Feuerwehrleute im Einsatz am Campus Duisburg [Foto: Feuerwehr Duisburg]
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Hurra, Hurra, die Uni brennt

14. August 2025

Ein Kommentar von Moritz Karrer

Über Grenzen hinweg hält sich weltweit das Gerücht, dass Studierende alle ihren Abschluss erhalten, wenn ihre Universität abbrennt. Unser Redakteur geht dieser Theorie auf den Grund und hat für euch eine Anleitung verfasst, was ihr alles machen müsstet, um unkonventionell zu bestehen. (Bitte nicht wirklich ausprobieren!)

Den Abschluss zu schaffen, wenn die Uni abbrennt, ist leider eher eine urbane Legende. Im Englischen als „Pass by catastrophe“, beziehungsweise zu Deutsch als „Bestehen durch Desaster“ bekannt, gibt es verschiedene Varianten dieser Legende. In den USA zum Beispiel hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man für ein ganzes Semester nur Bestnoten bekäme, falls der:die Zimmernachbar:in im College Suizid begänge. Ebenfalls aus den USA stammt die Behauptung, dass alle Studierenden, die in einer Klausur anwesend sind, diese bestehen, falls währenddessen eine Naturkatastrophe wie etwa ein Erdbeben eintritt. Mir selbst wurde hier an der Universität Duisburg-Essen (UDE) in meinem ersten Semester erzählt, dass alle Studierenden ihren Abschluss bekämen, falls die Uni abbrennt. 

Diese Theorien sind zwar alle ziemlich dystopisch und teils auch wirklich morbide, aber steckt hinter der Legende ein Fünkchen Wahrheit?

UDE: Selbstversuch?

Wir hatten in den letzten Jahren an der UDE mehrere Katastrophenszenarien, die gefährlich nah an einen Kollaps des universitären Lebens herankamen: 

In der Corona-Pandemie war gerade zu Beginn des Jahres 2020 für die meisten Universitätsangehörigen fast völlig unklar, wie man denn nun Lehre und Forschung realisieren sollte. Trotz Vorbereitung des ZiM auf das verspätet beginnende erste Online-Sommersemester 2020  kam es nur schleppend zu funktionalem Online-Unterricht. Einen Abschluss bekommen hat deshalb aber niemand. Immerhin: Die im Rahmen der Pandemie bestehende Freiversuchsregelung ermöglichte es vielen Studierenden, ihre Angstklausuren ohne Risiko anzugehen und so in ihrem Studium zumindest fortzuschreiten. Ebenso gab es pro Online-Semester ein zusätzliches Semester Regelstudienzeit. 

27. November 2022: Von einem Tag auf den anderen funktionierte der Webmailer nicht mehr, die Website der UDE war offline, Moodle und HISinOne down. Am Montag danach trotteten Lehrende, Mitarbeiter:innen und Studierende ratlos zur Uni. Über die Medien und den Flurfunk erfuhr nacheinander die gesamte Universität: Die UDE war gehackt worden. Fast die gesamte IT-Infrastruktur wurde dabei lahmgelegt und wochenlang war den meisten unklar, was das jetzt bedeuten würde. Kurse inklusive der Lehrenden vernetzten sich über WhatsApp, Mailverteiler mit privaten Adressen oder Instagram. In den Fluren hingen private Handynummern und Mailadressen von Dozierenden, Anlaufstellen sowie verzweifelten Einzelpersonen. Es dauerte Monate, bis die UDE wieder in der Lage war, die meisten Services wieder hochzufahren. Manche (wie z.B. das Finanzportal des AStAs oder einige Funktionen der einstigen UDE-App) sind immer noch nicht wieder am Start. Aber: Es gingen bei dem Hack kaum Daten verloren. Keine Noten verschwanden im Nichts des Hacks, keine Abschlüsse wurden erstattet. Eigentlich schade: Ich habe von einem Redakteur der ak[due]ll gehört, der genau am Samstag, den 26. November, alle seine verbliebenen Hausarbeiten und seine Bachelor-Arbeit abgegeben hatte. 

Ein Guide

Den Abschluss werdet ihr also nicht erhalten, falls die Uni niederbrennt. Aber ihr könntet ja immerhin behaupten, dass ihr den Abschluss schon gemacht habt und er verschwunden ist. Dafür müsst ihr nur:

  • Das Gebäude, in dem eure Abschlussarbeit gelagert wird, vollständig niederbrennen.
  • Die IT-Infrastruktur der UDE derart tief infiltrieren, dass ihr auf alle lokalen Backups zugreifen und diese vernichten könnt.
  • Die Uni-Gebäude in Münster abbrennen, die relevante Teile der deutschen Universitätsnetzwerke beherbergen.
  • Die eure Prüfung betreuenden Dozierenden bestechen oder anderweitig zum Schweigen bringen.
  • Die eigene Wohnung anzünden, um Beweise der Nichtexistenz eurer Abschlussarbeit zu vernichten.
  • Vermutlich müsst ihr noch einen Gerichtsprozess gewinnen.

Wenn ihr diese sechs Schritte befolgt habt, beglückwünsche ich euch zu eurem Abschluss! Alternativ könnten wir alle die Zeit auch dafür nutzen, um schon mal damit anzufangen, etwas zu schreiben. Oder wir versuchen, die Freiversuche aus den Krisenzeiten wiederzubekommen – das war auch nicht schlecht.

Moritz ist 25 Jahre alt und seit August 2024 Teil der ak[due]ll-Redaktion. Er studiert an der UDE Kommunikationswissenschaft und Germanistik. Als Redakteur schreibt er vor allem Artikel über lokale und Campus-Themen. Sein Redaktionskürzel ist [mok].

Moritz Karrer

Moritz ist 25 Jahre alt und seit August 2024 Teil der ak[due]ll-Redaktion. Er studiert an der UDE Kommunikationswissenschaft und Germanistik. Als Redakteur schreibt er vor allem Artikel über lokale und Campus-Themen. Sein Redaktionskürzel ist [mok].

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