Angesichts dessen, dass in Duisburg zuletzt mehrere Gebäude aufgrund von Schimmelbefall mindestens teilweise gesperrt werden mussten, haben wir darüber ein Interview mit Sabine Hampel, Leiterin des Gebäudemanagements (GM) der UDE geführt.
ak[due]ll: Wie ist es dazu gekommen, dass Teile des LF- und LE-Gebäudes in Duisburg nicht benutzbar sind?
Hampel: Das hat unterschiedliche technische Ursachen. Im Gebäude LE, damit fange ich mal an, ist es eine Undichtigkeit in einer Löschwasserleitung gewesen, die zu Feuchtigkeitsschäden geführt hat. Keine Undichtigkeit in dem Sinne, dass da ein Rohr geborsten ist und ein Schwall von Wasser rausgekommen ist, sondern es ist letzten Endes ein Haarriss gewesen, der dann aber stetig geringe Mengen an Wasser abgab. Da es eine Löschleitung ist, muss die auch immer einen gewissen Wasserdruck haben, da muss Wasser drin sein. Das ist Anfang April dann sehr schnell auch mit dem BLB (A. d. R.: Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, der die meisten Flächen und Gebäude der UDE besitzt und an die Uni vermietet) kommuniziert worden. Wir haben uns das vor Ort dann angeschaut und haben als erstes natürlich auch mit der Feuerwehr geklärt, was das jetzt für uns heißt. Die hat uns dann aber bestätigt, dass wir das Gebäude so weiter betreiben können, solange wir dafür sorgen, dass diese Leitung und die Hydranten in Betrieb sind. Aber wir mussten die Schadensbeseitigung natürlich sofort anstoßen.
Für uns als GM ist unser erster Gedanke in solchen Fällen immer, dass wir bei Gefahr für Leib oder Leben, bzw. die Gesundheit, natürlich ein Gebäude sofort schließen. Wenn es aber irgendwie vertretbar ist, das zu vermeiden – gerade, wenn öffentliche Räume, die Studis nutzen, betroffen sind – dann nicht. Das hat der BLB dann auch schnell gemacht. Er engagiert für solche Fälle Firmen, die die Gebäudeschäden zunächst untersuchen und feststellen, welche Maßnahmen erforderlich sind. Das ist jetzt über den April und Mai hinweg geschehen und wir haben einen Plan dafür, wie wir den Schaden beseitigen. Das ist aufgrund des Baujahres nicht ganz so einfach: LF ist unser ältestes Gebäude, das ist aus den 1920er Jahren, LS wurde 1938 gebaut, LE ist 1976 gebaut, also da haben wir jede bauliche Situation. Das ist anders als bei anderen Universitäten, wo man sozusagen einen Packen Gebäude aus einer Zeit hat.
Wir mussten für LE jetzt spezielle Bauteile bestellen, die aufgrund des Baujahres niemand mehr auf Lager hatte – so etwas fügt dem Gesamtprozess dann auch vier bis fünf Tage hinzu, in denen man sich als Außenstehende:r dann auch fragt, wie es denn so lange dauern kann, eine Undichtigkeit abzustellen. Weil durch die Feuchtigkeit eine Schimmelbildung unausweichlich ist, haben wir als Vorsichtsmaßnahme einzelne Räume dann aber für die Nutzung sperren müssen. Da haben wir uns auch bemüht, die Nutzerinnen und Nutzer zu informieren, wir hatten aber schon bei den Festnutzenden, die Büros in den Gebäuden haben, Schwierigkeiten, sie zu erreichen. Und dass den Studierenden dann auch noch nicht geholfen ist, ist uns leider auch bewusst.
ak[due]ll: Wie war das im LF-Gebäude? Das ist ja auch von Schimmel befallen, der Grund ist mir zumindest aber unbekannt?
Hampel: Das ist immer noch in der Klärung, woher diese Undichtigkeit kommt. Da hatten wir schon länger Kenntnis von punktuellem Schimmelbefall und haben immer wieder entsprechende Messungen gemacht, während der BLB damit beschäftigt war, die Ursache zu untersuchen und das Sanierungskonzept zu erstellen. In dem Zusammenhang haben wir dann in Absprache mit dem Arbeitsschutz als Vorsichtsmaßnahme einen ganzen Flur in LF sperren müssen. Was da besonders bitter war, war, dass da auch die Räumlichkeiten des AStA betroffen waren. Wir haben uns dann bemüht, so schnell wie es ging, andere Räume zu finden. So hatten wir dann zeitweise zum Beispiel, weil wir hier im Gebäude flexibilisierte Büros haben, den AStA direkt in der Nachbarschaft. Das fand ich ehrlicherweise auch sehr schön, weil so dann ein direkter Draht bestand, über den für beide Seiten sehr hilfreich dann Bedarfe und Probleme geklärt werden konnten. Mittlerweile besteht ein Sanierungskonzept auch für LF und das wird dann in den nächsten Wochen vorgestellt werden.
ak[due]ll: LF ist jetzt ja seit über einem halben Jahr teils unbenutzbar. Warum dauert das in diesem Fall denn jetzt so viel länger?
