Bei über 40 Grad, sind auch Eiswürfel nur noch ein Tropfen auf dem heißen Stein. [Foto: Anna Olivia Böke]
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Was uns die erste heftige Hitzewelle des Jahres gelehrt hat

7. Juli 2026

Ein Kommentar

Die erste heftige Hitzewelle des Jahres ist geschafft – und was für eine. Rekordzahlen in ganz Deutschland machten Schlagzeilen, Rettungskräfte waren im Dauereinsatz und einige Menschen im Ruhrgebiet und darüber hinaus kostete die mangelnde Vorbereitung sogar das Leben. 

Nicht nur die UDE bewies beim Sommerfest am 26. Juni mit einem mangelnden Konzept, dass Deutschland nicht auf Hitze vorbereitet ist und nicht recht weiß, damit umzugehen. Die meisten Deutschen, mich eingeschlossen, sind sich der Risiken einer solchen Hitzewelle lange nicht bewusst gewesen. Das Hitzeschutzkonzept der UDE ist überschaubar. Dort heißt es: Viel trinken, Räume verschatten, aufeinander achten und flexibel arbeiten. So weit, so gut, aber reicht das wirklich?

Hitze wird in Deutschland oft noch als angenehmes Sommerwetter wahrgenommen. Ein paar Tage über 30 Grad? Endlich grillen, Eis essen und ins Freibad. Dass extreme Temperaturen mittlerweile eine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr darstellen, ist bei vielen noch nicht angekommen. Dabei sind nicht nur ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen gefährdet. Auch junge und gesunde Menschen können Kreislaufprobleme bekommen, dehydrieren oder ihre körperlichen Grenzen überschätzen, was vor allem die Zahlen der Badetoten in NRW und bundesweit an den heißen Tagen zeigen.

Hinzu kommt, dass unser Alltag kaum auf solche Temperaturen ausgelegt ist. Viele Gebäude heizen sich tagsüber massiv auf, Klassen- und Seminarräume verfügen häufig über keinen ausreichenden Sonnenschutz, Busse und Bahnen werden zu rollenden Saunen und bei Veranstaltungen fehlt oft ein klares Konzept für Schatten, Trinkwasser oder medizinische Versorgung. Die Folgen tragen am Ende nicht nur die Nutzer:innen, sondern auch Rettungsdienste und Krankenhäuser.

Gerade Universitäten sollten hier Vorbild sein. Wenn tausende Menschen bei hochsommerlichen Temperaturen gemeinsam feiern oder lernen, darf Hitzeschutz kein Randthema sein. Kostenlose Wasserstationen und Rettungsdecken, ausreichend Schattenplätze, Abkühlungsmöglichkeiten, klare Informationen und im Zweifel auch die Bereitschaft, Programmpunkte anzupassen oder Veranstaltungen abzusagen, sollten selbstverständlich sein.

Was wir bei der nächsten Welle besser machen sollten

Die Hitzewelle hat aber auch gezeigt, dass jede:r selbst etwas tun kann. Wer die Möglichkeit hat, sollte Ventilatoren oder Sonnenschutz nicht erst kaufen, wenn die Temperaturen bereits explodieren. Dann sind viele Geräte vergriffen oder dank der freien Marktwirtschaft deutlich teurer. Ein einfacher Tipp für zuhause: kaltes Wasser in die Badewanne oder eine Schüssel füllen und die Füße hineinstellen und auch die Pulsadern an den Handgelenken unter kaltes Wasser halten. Das kühlt den Körper oft erstaunlich effektiv. Hier findet ihr weitere hilfreiche Tipps.

Doch die Sehnsucht nach Abkühlung sollte nicht dazu führen, Risiken auszublenden. Badeseen sind bei Hitze verständlicherweise beliebt. Werden sie wegen schlechter Wasserqualität, Überfüllung oder fehlender Aufsicht gesperrt, geschieht das jedoch nicht ohne Grund. Die Zahl der Badeunfälle zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie schnell ein vermeintlich harmloser Sprung ins Wasser lebensgefährlich werden kann. Vor allem Männer sind durch eine höhere Risikobereitschaft gefährdet und müssen früh über Risiken aufgeklärt werden.

Nichts tun ist absolut okay. Jede:r hat ein anderes Empfinden der Hitze. Nichts zu schaffen, ist total normal. In unserer Leistungsgesellschaft kann das schnell zu mentalem Stress führen, aber Gesundheit geht immer vor. Eine Hitzewelle ist ein absoluter Ausnahmezustand für den Körper und sollte niemals auf die leichte Schulter genommen werden. Was auch immer erledigt werden muss, kann warten, wenn eure Gesundheit auf dem Spiel steht.

Vor allem aber müssen wir akzeptieren, dass solche Hitzewellen keine Ausnahme mehr sind. Sie werden häufiger, länger und intensiver. Die Frage ist deshalb nicht, ob die nächste kommt, sondern wann. Wenn wir aus der ersten Hitzewelle dieses Jahres etwas lernen können, dann das: Hitze ist kein kleines Problem mehr, sondern eine Herausforderung, auf die sich Politik, Städte, Universitäten und wir selbst besser vorbereiten müssen.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser Woche: Nicht die Rekordtemperaturen waren die größte Überraschung. Sondern wie überrascht wir alle trotzdem noch von ihnen waren.