Frauen*, die investieren, bekommen im Schnitt 0,4 Prozent mehr Rendite als Männer. [Foto: Anna Olivia Böke]
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Finance-Sis: Warum uns das Thema Finanzen alle etwas angeht

12. Mai 2026

Rente, Geld anlegen, Investieren, Fonds, ETFs, Börse, ein… Dachs? All diese Begriffe machen dir auch Angst und Bauchschmerzen? Dann bist du hier genau richtig – ob Frau, sich über feministische Themen informieren, der Mann von moderner Welt oder etwas dazwischen. Die eigenen Finanzen im Griff zu haben ist extrem wichtig und für Frauen* teils schwer zugänglich. Lest hier, was ich beim Workshop Frauen und Finanzen der Gleichstellung an der UDE mit Bankkauffrau, Betriebswirtin und Finanzberaterin Sandra Berglehner mitgenommen habe. 

Frauen* verdienen nicht nur 6 Prozent weniger als männliche Kollegen in den gleichen Jobs und leisten unbezahlte Care-Arbeit, jede dritte von ihnen gilt auch als armutsgefährdet und bekommt im Alter weniger als 1000 Euro Rente. Durch typische Lebensentwicklungen, sowie Spar- und Investitionslücken besitzen Frauen* durchschnittlich weniger Vermögen als Männer. Es zeigt sich aber auch, dass wenn Frauen* investieren und Finanzen verstehen, dass sie durch bessere Selbsteinschätzung und souveränes Risikomanagement sogar 0,4 Prozent mehr Rendite (Erfolg einer Geldanlage) bekommen als Männer. Dass Finanzen keine Männersache sind, liegt auf der Hand. 

Warum tun sich Frauen* schwerer mit dem Thema?

 „Frauen verdienen nicht nur weniger, sie machen auch weniger aus ihrem Geld”, sagt Sandra Berglehner. Dies ist mitunter auf strukturelle und institutionelle Probleme in unserer Gesellschaft zurückzuführen. Denn die Finanzbranche und deren Produkte, Kommunikation und Sprache sei an männlichen Lebensläufen orientiert, so Berglehner. Es gilt also trotz allem: Brust raus und entgegen den Strukturen mit Selbstbewusstsein an die Sache herangehen. Prof. Dr. Bert Rürup, ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler nach dem die Rürup-Rente benannt ist, sagt zu dem Thema: „Frauen arbeiten besonders häufig in Teilzeit, und da ihre Bildungsbeteiligung inzwischen höher ist als die der Männer, ist dies faktisch eine Vergeudung von Humankapital.”

Wenn ihr, genau wie ich, sagt, das Thema Wirtschaft interessiert euch nicht und euch fragt, warum das Thema wichtig ist, mach ich es ganz einfach: Ein Sparkonto ist kein Sparkonto, sondern Spielgeld für deine Bank. Wenn du dein hart erspartes Geld einfach liegen lässt, frisst die Inflation es früher oder später einfach auf. Das habe ich erst vor etwa drei Jahren verstanden. Schon mit 17 Jahren hat mein Bruder darüber geredet zu investieren. Ich kenne keine Frau*, die darüber redet. Ich habe zehn Jahre länger gebraucht als er, mir der Realität bewusst zu werden. Sicherlich spielt dabei auch eine Verdrängungsstrategie der benachteiligenden Strukturen eine Rolle – eine Art Selbstschutz also. Berglehner führte zu Beginn des Vortrags einige übliche Glaubenssätze von Frauen* auf, wie etwa „Über Geld spricht man nicht”, „Es wird schon gutgehen”, „Jetzt ist nicht der richtige Moment”, „Ich verstehe das nicht” oder auch Faktoren wie Erziehung und Rollenverteilung im Elternhaus. In jedem einzelnen Punkt fand ich mich wieder. 

