Das Team von WIP [Foto: Tom Opgenoorth]
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Beratung vor dem Abschluss

7. August 2026

Wer heute mit dem Studium fertig wird, merkt schnell: Ein Abschluss allein ist nicht mehr die Jobgarantie, für die er verkauft wurde. Wie können Studis also nach dem Abschluss hervorstechen? Eine Möglichkeit sitzt direkt am Campus Duisburg und bekommt gerade viel Zulauf.

In eurem Freundeskreis habt ihr es vielleicht schon gemerkt: Der Berufseinstieg funktioniert für viele gerade weniger über den Abschluss und mehr über Kontakte. Tom Opgenoorth, BWL-Student aus Duisburg, formuliert es so, wie er es auch von Leuten aus der Personalabteilung hört: „Ein Studium mit guten Noten bringt einen nicht mehr zum Erfolg, man muss sich vernetzen, man muss nebenbei was machen.” 

Studentische Unternehmensberatung

Opgenoorth ist zweiter Vorstand von WIP, Wissenschaft in der Praxis e. V., einer studentischen Unternehmensberatung am Campus Duisburg. Gegründet 1989 ist sie eine der ältesten studentischen Unternehmensberatungen in Deutschland. Was das konkret heißt, erklärt mir Michal Lenarczyk, 24, BWL-Student in Essen und erster Vorstand: „Wir funktionieren eigentlich wie eine normale Unternehmensberatung. Der Unterschied ist, dass wir keine GmbH sind, sondern ein Verein der Universität.” Mitmachen können deshalb nur immatrikulierte Studierende. Wer bei WIP anfängt, ist zunächst Trainee und wird meist nach einem abgeschlossenen Projekt und bestimmten Schulungen vollwertiges Mitglied.

Für Studierende ist WIP damit zweierlei: ein Verein, in dem man ehrenamtlich an echten Projekten arbeitet, und ein Netzwerk aus Partnerunternehmen und Ehemaligen, das sich später nutzen lässt.

Wie die Arbeit einer studentischen Unternehmensberatung aussieht, beschreibt Lenarczyk an einem Beispiel: Ein Edelstahlverarbeiter fertigte bisher nur auf Auftrag und wollte ein eigenes Projekt entwickeln. WIP analysierte den Markt, glich Trends mit dem, was vorhandene Maschinen hergeben, ab, verglich Preise und Margen der Konkurrenz und das Team stellte am Ende konkrete Produktempfehlungen vor.

WIP arbeitet mit vielen verschiedenen Kund:innen zusammen: vom Konzern, über den Mittelstand bis zum Startup. Es gibt bezahlte wie auch Pro-Bono-Projekte, oft für kleinere Firmen und zum Beispiel Ausgründungen aus der Uni. So arbeitete WIP zuletzt etwa für das UDE-Startup Solarmarkise.

Der Andrang bei WIP ist spürbar gewachsen. Früher habe es rund 15 Bewerbungen pro Semester gegeben, erzählt Lenarczyk. In der letzten Bewerbungsphase waren es über 50. Aufgenommen wurden davon rund 20. Aktuell hat der Verein rund 60 Mitglieder. „Wir sortieren ungern aus”, sagt Lenarczyk, „aber bei so einer Menge geht es einfach nicht”. 

Die beiden Vorsitzenden führen den Zuwachs auf zwei Dinge zurück: Zum einen auf erhöhte Sichtbarkeit auf dem Campus, zum anderen scheint auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt einen Effekt zu haben. Auffällig sei auch, dass sich inzwischen viele Erst- und Zweitsemester bewerben würden. Früher kamen die meist erst in den späteren Bachelorsemestern zu WIP.

Wer braucht noch Junior Consultants, wenn man ChatGPT fragen kann?

Das ist für mich natürlich die Frage, die über allem schwebt. In einer Welt, in der Claude Code-Folien erstellt, und ChatGPT sich, wenn ich möchte, durch Website nach Website crawlt, wer braucht da noch Junior Consultants?

Für die Vereinsarbeit selbst sehen die beiden in KI-Tools vor allem Entlastung. Jemand müsse weiterhin Aufgaben verteilen und prüfen, sagt Opgenoorth, und alles, was Zeit spare, sei für ein Ehrenamt ein Gewinn. Aber man merke auch eine Veränderung. Nach außen sieht es unangenehmer aus. An Projekte zu kommen sei in den vergangenen zwei Jahren deutlich schwieriger geworden, sagt Lenarczyk. Als studentische Beratung müsse man sich ohnehin doppelt beweisen: erst als Beratung, die überhaupt Expertise mitbringt, dann noch einmal gegen den Vorbehalt, dass hier Studierende arbeiten. Jetzt kommt ein dritter Punkt dazu: Der Verdacht auf Kundenseite, dass sich diese Arbeit auch von einer KI erledigen ließe. Dazu kommen Anbieter, die von vornherein komplett auf KI setzen. Um dem entgegenzuwirken, arbeiten Opgenoorth und sein Team an Angeboten, die auf  KI setzen.

Mehr als Lebenslauf polieren?

Also: Was bringt WIP dem Lebenslauf? Die Arbeit bei WIP ist ein Ehrenamt, nicht nur ein Job neben dem Studium. Das sieht nicht nur schön aus auf dem Lebenslauf, sondern Mitglieder nehmen auch wichtige Learnings mit.Neben Folienbauen stehen natürlich auch Kundengespräche, Feedbackschleifen und Angebote schreiben auf dem Programm. In den Projekten von WIP steht den Jüngeren immer ein erfahrenes Mitglied als Controller:in und Mentor:in zur Seite. Hinzu kommen noch Schulungen und Workshops mit Partner:innenunternehmen. 

Daneben funktioniert WIP aber auch als Netzwerk. Partnerunternehmen lernen Studierende kennen, umgekehrt entstehen Kontakte in Unternehmen.

Dass WIP bei der Jobsuche hilft, bekommen beide regelmäßig zurückgespiegelt, zum Beispiel von Alumnis. Einer habe wegen seines Vorstandspostens bei WIP zwar ein Jahr länger studiert, es aber nicht bereut. Ein anderer sei bei einer großen Beratung eingestellt worden. Sein Chef habe ihm hinterher gesagt, dass seine Arbeit bei WIP ausschlaggebend für die Einstellung gewesen sei.

Volker (25) schreibt seit September 2023 für die Ak[due]ll. Er studiert Wirtschaftsinformatik an der UDE. Sein Redaktionskürzel ist [vos].