Hampel: Der BLB leidet an der Stelle am selben Problem wie viele andere Bauunternehmen: Er kann nur auf einige wenige Büros, die sich mit derartigen Untersuchungen zu Schimmelbefall auskennen, zurückgreifen und wird an manchen Stellen von diesen dann einfach hängen gelassen. Der BLB versucht ein Gutachten zu bekommen, zur vereinbarten Frist ist das nicht da, BLB läuft hinterher, wir laufen hinterher. Das Büro muss gewechselt werden, eventuell gibt es wieder Probleme. So dauert es teilweise.
ak[due]ll: Das GM oder andere Stellen der Uni haben an dieser Stelle aber keinen Handlungsspielraum, selbst Maßnahmen einzuleiten?
Hampel: Nein. Alles, was zur sofortigen Gefahrenabwehr erforderlich ist, können wir machen. Insofern sind wir dann häufig auch auf der Suche nach Ersatzflächen. Das ist dann eine der Notmaßnahmen. Wir können aber nicht im Ganzen die Maßnahme vom BLB übernehmen. Das können wir nicht, weil das das Hoheitsrecht des Vermieters ist: Es ist sein Gebäude und er muss den Mangel beseitigen.
ak[due]ll: Wie sieht das denn mit Seminaren und Vorlesungen aus, die in den betroffenen Gebäudeteilen abgehalten worden wären? Konnten alle untergebracht werden?
Hampel: Man konnte sie alle unterbringen. Das lief über unsere zentrale Raumvergabe. Die sind bei solchen Vorfällen natürlich auch alles andere als amused, besonders wenn es mitten im Semester geschieht. Sie und wir haben aber versucht, alles möglich zu machen. Soweit ich weiß, ist im größeren Stil nichts ausgefallen durch diese Sperrung. Im Zweifel wird in solchen Fällen über unsere Kontakte zu den Fakultäten versucht, gegebenenfalls Veranstaltungen zu verschieben, Räume je nach Bedarfsgröße zu tauschen. Wir versuchen bei sowas wirklich alles, weil das für uns auch die Prioritäten sind: Die Lehre muss weiterlaufen können, die Forschung ist wichtig – es darf nirgendwo ein Versuch zusammenbrechen – und alles andere muss sich dahinter einordnen.
ak[due]ll: Sie hatten vorhin ja schon einen ungefähren Freigabezeitraum angerissen. In LE legt das BLB bald den Plan zur Wiederfreigabe vor. In LF dauert es, bis die Ursache feststeht?
Hampel: Zumindest haben wir da noch keine Ankündigung. Der BLB meldet sich immer bei uns, wenn er das Maßnahmenkonzept von seinem Büro hat, um uns das vorzustellen. Und das wird dann sicherlich auch in nächster Zeit für LF passieren, da haben wir aber noch keinen so konkreten Zeitpunkt wie für LE.
ak[due]ll: Viele Duisburger Studierende haben das Gefühl, dass ihr Campus im Vergleich zu Essen vernachlässigt worden sei. Können Sie das nachvollziehen? Wissen Sie, woher dieses Gefühl kommen könnte?
Hampel: Da muss ich ehrlich sagen, dass ich das schwer nachvollziehen kann, wenn ich als Gebäudedezernentin GM auf meine beiden Campi [sic!] gucke. Die sind sehr unterschiedlich, definitiv! Aber dass da so ein Gefälle drin wäre, kann ich nicht wahrnehmen. Wir haben Herausforderungen an beiden Bereichen, wir haben genauso auch große Maßnahmen in beiden Bereichen vorgenommen: Das Instituts- und Seminargebäude LE ist der Neubau, den wir hier in Duisburg bekommen. Das ist ja auch mal ein Wort. Dann ist auch die experimentelle Physik hier in Duisburg auf dem Plan, die auch ein neues Gebäude bekommen wird. Ich nehme da kein Ungleichgewicht wahr in dem Sinne: In Essen wird alles schön, alles neu gemacht und hier passiert gar nichts.
