreundeten Fotograf um Hilfe gebeten und nach dem erfolgreichen Fotoshooting und der Bearbeitung der Bilder zum Einpflegen in das vorläufige Layout des Buches weitergeleitet.
Als den bisher schwierigsten Teil stellte sich dann etwas Unerwartetes heraus: warten. Das Manuskript muss von vielen Menschen gelesen und auf Grammatik- und Kontinuitätsfehler geprüft und überarbeitet werden. Die Änderungsvorschläge bekomme ich dann zugesendet und kann meine Meinung dazu sagen. Währenddessen werden verschiedene Cover-Vorschläge erstellt, aus denen ich dann aussuchen kann. Aber das braucht alles seine Zeit.
Autor:innen würden diese Zeit meistens nutzen, um schon am nächsten Band zu arbeiten, erzählt mir der Verlag. Genau das mache ich auch und warte dabei gespannt, wann es endlich weitergeht, wann wir Lesungen organisieren werden, in welchen Läden man das Buch am Ende kaufen kann… und wann ich endlich mein erstes eigenes Buch in den Händen halten darf.