Ich kann zwar sehr gut mit Geld umgehen, budgetieren und sparen, aber sobald ich über langfristige Pläne und Rente nachdenke, bekomme ich eine wahnsinnige Existenzangst, weshalb ich dieses Thema seit 27 Jahren gekonnt ignoriere… bis ich mich nun mit 28 selbständig mache und gezwungen bin, mich mit dem Thema Geld näher auseinanderzusetzen. Zudem würde ich mich als Freigeist bezeichnen. Ich bin Künstlerin, mache Musik, stehe dem Konzept der freien Marktwirtschaft kritisch gegenüber und fand das Thema Finanzen in meinen frühen Zwanzigern auch einfach uncool – aber ob cool oder nicht, auch ich wurde in diese Gesellschaft hineingeboren und mit dem Alter verfliegt die Naivität und Ignoranz etwas. So muss auch ich mich der „Friss oder Stirb”-Problematik stellen. 

Ein großer Teil des Vortrags befasste sich auch mit Rollen- und Vermögensverteilung in heteronormativen Paarbeziehungen mit Kindern, die schockierend, jedoch nochmal einen eigenen Themenkomplex darstellen und demnach hier nicht explizit thematisiert werden. Der Fokus liegt erst einmal auf dem Einstieg in das Thema als kinderlose Studentin. Wer jedoch schon einen Kinderwunsch hat, sollte sich bewusst sein, dass es unabdingbar ist, sich vorher mit dem/der Partner:in über finanzielle Entlastung zu einigen und Abmachungen notariell fixieren zu lassen. Berglehner betonte, dass Beziehungen, in denen das Thema der finanziellen Absicherung des zuhause bleibenden Elternteils ein Streitthema ist, keinesfalls tragfähig sind.

Es ist nicht zu spät und du bist nicht allein

Ein Satz aus dem Vortrag ist mir sehr im Kopf geblieben. Ein Dozent sagte zu Frau Berglehner im Studium: „Jede schlechte Entscheidung ist besser als jede Entscheidung, die du vier Wochen vertagst.“ Wenn ihr also heute mit dem Lesen dieses Artikels anfangt euch zum ersten Mal mit Finanzen auseinanderzusetzen, seid ihr perfekt im Zeitplan. Die Hauptsache ist, dass ihr es tut. Was nichts bringt ist sich zu schämen, zu verdrängen oder als unfähig abzustempeln, so wie ich es jahrelang getan habe.

Die Finanzwelt zu verstehen braucht Zeit. Nicht umsonst gibt es ganze Ausbildungs- und Studiengänge für die Beratung. Erwartet nicht von euch, direkt alles zu verstehen, aber gebt auch nicht blind alle Verantwortung an Berater:innen oder den Partner ab. Besonders als Frau* aus nicht-akademischer Familie, in denen diese Themen nicht aufkommen, sollte man Geduld mit sich haben und sich nicht einschüchtern lassen. Hier empfehle ich zunächst nach kostenlosen Workshops, die regelmäßig angeboten werden Ausschau zu halten: Die von der Gleichstellung an der UDE oder Vereinen, wie Dortmund Kreativ. Dort entstehen erste Berührungspunkte und man kann sich mit Gleichgesinnten austauschen. 

Erste Schritte

Eine wichtige Grundlage aus Frau Berglehners Vortrag war es, den Unterschied zwischen aktiv gemanagten Aktienfonds und ETFs zu verstehen. Während bei klassischen Fonds ein:e Manager:in aktiv Entscheidungen trifft, bilden ETFs einen Index automatisch nach und sind dadurch in der Regel kostengünstiger.

Wichtig ist dabei jedoch: ETFs sind nicht „besser“, sondern vor allem effizienter und günstiger. Die Wahl hängt von den individuellen Zielen und der Anlagestrategie ab. 