Da gucken wir auch selber drauf –auch in Zusammenarbeit mit dem BLB. Wenn es um Instandsetzungsmaßnahmen oder sowas geht, haben wir eine ewig lange Liste für beide Standorte. Wir schauen dabei aber auch immer, dass wir an beiden Standorten kontinuierlich dranbleiben.
ak[due]ll: So etwas wie einen festen Verteilungsschlüssel gibt es aber nicht?
Hampel: Nein, den gibt es nicht.
Neubauten in Duisburg
ak[due]ll: Zu einem anderen Thema: Der Ingenieurscampus Wedau (IW). Für die Presse, aber auch für viele Universitätsangehörige kam das Ende der Pläne des IW überraschend. Was waren die Gründe für dieses Aus?
Hampel: Das ist der für mich schwieriger zu beantwortende Teil der Fragen, insofern einmal zu meiner Rolle: Ich wurde neulich in einer Podiumsdiskussion als „Bauministerin der UDE” bezeichnet. Das bin ich definitiv nicht, weil ich nicht die politische Entscheidungsträgerin bin. Und insofern ist in diesem Prozess das Rektorat und auch Herr Richter, der Kanzler, sehr viel enger eingebunden gewesen und hat auch diesen Abstimmungsprozess, der ein gemeinsamer mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) war, begleitet. Er ist dahingehend also ein besserer Ansprechpartner für diese Informationen. So nah war ich an dem Entscheidungsprozess gar nicht dran.
Das ganze ist ja eingebaut in den Prozess der neuen Masterplanung Hochschulbau, den das MKW aufgesetzt hat. Damit soll der Hochschulbau in die Zukunft gebracht werden unter der Berücksichtigung davon, wer welche Bedarfe hat, und dabei auch ein neues Verfahren auszuprobieren: Man sucht neue Wege, die Bedarfe zu priorisieren, zu beschreiben und sie vor allem dann zu decken. In diesem Rahmen muss man sich dann irgendwann entscheiden, welche Variante die beste für die Universität ist. Das war die Entscheidungsgrundlage und das Motiv für das Rektorat, nach vielen Abwägungen zu sagen: Das ist der beste und sicherste Weg. So wollen wir vorgehen. Für die nicht im Prozess Eingebundenen erscheint das dann vielleicht überraschend und kurzfristig, die Entscheidung ist intern aber definitiv nicht von heute auf morgen gefallen.
ak[due]ll: Wie sind Sie als GM denn in den Planungsprozess involviert?
Hampel: Wir sind als Vertretende der Bedarfe der Universität eng eingebunden. Das heißt: Wir melden gegenüber unseren Partner:innen aus dem MKW, dem BLB unsere Bedarfe. Diese Bedingungen müssen die Flächen für uns erfüllen.
ak[due]ll: Haben Sie einige Beispiele für solche Bedarfe?
Hampel: Wir müssen, wenn wir Bedarfe für einzelne Fakultäten melden, darauf achten, dass für die auch individuelle Funktionszusammenhänge bestehen müssen. Es reicht nicht nur, die Quadratmeter zu benennen, sondern es muss für uns auch klar sein: Wer arbeitet mit wem? Wer braucht für seine Arbeit welche Funktionsräume? Wie müssen die angeordnet sein? Welche Qualität müssen die haben? Das ist gerade bei den Ingenieurs- und Naturwissenschaften besonders wichtig. Welche Versuche sollen da stattfinden? Bei Lehr- und Leerräumen müssen wir dann auch bedenken, dass uns zum Beispiel die Physiker und Chemiker sagen, dass sie keine halbe Stunde zu einem Gebäude hinfahren können, wenn sie dort dann noch für eine Vorlesung Versuche aufbauen müssen. Dann klappt die Arbeit nicht. Diese Art von Anforderungen sammeln wir als GM und sorgen so dafür, dass unsere Nutzerinnen und Nutzer in den Gebäuden später auch wirklich arbeiten können.
ak[due]ll: Standortvorschläge unterbreiten Sie aber nicht?
Hampel: Die unterbreiten wir nicht, wir prüfen sie aber. Das ist bei jedem Neubau hier so, dass der BLB gemeinsam mit uns prüft: Wo soll der hier hin? Formal ist es sein Grundstück, er könnte hier Gebäude hinstellen, wo er wollte, aber das tut er nie. Da geht er immer mit uns ins Gespräch.
ak[due]ll: Gibt es schon genauere Alternativplanungen für die Ingenieurwissenschaften und auch die neu gegründete Informatikfakultät?
