Du schaust jeden Tag dabei zu, wie deine Demos auf Soundcloud verrotten? Damit ist jetzt Schluss! [Foto: Anna Olivia Böke]
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Vom Hobby zur Amateur:in – DIY Musik veröffentlichen leicht gemacht

16. Januar 2026

Du machst neben dem Studium Musik und würdest sie gerne mit anderen teilen, aber weißt nicht wie? Oder du schaust jeden Tag dabei zu, wie deine Demos auf Soundcloud verrotten? Damit ist jetzt Schluss, denn als DIY Musiker:in musst du nicht entdeckt werden und auf den Label-Deal warten. Hier findest du einen Guide für die ersten Schritte beim Musik veröffentlichen.

Versetzen wir uns mal ganz an den Anfang: Du bist inspiriert, du schreibst dir dein Herz aus der Seele und kreierst deine Musik. Ob elektronisch oder bislang analog mit Gitarre und Gesang, deine Kreativität verdient es, gehört zu werden. Ob fortgeschrittene Produzent:in oder blutige Anfänger:in, der erste Schritt ist die Herstellung deines digitalen Tonträgers. Dabei ist das Allerwichtigste, und ich spreche hier aus Erfahrung, nicht perfektionistisch zu sein. Eine simple und kostenlose DAW (Digital Audio Workstation), wie z.B. Garage Band, reicht völlig aus. Ob für deine Beats oder deinen Emo-Rock-Song. 

Es gibt unzählige Youtube-Tutorials über die ersten Schritte und das Wichtigste dabei ist es, sich nicht einschüchtern zu lassen. Zwei Spuren reichen am Anfang aus, um ein Demo (Song-Skizze) oder eine fertige Aufnahme zu machen. (Lo-Fi ist wieder in.) Der größte Fehler ist es, zu denken man könne erst veröffentlichen, wenn man den besten Song geschrieben und das technische Handwerk ausgelernt hat, aber denke mal so darüber nach: Wenn dein bester Song entsteht und du schon einiges veröffentlicht und eine kleine Plattform geschaffen hast, kann der perfekte Song von all der bisherigen Arbeit noch mehr profitieren. Also: fang an zu bauen mit dem, was dir heute zur Verfügung steht!

Release Plan erstellen

Bevor es darum geht, wie ihr eure fertigen Files eigentlich auf die DSPs (Digital Service Providers, wie etwa Spotify, Apple Music oder Tidal) bekommt, muss ich euch vorwarnen. Ähnlich wie im Studium, ist beim Musik veröffentlichen Planung alles! Ein üblicher Release Plan sieht grob etwa so aus: 

  1. Das Datum der Veröffentlichung festlegen. Idealerweise sind zwischen dem Zeitpunkt des Uploads des fertigen Songs und der Veröffentlichung mindestens vier Wochen Zeit. Zwischen einzelnen Singles am besten sechs Wochen. Dies gilt jedoch nicht für jedes Genre. Im Hip Hop wird viel höher frequentiert released, als im Rock-Bereich. Das liegt vor allem daran, dass Musik ohne akustische Instrumente niederschwelliger produzierbar ist. An sich gilt natürlich: Algorithmen lieben Futter und das regelmäßig.
  2. Nun der Upload. Ihr könnt eure Musik an die Spotify Editorial Playlists pitchen. Das geht über die Upload-Plattformen. Dazu gleich mehr. Auch hier wird Vorlaufzeit benötigt. Allerdings muss man sich bei DIY Pitches nicht viel Hoffnung machen, dennoch kann es nicht schaden!
  3. Social Media Strategie entwickeln. Dazu gehören die Fragen: Wann kündige ich den Song an? Wie kündige ich den Song an? Und wie viel möchte ich vor dem Release schon preisgeben? Die vier Wochen geben euch genug Zeit für Promo. Dazu später mehr.
  4. GEMA Anmeldung nicht vergessen. Der Jahresbeitrag beträgt aktuell 50 Euro und die Anmeldung ist nervig, aber sobald ihr anfangt eure Musik aufzuführen lohnt es sich. Zudem finde ich: Sobald ihr eure Kunst ins Internet stellt, schützt sie mit allem, was geht. Ansonsten dürfen Leute eure Songs einfach in Videos und Filmen etc. verwenden, ohne dass ihr einen Cent seht. Die Anmeldung geht auch noch ein Jahr rückwirkend, aber tut es einfach jetzt! Sobald der Account da ist, könnt ihr euer Werk anmelden. Das dauert nur wenige Minuten.

Plattformen kennenlernen

Okay, schön und gut, aber wie kommt der Song jetzt zu Spotify & Co.? Zunächst müsst ihr euch für einen sogenannten Distributor entscheiden. Das sind Plattformen, die zwischen den DSPs und euch als Vermittler fungieren. Meistens kosten sie einen monatlichen oder jährlichen Beitrag (yay, wer hätte das gedacht). Wenn ihr Glück habt, bekommt ihr die Summe am Ende des Jahres sogar mit den Streams wieder raus. Die gängigsten Provider sind DistroKid, TuneCore und CD Baby. Sobald euer Release im System ist, könnt ihr damit loslegen, eure Zugänge zu den Plattformen zu erstellen, z.B. Spotify for Artists oder Apple for Artists. Hier ladet ihr euer Profilbild und eure Bio hoch. Ein artsy Selfie und ein frecher Satz reichen für den Anfang völlig aus.

