Exit: Weil manche Geschichten keine Fortsetzung brauchen. [Foto: unsplash]
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Casual war mir dann doch zu casual

19. Dezember 2025

Eine Kolumne von anonym

Wenn beide Personen sich einig sind, dass aus der Beziehung nichts Ernstes werden soll und man nur eine gute Zeit haben will, kann doch eigentlich nicht viel schief gehen. Nun ja, bis ich gelernt habe, dass „casual“ dann doch mehr Level hat, als ich dachte.

Der Typ, der die Hauptrolle in dieser Dramedy (das Genre aus Drama und Comedy heißt Dramedy, oder?) spielt, und ich haben uns Anfang des Unijahres auf einem Fachschaftsevent kennengelernt. Er hat mich angesprochen, wir kamen ins Quatschen. Die Vibes waren gut, die Blicke flirty. Uns war beiden schnell klar, dass wir uns wiedersehen wollen und werden. Das haben wir dann auch. Mal waren wir gemeinsam einen trinken oder haben zusammen gekocht, mal waren wir zu zweit auf einer Veranstaltung oder gemeinsam mit meinem Mix unserer Freundeskreise auf einer Party. Wir haben festgestellt, dass wir beide ziemlich offen sind, was vermeintlich Privates angeht, und so wurden auch recht früh schon ziemlich intime Storys aus der jeweiligen Vergangenheit erzählt. Ich fand das zu dem Zeitpunkt spannend und funny. Rückblickend hätte die Art, wie er sich mit seinen Sexgeschichten profiliert hat, mich hellhöriger machen sollen.

In den Wochen unseres Kennenlernens habe ich meinen Platz für mein Auslandsjahr zugesagt bekommen. Es stand also fest, dass ich in circa einem Jahr, für genau ein Jahr auf der anderen Seite der Welt leben würde. Das hat für ihn einiges verändert. Seine vorherige Beziehung war an einer Long-Distance-Phase gescheitert. Er wollte sich nicht nochmal darauf einlassen. Ich habe das akzeptiert, fand die Vorstellung, während des Auslandsjahres nicht gebunden zu sein, auch gut. Daher war der gemeinsame Beschluss naheliegend, das, was da zwischen uns beiden ist bzw. werden wird (zu dem Zeitpunkt war noch überhaupt nichts Körperliches passiert), casual zu halten.

Wie casual ist zu casual?

Wir haben uns das erste Mal auf einer Party geküsst. Er hat danach bei mir übernachtet. Am Tag darauf waren wir gemeinsam mit Freund:innen von ihm, mit denen ich aber auch bekannt war, unterwegs. Der Abend war sehr ausgelassen, alle waren total betrunken. Auf einem Ausflug zum Klo, wurde ich beim Einbiegen in den Gang zu den Toiletten mit folgendem Bild überrascht: Besagter Typ küsst ein Girl aus seinem Freundeskreis. Nicht mal 24 Stunden nachdem er bei mir im Bett lag. Er hat mitbekommen, dass ich das gesehen habe und später rumargumentiert, dass sie von einem anderen Typ dazu gechallenged worden wären, sich zu küssen. Es wäre alles nur ein Joke gewesen. Ich fands nicht so lustig. Witze werden nicht unbedingt besser, wenn man sie erklärt.

Fakt ist, er konnte machen, was er wollte, wir hatten nie über Exklusivität gesprochen. Fakt ist aber auch, dass mich das extrem verletzt hat. Ich glaube, hätten wir vorher darüber gesprochen, wäre das ohne mein Beisein passiert, mit jemandem, den ich nicht gekannt hätte, hätte mir das gar nicht unbedingt etwas ausgemacht. Ganz schön viel Konjunktiv. Ehrlicher wäre wahrscheinlich – und die Moral von der Geschicht – casual is‘ es nicht für mich.

Ungünstigerweise war ich an diesem Abend dazu gezwungen, die verbleibenden Partystunden mit seinen Friends (und zwangsläufig auch ihm) zu verbringen. Wir waren ein paar Städte von Zuhause entfernt und betrunken allein den Heimweg anzutreten, wäre weder sicher noch schlau gewesen.

Ein paar Tage später gab es dann ein „klärendes Gespräch“. Für mich hat sich nur geklärt, dass er die Aktion nicht respektlos fand, ich aber schon. Ich habe gesagt, dass ich nichts Körperliches mehr mit ihm möchte, mich aber bequatschen lassen, trotzdem weiter mit ihm befreundet zu sein. Zwischen uns lagen einige Jahre Altersunterschied. Das, meine eigene Unsicherheit und der Rush, seine Aufmerksamkeit zu bekommen (und vielleicht auch einfach seine Persönlichkeit) haben vermutlich dazu beigetragen, dass wir nie zu hundert Prozent auf Augenhöhe waren. Wahrscheinlich habe ich mich deswegen in diesem Moment nicht getraut, einen klaren Cut zu setzen.

Irgendwann habe ich dann aber doch bemerkt: Ich mag ihn eigentlich gar nicht. Auch unabhängig von dem Quatsch, der an diesem Wochenende passiert ist. Ich wollte ihn auch als Freund nicht in meinem Leben haben. Meine Erleichterung, nachdem ich den Kontakt abgebrochen habe, war vielsagend.