Für die UDE sitzen seit Mai 2023 Frauke Pohlschmidt und Pascal Winter im Verwaltungsrat des Studierendenwerks Essen-Duisburg, aktuell in ihrer zweiten Amtszeit. Wir haben uns mit ihnen getroffen und gefragt, wie man in dieses Amt kommt, worüber dort wirklich entschieden wird und wie es sich anfühlt, in jungen Jahren über einen zweistelligen Millionenhaushalt mitzubestimmen.
Im Verwaltungsrat wird tatsächlich einiges entschieden, das jede:n Studierenden direkt betrifft z. B. die Mensapreise, Wohnheimmieten oder der Semesterbeitrag. Neun Personen sitzen dort mit Stimmrecht, vier davon sind Studierende, jeweils eine Person von der Hochschule Ruhr West und der Folkwang Universität der Künste, zwei von der UDE, Frauke und Pascal. Die restlichen fünf Sitze verteilen sich auf ein Hochschulmitglied, zwei Beschäftigte des Studierendenwerks, eine Person mit einschlägiger Fachkenntnis und ein Mitglied des Rektorats.
ak[due]ll: Kurz zu euch: Was studiert ihr, seid ihr anderweitig politisch aktiv und wie verbringt ihr eure Freizeit am liebsten?
Frauke: Ich habe Chemie und Biotechnik auf Lehramt studiert und bin mittlerweile nur noch eingeschrieben. Vorher war ich AStA-Vorsitzende und Senatorin, außerdem habe ich im Wahlausschuss und im Härtefallausschuss ausgeholfen. Der Verwaltungsrat ist quasi das Letzte, was davon übrig geblieben ist. In meiner Freizeit bin ich am liebsten mit meinen Katzen auf dem Balkon, gucke eine Serie oder treffe Freund:innen.
Pascal: Ich bin im Master Sozioökonomie, es fehlt nur noch die Masterarbeit, das zieht sich wie das eben so ist. Davor war ich fünf Jahre Finanzreferent im AStA und habe lange in der Qualitätsverbesserungskommission gesessen. Freizeit heißt bei mir Sport, meine Freundin, oder ein gemütliches Bier mit Freund:innen, das dann meistens doch nicht bei einem Glas bleibt.
ak[due]ll: Wie seid ihr in den Verwaltungsrat gekommen?
Frauke: Ich kannte das Gremium schon aus meiner Zeit im Studiwohnheim während Corona. Dort bin ich mit dem studentischen Verwaltungsratsmitglied ins Gespräch gekommen. Benannt hat mich dann das Studierendenparlament über die Grüne Hochschulgruppe.
Pascal: Mein Vorgänger als Vorsitzender hat mich direkt angesprochen, als er wusste, dass er aufhören würde. Er hat mich gefragt, ob ich weitermachen will, auch als Vorsitz, und mich am Ende vorgeschlagen. Benannt haben mich dann die Jusos.
ak[due]ll: Wie seid ihr zu dieser Benennung gekommen? Gab es eine Ausschreibung dazu? Oder sind alle, die im StuPa Mitglied sind, mögliche Kandidat:innen?
Pascal: Eine klassische Ausschreibung gibt es nicht. Die zwei größten Listen im Studierendenparlament haben ein Benennungsrecht und suchen sich ihre Kandidierenden selbst aus, so sind wir beide auch reingekommen.
ak[due]ll: Muss man dafür in einer Liste aktiv sein?
Frauke: Nein, das können auch andere Personen sein.
ak[due]ll: Was entscheidet der Verwaltungsrat konkret, das Studierende direkt im Alltag merken?
Frauke: Mensapreise, Mietpreise, den Semesterbeitrag. Und Wohnen: Wenn Wohnheime saniert werden müssen und Studis deswegen ausziehen müssen.
Pascal: Das war tatsächlich alles in diesem Jahr Thema. Wir haben zwei Wohnheime, die geschlossen werden. Den Leerzug der Wohnheime haben wir auch beschlossen. Wenn es wirklich weitreichende Themen sind, landen sie im Verwaltungsrat.
ak[due]ll: Über welche Summen reden wir dabei?
Pascal: Das steht öffentlich in den Geschäftsberichten. Die Bilanzsumme des Studierendenwerks lag 2025 bei rund 78 Millionen Euro, Immobilien und laufende Umsätze eingerechnet. Das Studierendenwerk ist ein mittelgroßes Unternehmen mit rund 300 Mitarbeitenden.
ak[due]ll: Wie fühlt sich das an, über solche Summen mitzuentscheiden?
