Auch die Plattenläden wissen FKA twigs Einfluss auf elektronische Musik zu schätzen. [Foto: Nikita Verbitskiy]
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Album des Monats: FKA twigs – EUSEXUA

27. März 2025

Mehr als 10 Jahre nach ihrem gefeierten Debütalbum LP1 hält FKA twigs ihr nun drittes Studioalbum für den Beginn des Jahres 2025 bereit. Und es scheint ein gutes Jahr zu werden. 

In der Presse häufig als Vertreterin der neuen Welle des „alternative R’n’B“ zugeordnet, streitet twigs diese Assoziation schon früh ab. Diese sieht sie bloß als weiteres Beispiel rassistischer Klischees für Genrezuordnung und identifiziert sich nicht mit dem Sound. Auf EUSEXUA macht sie es Zuhörer:innen dann noch besonders schwierig, sie einzuordnen: Von Track zu Track hangelt sie sich an einem Dschungel an Genres entlang, der eine breite Palette elektronischer Geschmäcker abdeckt – ohne dabei den Halt zu verlieren. 

Auf dem Titeltrack beweist sie sowohl ihre Souveränität beim Songwriting als auch ihren geschulten Geschmack in Sachen Produktion und Arrangement. Elegante Ohrwurmmelodien schmücken in ihrem typischen Falsetto den atmosphärisch wachsenden Beat. Gleich die ersten Sekunden durchgehender „Four-on-the-Floor“- Kickdrums wecken Techno-Assoziationen, doch schnell rücken sie in den Hintergrund und werden zu sanft treibenden Wellen für ihre Melodien und verspielten Stimmeinsätze. So steigert sich das Momentum Stück für Stück, bis sie im letzten Drittel dem Drop das Scheinwerferlicht überlässt. 

Der folgende Track Girl Feels Good spielt mit den für sie typischen Sounds des Trip Hop. Ein Genre, das insbesondere im Großbritannien der 90er und frühen 00er durch Künstler:innen wie Massive Attack an Popularität gewann. Insgesamt zieht twigs viel Inspiration aus elektronischen Vorreitern der UK, Einflüsse von Aphex Twin oder Burial reihen sich nahtlos in die liebevoll eingebauten Drum’n’Bass-Passagen in Tracks wie Striptease oder dem Outro Wanderlust ein. Sie verknüpft diese Einflüsse mit zeitgenössischen Sounds aus dem Hyperpop und Glitch-Pop und haucht ihnen dadurch neues Leben ein. 

Eine Ode an den Tanz

Der dritte Track Perfect Stranger bildet eines der Highlights des Albums. Mit einem eingängigen Electropop-Beat und einer catchy gehauchten Hook schafft twigs einen Song, der nicht loslässt und Replay-Potenzial verspricht. Auch inhaltlich schafft sie es, sich an Zuhörer:innen zu binden. Sie beschreibt die Idee der perfekten Person als Wunschpartner:in, die nur so lange existieren kann, bis wir sie wirklich kennen lernen – ein Phänomen, dem sich vermutlich schon viele ausgesetzt fühlten. Sie lässt uns nah genug an sich ran, um das Gefühl unmittelbarer Intimität zu vermitteln, doch ihre Themen sind universell genug, dass sich alle wiederfinden können. Das Album handelt von Problemen vergangener Beziehungen, Selbstfindung und -ausdruck. Und auf EUSEXUA ebenfalls besonders vertreten: das Nachtleben. 

Nicht nur in ihren Lyrics, wie zum Beispiel in Room of Fools („Stranger in a dark room, dancing, almost lost you“) vertreten, auch in ihrer Produktion und Instrumentalisierung nimmt sie Clubs, Raves und Tanz als zentralen Baustein für ihr Album. Ihrem facettenreichen Spektrum an Sounds liegt nämlich genau das Zugrunde: Ob Techno, Drum’n’Bass oder Hyperpop, es ist Musik, die dazu da ist, den Körper und die Party zu elektrisieren. Laut Interviews sind genau an diesen Orten auch einige der Texte entstanden. Sie bezeichnet das Album als „love letter, to how dance music makes me feel“. Darin entstand auch der Ursprung des Albums, ihr Neologismus: „Eusexua“. Eine dem Orgasmus ähnliche Euphorie, die durch Schönheit und ekstatisches Tanzen ausgelöst wird.