Eine Kolumne von Anna Olivia Böke
Dies ist eine Geschichte von sonderbaren Erhöhungen, dubiosen Nebenkosten und schmierigen Hausverwalter:innen.
2022 zog ich in meine erste eigene Wohnung. Zum Zeitpunkt des Einzugs befand sich die Wohnung in den Händen einer Handwerksfamilie. Die zwei Söhne hatten gerade übernommen – ein Traum von Sozialismus und Whatsapp-Kommunikation. Der Deal: niedrige Miete, Schönheitsmakel werden selbst renoviert und Kaputtes wird von den beiden repariert. Ein Jahr lang lebte ich meinen Carrie Bradshaw Traum. Bis mich eines Tages ein schmieriger Typ vor meiner Haustür ansprach und komische Fragen über die Menschen stellte, die in dem Haus wohnen, bevor er wieder in sein poliertes Auto stieg. Auf die Frage , ob die Häuser verkauft werden sollten, antwortete mein Vermieter mit „Nein, das ist ja komisch.”
Ob das eine Lüge war oder das folgende Angebot des Schmierlappens einfach zu gut war, weiß ich bis heute nicht. Einige Monate später jedoch kam ein Brief der neuen Hausverwaltung, der alles verändern sollte. Zuerst fällten und entfernten die neuen Besitzer:innen alles Grüne aus dem Hinterhof. Plötzlich war meine verträumte, umrankte Lesefensterbank nur noch eine Aussichtsplattform á la Ruhrgebiet: auf eine weiße kahle Wand. Der Vorbote von etwas Ungutem.
Nach und nach trudelten bei meinen Nachbar:innen die Mieterhöhungen ein, nur bei mir nicht. Glücklicherweise, denn so konnte ich noch rechtzeitig dem Mietverein beitreten. Etwas, das ich sonst nicht bedacht hätte. Wenn die Erhöhung bereits da ist und der Beitritt danach erfolgt, kann der Fall nicht mehr übernommen werden. Deshalb gilt für alle mietenden Menschen, egal ob Singles, Paare, Familien oder WGs: Tretet dem Mietverein bei!
Wieso es bei mir fast ein Jahr länger gedauert hat mit der Erhöhung als bei den anderen, weiß ich bis heute nicht genau, aber vermutlich hatte es mit dem plötzlichen Besuch eines Tages zu tun. Wochen zuvor gab es einen riesigen Wasserschaden im Haus, zum Glück nicht in meiner Wohnung, aber das Treppenhaus hatte massiv gelitten. (Und das nicht nur durch die wahnsinnig unprofessionelle „Renovierung” bei der dunkelgrüner Lack mit weißer Farbe übermalt wurde, die nach zwei Wochen schlimmer aussah als vorher). Die Wand ist bis heute nicht wieder richtig verputzt.
Naja, jedenfalls klopfte es eines Tages an meiner Tür: ein schmieriger Lulatsch und zwei Handlanger:innen. Sie seien von der Hausverwaltung und müssten die Feuchtigkeit meiner Wand messen, hieß es… zu dritt. Mein überrumpeltes Hirn schaltete zu langsam und ließ das trottelige Trio hinein. Der große Vermieter (ein Investmentbänker aus Frankfurt) hielt irgendein Gerät gegen meine Wand, als ich merkte, dass der eine Azubi nur im Flur stand und unbemerkt tippte. Das war wohl der Moment, in dem sie in meiner Wohnung nach Punkten suchten, die man in eine Mieterhöhung schreiben kann. Die Lektion: Vermieter:innen müssen sich mindestens 24 Stunden vor einem Besuch ankündigen. Ich hätte die Tür nicht aufmachen müssen.
Es dauerte nicht lange, bis der Brief kam. Eine Überraschung war es nicht, deshalb ging es direkt zum Mietverein damit. Zum Glück hatte ich noch zwei Nachbarn, die nicht, wie alle anderen, entweder nachgaben oder auszogen, mit denen ich mich austauschen und rückversichern konnte. Es ging eine Weile hin- und her. Mahnungen mit haltlosen Drohungen kamen, ich leitete sie weiter an den Anwalt und nichts passierte. Bis dann ein Brief vom Gericht kam.
Nach etwas Panik und Telefonaten mit der Familie ging es dann genauso weiter. Zum Glück hatte ich bei der Anmeldung beim Mietverein auch eine Rechtskostenversicherung abgeschlossen. Gut investierte zwei Euro, sage ich euch! Ich entschloss mich auch der Klage zu widersprechen. Ich musste zwar einmalig 150 Euro an die vom Mietverein gestellte externe Anwältin zahlen, aber zu dem Zeitpunkt war ich bereits mehr investiert, dem zwielichtigen Frankfurter Finanzfuzi Konter zu geben, als alles andere. Das ganze zog und zog sich. Einmal kam ein Brief mit einem Gerichtstermin, der doch wieder abgesagt wurde. Dann sollte es ein Gutachten geben, u.a. wegen des vom Vermieter falsch angegebenen Baujahres des Hauses.
In dem Zeitrahmen kam auch die erste Nebenkostenabrechnung von über 700 Euro. Diese liegt mit der noch höheren vom Jahr darauf bis heute beim Mietverein. Ich war mit meinem Nachbar einmal im „Büro” der Verwaltung (ein Schreibtisch in einer Baustelle), um die Belege einzusehen. Die Reinigungsfirma, die für u.a. die „Müllplatzreinigung” (was auch immer das ist) zuständig ist, gehört laut Google auch dem Vermieter – was für ein Zufall. Die
Mahnungen stapeln sich bis heute, aber 1,5 Jahre später gab es dann immerhin in dem Gerichtsverfahren ein Ende. Ich zahle jetzt ab Februar läppische 10 Euro mehr im Monat und kann dafür aber mit dem guten Gewissen schlafen, mich nicht vom Psychoterror erbärmlicher Kapitalist:innen unterkriegen zu lassen. Das lustige an der Geschichte: dem ursprünglichen Vermieter hätte ich die Mieterhöhung gerne gezahlt.
Was ihr sonst noch an Adulting-Tipps nicht verpassen solltet, könnt ihr unseren Artikel Welcome to Adulting: Was du wissen solltest, bevor’s brennt nachlesen.
