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Erasmus-Trivago: Exam Time

12. November 2024

Artikel: Nikita Verbitskiy | Der Strand kann selbst die nervigste Lektüre etwas versüßen. [Foto: Nikita Verbitskiy]

Das Auslandssemester: Versprechen von Partys und unvergesslichen Erlebnissen abseits des monotonen Hochschulalltags, den wir lernten zu lieben – oder es zumindest versuchten. Unser Redakteur ist mittendrin und berichtet, was es zu beachten und zu erleben gibt.

Man kennt das Gefühl: Das Semester hat gerade erst angefangen, die Gerichte in der Mensa haben sich erst 2-3 Mal wiederholt und auf einmal heißt es direkt, dass sich das Semester ja bereits dem Ende neige. Die Prüfungsphase kommt häufig unerwartet und im Ausland ist es nicht anders. Wenn, dann war ich hier sogar noch schockierter. An der UAB und vielen weiteren Universitäten außerhalb Deutschlands gibt es ein System mit „Midterms“ und „Finals“. Ergo – zwei Klausurphasen. Wenn dann also auf einmal schon kurz vor Halloween (das Semester beginnt hier im September) die Rede von bald anstehenden Prüfungen ist, kann der Blutdruck plötzlich in ungeahnte Höhen steigen. 

Normalerweise denke ich bis nach Weihnachten nicht weiter als bis zur nächsten Vorlesung, hier ist Klausurstress ein Dauerbegleiter. Die Chancen stehen gut, dass die Nase bisher tiefer im Sangria als im Buch steckte und da muss dann schnell das Tempo angezogen werden. Habt ihr Glück und befindet euch in einem freiwilligen Auslandsaufenthalt könnt ihr das auch tendenziell auf die leichte Schulter nehmen – das Erasmus+ Programm erwartet bloß 15 Credits, je nach Bundesland sogar 10. Die sind schnell erreicht. Müsst ihr dagegen mit vollem Stundenplan für 30 Credits malochen, kann ein Tapetenwechsel von Bar zu Bib ratsam sein. Schnell verliert man sich in den Möglichkeiten und Ablenkungen, die so ein Austausch mit sich bringt und vergisst, dass man ja eigentlich (zumindest offiziell) zum Studieren da ist. 

Lernen, but make it demure and mindful 

Was mir geholfen hat, ist die Arbeit zu romantisieren und mit dem Leben vor Ort in Einklang zu bringen. Sandstrände und wogende Wellen lassen Unilektüre fast schon wie Fitzek-Romane aussehen und ein schöner Balkon in der Dauersonne schadet auch nicht. In vielen Universitäten, die ein paar Jahre mehr auf dem Buckel als die im Pott haben, könnt ihr alte und wunderschöne Bibliotheken nutzen, um eurer Session den ästhetischen Flair zu verpassen. Auch könnt ihr frische Freundschaften enger schnüren und gemeinsam versuchen das Ganze zu bewältigen – Leid schweißt schließlich zusammen. Wenn eure Vorgaben nicht sehr streng sind und euer Aufenthalt sich nicht primär um akademische Weiterentwicklung dreht, kann man sich auch etwas Arbeit sparen und Kurse für Erstsemester wählen, die ihr schon mal abgefertigt habt. 

Einen weiteren Vorteil hat das Studieren im Ausland ja auch noch: In fast allen Fällen ist die Note am Ende irrelevant, also könnt ihr beruhigten Gewissens Vier Gewinnt spielen und euch vielleicht doch etwas mehr zurücklehnen als daheim. Auch wenn alles scheitert, so sollen die Dozent:innen und Prüfungsämter auch dazu tendieren, bei internationalen Studierenden eher mal ein Auge zuzudrücken, da das durchfallen lassen von externen Studis wohl einen bürokratischen Mehraufwand mit sich bringt – Das habt ihr aber nicht von mir gehört!