Frauke: Bei den ganz großen Zahlen fehlt mir manchmal ehrlich gesagt die Vorstellungskraft, wie viel Geld das eigentlich ist. Aber sobald es um Dinge geht, die uns Studis direkt betreffen, Mieterhöhungen oder Mensapreise zum Beispiel, dann macht mir das schon was aus, und dann melde ich mich zu Wort.
Pascal: Man merkt schon, dass es weitreichende Entscheidungen sind. Aus dem AStA kenne ich das aber schon: Als ich Finanzreferent wurde, war ich vorher Fachschaftsfinanzreferent, da haben wir mit ein paar tausend Euro gearbeitet. Im AStA ging es dann um Kassenanordnungen über mehrere Millionen wegen der Semestertickets. Daran gewöhnt man sich mit der Zeit.
ak[due]ll: Spürt man im Verwaltungsrat mehr Distanz zu den Menschen, die von den Entscheidungen betroffen sind, als im AStA?
Pascal: Ja, absolut. Im AStA war man noch näher dran. Im Verwaltungsrat sitzt man nicht mehr im Exekutivorgan, sondern entscheidet eher von oben herab, da ist schon eine größere Distanz spürbar.
ak[due]ll: Könnt ihr euch an irgendeine Entscheidung erinnern, bei der ihr sagen würdet, das wäre ohne studentische Stimmen vielleicht anders ausgegangen?
Pascal: Boah, ja, einige. Viele Beschlussvorlagen werden aber schon mit dem Gedanken erstellt, dass die Studierenden zustimmen müssen, weil wir ein Gewicht haben, das man nicht vernachlässigen kann.
Frauke: Zum Beispiel, als der Semesterbeitrag erhöht wurde. Und beim 50-jährigen Jubiläum des Studiwerks war ursprünglich gar nicht geplant, extra etwas für die Studis zu machen. Da habe ich gesagt, das geht ja gar nicht, ohne Studis gäbe es schließlich kein Studierendenwerk. Am Ende gab es unter anderem ein Glücksrad in der Mensa.
ak[due]ll: Mensapreise, Wohnheimmieten, Semesterbeitrag: Wie hoch ist euer Einfluss darauf wirklich und wo sind euch die Hände gebunden?
Frauke: Wir sind ja immer vier von neun Leuten im Gremium. Damit hat man schon eine sehr wichtige Stimme. Einfluss haben wir theoretisch überall, weil im Gremium gemeinsam diskutiert wird und man die studentische Perspektive einbringen kann. Ob das immer ausreicht, ist eine andere Frage. Allein bestimmen können wir als studentische Mitglieder nichts, aber wir können deutlich machen, wenn wir mit etwas nicht einverstanden sind.
ak[due]ll: Werdet ihr als studentische Mitglieder überhaupt ernst genommen, neben Leuten, die das hauptberuflich machen?
Frauke: Ich habe schon das Gefühl, dass man ernst genommen wird.
Pascal: Ich war eher überrascht, wie ernst man genommen wird. Aus anderen Gremien kenne ich das anders: Wenn man mit Professor:innen zusammenarbeitet, gibt es durchaus welche, denen man anmerkt, dass sie es nicht so ernst nehmen, wenn Studierende in so ein Gremium kommen, da rümpft vielleicht auch mal der ein oder andere die Nase. Im Verwaltungsrat habe ich das nie erlebt. Am Anfang fand ich es schwierig, als Studi eine Sitzung zu leiten, da musste ich manchmal deutlicher zeigen, dass ich die Sitzungsleitung innehabe. Aber als Mitglied wird man ernst genommen, gerade von der Geschäftsführung.
ak[due]ll: Versteht ihr eigentlich immer, worum es in den Berichten geht?
Frauke: Den Jahresbericht mit den ganzen Finanzzahlen verstehe ich, ehrlich gesagt, nicht, das ist für mich als Studentin aber auch nicht das Entscheidende, sondern eher das, was in der Sitzung besprochen wird. Themen wie Wohnheimplätze oder Kinderbetreuung verstehe ich gut, aber ehrlich gesagt habe ich auch nie den Haushaltsplan im AStA richtig verstanden, egal wie oft er mir erklärt wurde.
Pascal: Es gibt natürlich auch immer die Möglichkeit, dass man die Unterlagen so kompliziert wie möglich gestaltet, damit keiner mehr Fragen stellt. Aber das ist beim Studierendenwerk und bei der Geschäftsführung genau das Gegenteil: Man versucht, immer so niedrigschwellig wie möglich das darzustellen und zu veranschaulichen. Man muss da nicht mit einem BWL-Master reinkommen. Unsere Aufgabe als Studierende ist es, die studentische Perspektive einzubringen.
ak[due]ll: Gibt es dafür Geld?