Falls ihr nicht schon eure Social Media Kanäle habt, entscheidet euch, wo ihr vertreten sein wollt. Ich empfehle den Fokus auf TikTok und Instagram, das reicht fürs Erste. Eine Facebook Page braucht ihr leider für viele Funktionen, aber sie muss nicht zwingend bespielt werden. Ich empfehle beim Posten auf Instagram die Option anzuhaken, die eure Posts auch zu Threads und Facebook kopiert. Hier über Content Strategien zu schreiben, würde den Rahmen sprengen. Daher nur der Tipp: postet so, dass es euch Spaß macht und ihr konstant bleiben könnt. 

Das Auge hört mit

Was wäre Musik veröffentlichen ohne passende Visuals? Richtig – um einiges stressfreier, aber wenn ihr nicht zufällig auch bildende Künstler:innen, Grafiker:innen und Videograph:innen seid, werdet ihr das nun eben werden… oder ihr habt gute Kontakte in der Szene für Kollaborationen. Beim Upload zum Distributor braucht ihr ein Artwork für euren Song oder eure EP. Dieses sollte 4000×4000 Pixel groß sein. Für sonstige Visuals empfehle ich anfangs das Augenmerk nicht unbedingt auf Musikvideos zu legen, da diese sehr aufwendig und teuer sein können. Das Traurige dabei ist nämlich: Niemand juckts in der Ära des Short-Form-Contents, erst recht nicht am Anfang. Reels mit eurer Selfie-Kamera performen um ein mehrfaches besser als jegliches farb-koordinierte HD Video. Macht euch also zunächst keinen Druck, dass alles “professionell” aussehen muss. Euer Traum-Musikvideo wird noch kommen. 

Für Schriften eignet sich manchmal auch einfach die eigene Handschrift, die eingescannt und mit einem kostenlosen Programm als PNG ausgespuckt wird. Auch auf Seiten wie Dafont könnt ihr nach einer passenden Art für eure Brand suchen.

Eine Sache, die allerdings wichtig ist, sind aussagekräftige Pressefotos. Auch hier kann man selbst kreativ werden: Analoge Kamera mit Selbstauslöser, verwackeltes Selfie oder ihr fragt an Kunsthochschulen mit Fotoklassen, wer fürs Portfolio ein paar Bilder schießen will. Eines der schönsten Dinge am Independent-Artist-Dasein sind die kreative Szene und die tollen Menschen, die man durch Zusammenarbeiten kennenlernen darf.

Promo leicht gemacht

Neben Social Media Posts und Teasern, gibt es noch weitere Wege, eure Musik an  Menschen zu bringen. Wer es ernster meint, erstellt sich ein EPK (Electronic Press Kit), das euer Pressefoto, eine Artist-Bio, Infos zum Release und wichtige Links beinhaltet. Dazu reicht eine PDF, die per Mail versendet werden kann. So könnt ihr dann an sorgfältig kuratierte Blogs, Magazine, Podcasts etc. Press Releases versenden. 

Ja, das ist eine Heidenarbeit, aber es kann sich lohnen. Bei Diffus werdet ihr damit nicht veröffentlicht, aber vielleicht liest dort trotzdem jemand euren Namen. Macht euch nichts daraus, dass ihr auf die meisten Mails keine Antwort bekommt. Es gibt unzählige kleine Blogs von Musikliebhaber:innen, die trotzdem eine Reichweite haben. So könnt ihr langsam und Stück für Stück ein Portfolio aufbauen. Unveröffentlichte Musik kann über Samply oder einen privaten Soundcloud Link direkt mitverschickt werden. Das wichtigste für diese Mails ist: Haltet euch kurz und erwähnt direkt euren Namen. So kann der Betreff etwa so aussehen: “Euer Name x Magazin Z“. 

Sehr hilfreich ist auch die Plattform Submithub, die das Pitchen für eine kleine Gebühr vereinfacht und euch Kontakte bringt. Erstellt beim Posten auf Social Media auch unbedingt einen “Pre-save” Link. Wenn eure Freund:innen diesen anklicken, könnt ihr den Algorithmus so schonmal vorwärmen, bevor der Song da ist.

Release Tag

Wenn ihr es so weit geschafft habt: Herzlichen Glückwunsch! Ihr seid jetzt waschechte “Link in Bio” Inhaber:innen. Am besten erstellt ihr den vorab mit allen relevanten Links. Provider gibt es viele, z.B. Linktree. Für einen Song könnt ihr dann auch einen Smart Link erstellen, der Zugänge zu allen Streamingdiensten auf einmal anzeigen kann. Wenn ihr denkt, dass Releasetag vielleicht wie Geburtstag feiern sei, falsch gedacht! Man sitzt stundenlang vorm PC und fragt sich, wieso man sich das ganze eigentlich angetan hat – aber jetzt nicht aufgeben! Macht euch vorab eine To-Do Liste für Posts, Bio-Änderungen und Mails (Ja, am besten nochmal den Press-Release an alle Kontakte schicken!).

So könnt ihr mit euren ersten Releases ein kleines Aufsehen generieren. Wie ernst man es damit meint, ist erstmal egal, Hauptsache es macht Spaß. Ob ihr also wirklich einen Fuß in die Tür der Industrie bekommen wollt oder einfach eure Kunst teilen wollt, um euch ein paar Resonanzen einzuholen, so kann es gehen!