Der DAX ist weder ein Aktienfonds noch ein ETF, sondern ein Index, der die Entwicklung der größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands abbildet. Man kann jedoch z. B. einen DAX-ETF kaufen, der diesen Index möglichst genau nachbildet, während aktiv gemanagte Aktienfonds versuchen, den DAX gezielt zu übertreffen. Mir persönlich kommen dabei teilweise moralische Bedenken, weil ich automatisch auch in Unternehmen investiere, deren Werte ich nicht unbedingt teile. Ich werde versuchen, Investments gezielt danach ausrichten, welche Branchen und Firmen ich unterstützen möchte, aber ich habe auch angesichts der erschreckenden Zahlen zur Altersarmut das Bedürfnis meinen weiblichen Arsch retten zu wollen.

Zum Informieren empfiehlt Berglehner zunächst BWL-Vorlesungen an der Uni zu besuchen oder Finanzzeitschriften zu lesen. Zudem gab sie den Tipp, zu Anfang, z.B. zum Uniabschluss zunächst 500 Euro in eine gute Beratung zu investieren. Wobei man sicherstellen sollte, dass das erste Gespräch zum Kennenlernen kostenlos ist und man wirklich gut über die Person informiert ist. Eine erste Anlaufstelle sind zum Beispiel die Finanzfachfrauen. (Zur Information: Frau Berglehner hat diese nicht direkt beworben, aber erwähnt. Sie sitzt hier allerdings im Vorstand).

Ein weiterer Hinweis war, beim Anlegen immer zu diversifizieren und möglichst breit gefächert durch Branchen zu investieren. Eine wichtige Komponente für den Erfolg ist es, durchzuhalten und mit Risiko und Kursschwankungen umgehen zu können. Der Cost-Average-Effekt beschreibt dabei, dass regelmäßige Investitionen unabhängig vom aktuellen Kursniveau erfolgen, sodass bei niedrigen Preisen mehr und bei hohen Preisen weniger Anteile gekauft werden. Dadurch werden Kursschwankungen ausgeglichen – ein Gewinn entsteht jedoch nur, wenn die Kurse langfristig steigen.

Frau Berglehner hat einen groben Plan zum Vermögensaufbau und zur Strukturierung in drei Zeithorizonte gegliedert:

Kurzfristig: Baue zunächst einen finanziellen Puffer von etwa drei bis fünf monatlichen Gesamtausgaben auf. Dieses Geld sollte jederzeit verfügbar sein, z. B. auf einem Tagesgeldkonto oder in einem Geldmarkt-ETF. Die Verzinsung ist hier zweitrangig, entscheidend ist die schnelle Verfügbarkeit.

Mittelfristig: Für Ziele in den nächsten 3 bis 5 Jahren empfiehlt sich ein Vermögen von etwa ein bis zwei Bruttojahresgehältern. Dazu zählen z. B. Eigenkapital für ein Eigenheim, Rücklagen für ein Auto, Familienplanung oder geplante Auszeiten. Hier können Tagesgeld, Geldmarkt-ETFs oder ein ausgewogenes Depot sinnvoll sein – Verzinsung und Kosten spielen bereits eine größere Rolle.

Langfristig: Im Fokus steht die Altersvorsorge. Wichtig ist es, die persönliche Rentenlücke zu berechnen (gesetzlich, betrieblich und privat) und gezielt zu schließen. Dabei sind sowohl die langfristige Rendite als auch die Kosten entscheidend für den Erfolg.

Das ist erstmal viel und fühlt sich vollkommen unrealistisch an, aber es ist wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen und nicht zu versuchen, alles gleichzeitig umzusetzen. Dein Plan sollte außerdem einmal jährlich überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Ich stehe selbst noch am absoluten Anfang meiner Planung und bin froh, gerade mal meine Steuererklärung so halb im Griff zu haben. Ich habe mir vorgenommen, mich erst einmal zu ETFs  einzulesen und das mit diesem Artikel verdiente Geld zu investieren – also wer weiß, vielleicht schreibe ich schon bald Finanztipp-Artikel für die ak[due]ll, bis dahin: Brust raus!