Hampel: Die Planungen sind zurzeit in der Ausarbeitung und der BLB wird sich das zeitnah gemeinsam mit uns angucken. Zum aktuellen Zeitpunkt ist klar, dass beide Fakultäten Flächenbedarfe haben. Die sollen sie an einem Standort realisieren können. Das ist auch etwas, wo wir als GM dafür sorgen, dass an dieser Planung nicht gerüttelt wird. Die Pläne sind aber noch auf sehr hoher Flughöhe. Wir haben noch keine visuelle Darstellung, kein Bild. Das ist dann der Punkt, an dem es für die Menschen, die Öffentlichkeit, greifbar wird. Und deshalb versuchen wir, aktuell viel Tempo drinzuhalten. Das ist auch im Interesse des Ministeriums, die wollen auch schnell vorwärtskommen und sobald es da etwas gibt, werden wir das der Hochschulöffentlichkeit in angemessener Art und Weise präsentieren.
ak[due]ll: Gibt es schon eine Zeitschätzung?
Hampel: Ich denke, im Frühsommer/Sommer wird sich das abspielen, weil alle Beteiligten da auch den nächsten Meilenstein erreichen wollen und wissen möchten, auf welches Zielbild sie hinarbeiten. Ich glaube nicht, dass das jetzt noch ein Jahr dauert.
ak[due]ll: Angesichts der mehreren Sperrungen aufgrund von Schimmelbefall in den letzten Monaten: Gibt es für die Gebäudeneu-, aber auch -umbauten Maßnahmen, die Sie ergreifen, um Sperrungen im Fall des Falles kürzer halten zu können? Sind Feuchtigkeit und Schimmel ein höheres Risiko als zuvor?
Hampel: Was wir immer machen, ist, dass wir gemeinsam mit dem BLB gucken: Haben wir noch andere Gebäude aus der selben Zeit, wo wir damit rechnen können, dass das da auch passiert? Das ist eine Standardmaßnahme, damit man dann im Zweifel auch „vorbeugend guckend gehen kann“. Ganz vermeiden kann man sowas nicht. Das ist eine Frage davon, wie alt das Gebäude ist und was für eine Technik dort verbaut wurde. Da kann man dann nicht mit vorbeugender Sanierung herangehen. Aber egal welcher Schadensfall das ist: Wir schauen immer, ob uns das nochmal ereilen kann und versuchen, entsprechend vorzubeugen. Wir versuchen immer, Sperrungen zu vermeiden und falls sie doch nötig sind, die Sanierung zu beschleunigen. In dem Bereich ist es nicht so einfach wie bei technischen Anlagen: Bei denen machen wir das als GM im positiven Sinne „ausufernd“, dass wir uns schon zuvor Ersatzteile hinlegen, weil wir wissen, dass wir alte Anlagen haben.
ak[due]ll: Ich habe unten die Werkhalle gesehen (lacht).
Hampel: Und das ist nur der Anfang. Machen Sie gerne auf dem Sommerfest unsere Führung im M-Bereich mit. Die bieten wir wieder an und da bekommen sie mal einen richtigen Einblick.
ak[due]ll: Als letzte Frage: Anfang des Jahres wurde im Rahmen des Filmvorfalls auf einer Toilette in Essen vom GM gesagt, dass in zukünftigen Neu- und Umbauten dieser Faktor für die Toilettenräume mit einbezogen wird. Ist das in den bisherigen Planungen schon mit eingebracht oder kommt das noch zu einem späteren Zeitpunkt im Planungsprozess?
Hampel: Das haben wir direkt eingespeist in alle Vorhaben, an beiden Campi [sic!], also auch in alle im Umbau befindlichen Gebäude, in denen das noch möglich ist, die Kabinenwände also noch nicht aufgestellt waren. Wir haben das auch schon in unsere Standardanforderungen aufgenommen. Da haben wir keinen Grund gesehen, das noch irgendwie in einen ewig langen Abstimmungsprozess zu geben. Das war eine offensichtliche Lösungsmaßnahme und da hat uns auch der Vermieter, der BLB, wirklich sofort unterstützt und gesagt: Auch wenn es kurz vor der Bestellauslösung ist,das nehmen wir noch mit rein. Das ist ein Sicherheitsgewinn. Da haben wir alle Interesse dran.
ak[due]ll: Vielen Dank für das Interview!