Pascal: Ja, in der Satzung geregelt: Studentische Mitglieder bekommen pro Sitzung 15 Prozent des BAföG-Höchstsatzes als Sitzungsgeld, der Vorsitz zusätzlich 60 Prozent im Monat. Für mich ist das inzwischen wie eine richtige Nebentätigkeit. Leben kann man davon als Studi aber nicht.
ak[due]ll: Gibt es eine Entscheidung, die euch als Studierende wehgetan hat?
Frauke: Die Erhöhung des Semesterbeitrags. Oder die Mieterhöhung.
Pascal: Dass es gemacht werden musste, hat nicht unbedingt was mit dem Studierendenwerk selbst zu tun, das sind eher die Rahmenbedingungen, in denen es sich bewegen muss. Aber das macht es nicht besser. Das fand niemand gut, auch die Geschäftsführung nicht. Am Ende steht dann die Frage: Erhöht man die Mieten, oder baut man Plätze ab?
ak[due]ll: Pascal, du hast sogar den Vorsitz übernommen. Was bedeutet das eigentlich?
Pascal: Mehr als nur Sitzungen leiten. Ich bereite die Sitzungen vor, kommentiere Beschlussvorlagen und stehe im engen Austausch mit Geschäftsführer Michael Dahlhoff darüber, was gerade ansteht. In den letzten fast sechs Jahren war der Vorsitz übrigens durchgängig studentisch besetzt, obwohl das in der Satzung gar nicht vorgeschrieben ist. Dass das überhaupt eine studentische Person übernehmen kann, ist nicht selbstverständlich. Hier steht das nicht in der Satzung, trotzdem wird zumindest darauf geachtet, dass die Stellvertretung studentisch besetzt ist.
ak[due]ll: Wie stressig ist das neben Studium und Job?
Pascal: Zeitlich zehrt das schon, rein von diesem Amt könnte eine studentische Person aber gar nicht leben, deswegen habe ich mich bewusst für einen zusätzlichen Hauptjob entschieden. Zuletzt ist der Aufwand gestiegen, allerdings nicht wegen des Studierendenwerks selbst, sondern weil das Land gerade das Studierendenwerksgesetz ändert.
ak[due]ll: Was mache ich, wenn ich ein Problem mit der Mensa oder dem Wohnheim habe? Kann ich zu euch kommen?
Pascal: Nicht direkt. Es ist nicht vorgesehen, dass man zum Verwaltungsrat kommt und sagt, bringt das mal ein. Der bessere Weg führt über das Studierendenparlament oder den AStA, die dann mit dem Studierendenwerk sprechen. Es gibt aber die E-Mail-Adresse vr-vorsitz@stw-edu.de für den Vorsitz, die man mit größeren Anliegen kontaktieren kann, und bei Problemen in Wohnheimen habe ich das auch schon direkt im Verwaltungsrat angesprochen. Wir sind eben keine reine Interessenvertretung, sondern ein Kontrollorgan.
ak[due]ll: Lohnt sich das Amt für später?
Frauke: Bei mir ist das eher nicht das entscheidende Kriterium. Ich will an eine Schule und in den Förderbereich, aber ich glaube, generell wird sowas schon positiv gesehen, auch im sozialen Bereich.
Pascal: Bei mir auf jeden Fall spürbar. Meine jetzige Chefin an der Hochschule Ruhr West fand meinen Verwaltungsratsvorsitz beeindruckend, weil man dann die Abläufe solcher Gremien kennt. Ich würde nach dem Studium auch gerne im Bereich der Studierendenwerke bleiben, das hat mich in den letzten drei Jahren richtig begeistert.
ak[due]ll: Würdet ihr das Amt anderen Studis empfehlen?
Frauke: Auf jeden Fall. Mitbringen muss man vor allem Zeit für die Sitzungen, den Rest lernt man. Ich wusste am Anfang selbst nicht genau, worum es eigentlich geht, aber weil vieles gut erklärt wird und man wirklich Raum für Fragen hat, findet man sich schnell zurecht, auch ohne Vorerfahrung.
Pascal: Ich kann es auch nur empfehlen. Wenn man Fragen stellt, wird man da nicht komisch angeguckt, und das ist schon eine Sache, die ein bisschen Einlaufzeit braucht, und sowas ist dann selbstverständlich.
Anmerkung der Redaktion: Die Autorin ist selbst studentisches Mitglied im Verwaltungsrat des Studierendenwerks. Sie vertritt dort die Folkwang Universität der Künste.
