Die Pride Month ist zu Ende. Doch sorgt euch nicht: Die Fußball-EM der Frauen beginnt ab heute und ist im Grunde genommen die einzige große lesbische Sportveranstaltung dieses Jahres: Quasi Pride Month 2.0. Zwischen Girlfriends, Ehefrauen oder Ex-Partnerinnen, die auf gegnerischen Seiten oder sogar im selben Kader aufeinandertreffen, sind die komplizierten, romantischen Querverbindungen nur noch durch Alice und Shanes Netzwerk à la The L Word zu übertreffen. Im Zeitgeist von “Women supporting Women” habe ich für all diejenigen, die genau wie ich nur alle vier Jahre zur EM oder WM einschalten, aber trotzdem gern wissen wollen welche Teams eine realistische Chance haben, Europameisterinnen zu werden, einen einfachen “Everything you need to know”- Guide aufgestellt.
5. Team „Nati”: Die Schweizerinnen
Die UEFA-Frauen-EM findet zum ersten Mal in der Schweiz statt. Damit enden auch schon die guten Nachrichten für die Schweizer:innen. Nachdem bekannt gegeben wurde, dass die Fördermittel für das Turnier gekürzt wurden, die Stammspielerin Ramona Bachmann aufgrund ihrer Kreuzbandverletzung nicht am Turnier teilnehmen kann und die “Nati” die letzten acht Länderspiele verloren hat, also keinen einzigen Gewinn dieses Jahr erzielen konnte, stimmt all das nicht gerade optimistisch. Zugegeben, die restlichen Teams aus Gruppe A (Norwegen, Island, Finnland) sind nicht für ihre internationalen Erfolge bekannt, allerdings würde ich eher Norwegen zutrauen, die Runde zu überstehen und sich für die nächste zu qualifizieren. Vielleicht überrascht uns die “Nati” doch. Den Heimvorteil haben sie immerhin.
4. Team „Blågult“: Die Schwedinnen
Wenn die Schwedinnen für etwas nicht bekannt sind, dann dafür, aus internationalen Turnieren als Siegerinnen hervorzugehen. Ihr bestes Ergebnis erzielten sie 1984 als Gewinnerinnen des EM-Turniers (Das war die erste Frauen-EM, die mit lediglich vier Teams stattfand). Seitdem schwanken sie bei den FIFA-Rankings zwischen den Plätzen drei und sieben. Die Gegenwart sieht auch nicht viel rosiger aus. Der schwedische Kader zeichnet sich vor allem durch seine Inkonsistenz aus. Das ist bedauerlich. Denn wenn man ihre Ergebnisse ignoriert und nur auf die Namen der Spielerinnen schaut, die zum Kader berufen wurden, wirken sie wie ein deutlich stärkeres Team, das während der Gruppenphase möglicherweise die DFB-Frauen übertrumpfen und das Turnier aufmischen könnte.
3. DFB-Frauen Team
Lange Zeit galten die Amerikanerinnen und die Deutschen als die Giganten im Frauenfußball. Mit zwei Weltmeister- und acht Europameistertiteln sind die DFB-Frauen das zweiterfolgreichste Fußballteam der Welt. Mittlerweile haben die Spanierinnen und die Engländerinnen die deutsche Mannschaft überholt. Dennoch sollte man sie nicht unterschätzen: Bei den Olympischen Spielen in Paris vergangenen Jahres holten sie Bronze und übertrumpften damit die übermächtigen Spanierinnen. Erst vor zwei Jahren standen sie den englischen Gastgeberinnen im EM-Finale gegenüber, die sie mit 2:1 nach Verlängerung besiegt hatten. Die DFB-Frauen müssen im Mittelfeld erneut ohne ihre beste Spielerin Lena Oberfeld auskommen (Kreuzbandriss) und ohne erfahrene Führungsspielerinnen, wie Alexandra Popp. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die Deutschen nicht nur die Gruppenphase überstehen und sich für die nächste Runde qualifizieren, sondern auch einen weiten Turnierverlauf hinlegen werden. Außerdem glaube ich, dass die Gruppe C (Deutschland, Schweden, Polen und Dänemark) uns die spannendsten Spiele der ersten Runde liefern könnte.
2. Team „La Roja”: Die Spanierinnen
Obwohl die Spanierinnen bei der vergangenen EM im Viertelfinale gegen die Engländerinnen ausgeschieden sind, im Halbfinale der Olympia letzten Jahres gegen Brasilien verloren haben und anschließend in dem Spiel um Bronze ebenfalls verloren haben, habe ich trotzdem lange mit mir gehadert die “La Roja” nicht doch auf den ersten Platz zu setzen. Und sie damit offiziell, als die Favoritinnen zu küren, die den Titel holen werden. Immerhin werden sie von der Kapitänin Alexia Putellas, der zweifachen Ballon d’Or-Gewinnerin (eine Auszeichnung, die die:der beste Fußballspieler:in erhält) angeführt. Sie gewann beide Auszeichnungen in der Kategorie „Beste Spielerin”. Neben ihr stehen ausgezeichnete Spielerinnen wie Aitana Bonmati, ebenfalls Gewinnerin des Ballon d’Or, Ona Batlle, Irene Paredes, Salma Paralluelo gemeinsam auf dem Spielfeld. Anders gesagt: der spanische Kader ist an Reichtum nicht zu übertreffen. Die amtierenden Weltmeisterinnen haben nach den überraschenden Niederlagen der letzten zwei Jahren bestimmt das Verlangen, der Welt zu zeigen, dass sie nach wie vor der Standard sind.
- Team „The Lionesses” : Die Engländerinnen
Nachdem die langjährige Torhüterin Mary Earps überraschenderweise einen Monat vor Beginn des Turniers ihre Karriere in der Nationalmannschaft beendet hat, sind die Goalies der Titelverteidigerinnen ziemlich dünn aufgestellt. Zur neuen Nummer 1 wurde die 24-jährige Hannah Hampton ernannt, die gerade einmal 15 Einsätze für die Nationalmannschaft hinter sich hat. Und damit ist sie die erfahrenste von allen Torhüterinnen. Sowohl die 21-jährige Khiara Keating als auch die 30-jährige Anna Moorhouse haben noch kein einziges Länderspiel für England bestritten. Auf dem restlichen Spielfeld trifft man auf bekannte und erfahrene Gesichter u.a. von Kapitänin und frisch gekrönter Champions-League-Gewinnerin Leah Williamson, Beth Mead, Lucy Bronze, Keira Walsh uvm. Trotzdem lässt die Tatsache, dass unerfahrene Torhüterinnen die nächsten in der Reihe sind, die aufs Feld gerufen werden, falls Hampton wegen Foulproblemen oder einer zugezogenen Verletzung das Feld verlassen muss, einen bitteren Beigeschmack im Mund. Ob die unerfahrenen Torhüterinnen der Europameisterschaft gewachsen sind, wird die Zeit zeigen.
Nun seid ihr bestens aufgestellt, um eure Bestie, Schwester oder eure:n Partner:in zu schnappen und die anstehenden Spiele beim Public Viewing zu genießen. Falls ihr vor der Qual der Wahl nicht wisst, welche Biersorten ihr zum Fußball genießen solltet, schaut mal bei Carolin´s Top 10 Bierranking vorbei und all denjenigen, die kein Fan von alkoholischen Getränken sind, kann ich nur zu Paulaner´s alkoholfreiem Weißbier-Zitrone raten.
Zum Schluss bleibt mir nur noch eins zu sagen:
Let’s go lesbians! Let’s go lesbians!
