Das Kunst- und Kulturcafé (KKC) am Campus Essen wurde schon 2015 geschlossen. Seitdem gibt es am Campus Essen für Studierende keine richtige Möglichkeit mehr, nach Seminaren und Vorlesungen noch entspannt Kommiliton:innen bei einer Cola oder einem Bier zu treffen. Unser Redakteur hat für euch zusammengefasst, was das KKC war, warum es nicht mehr existiert und wie es neueröffnet werden soll.
Die Räumlichkeiten des KKC befanden sich unterhalb des Gebäudes der Hauptmensa Essen, in T02. Sie sind zwar Teil des Campus, um sie zu erreichen, muss man aber am AStA vorbei in Richtung der Poststelle und des Fundbüros gehen. Wer den Weg heute geht, erkennt die richtige Tür immer noch am ausgeblichenen roten Schild: KKC. Durch die seit über einem Jahrzehnt heruntergelassenen Rollläden kann man kaum etwas erkennen, aber durch die staubige Glastür entdeckt man dann doch das, was vom KKC übrig ist. Hinter eingelagerten Mülleimern kann man Regale voller leerer Flaschen und einen Tresen mit verlassenen Zapfanlagen erspähen. Immer noch beschriebene Kreidetafeln künden von „Flaschenbier 1,90“ und vom nächsten Flohmarkt, der jetzt schon fast zehn Jahre zurückliegt.
Was war das KKC?
Das KKC wurde 1990 eröffnet, nachdem Studierende der damaligen Universität-Gesamtschule Essen seine Schaffung mit einem Streik erkämpften. Betrieben wurde es meist vom AStA. Jahrzehntelang war es, wie auch zeitgenössische Medienberichte von WAZ, taz oder DerWesten bezeugen, eine kulturelle Anlaufstelle nicht nur für Essener Studierende, sondern fester Bestandteil der Kulturszene des Ruhrgebiets. Neben Partys, Get-togethers und Feierabendgetränken wurden hier auch kleine Konzerte von diversen Künstler:innen, darunter bekannte Namen wie Blumenfeld oder Wir sind Helden, veranstaltet. Der AStA, Fachschaften, Studierendenvereine und auch private Vereinigungen nutzten es intensiv.
Doch es gab auch viele Schattenseiten: Ein Geschäftsführer wurde wegen mehrerer Fälle sexuellen Missbrauchs gerichtlich verurteilt. Kassen verschwanden, Geschäftsbücher wurden geschönt. In Verbindung mit dem KKC steht eine ganze Reihe an Gerichtsverfahren, die größtenteils auch medial dokumentiert sind. 2012 nahm das Studierendenwerk unter heftigem Protest den Betrieb dem AStA ab, als ihnen die Skandale und Misswirtschaft (wieder einmal) zu viel geworden waren. Der Genickbruch für das KKC folgte dann 2015 als „vorläufige Schließung“. Hygienestandards, Brandschutzmaßnahmen und mangelnde Fluchtwege machten umfassende Umbaumaßnahmen erforderlich, deren Finanzierung aber unklar war. Schon 2013 hatte das Studierendenwerk auf Weisung einer Ordnungsbehörde die Kapazitätsgrenze von 800 auf nur noch 199 Personen begrenzen müssen. Seine Funktion als Party- und Konzert-Location konnte das KKC ab diesem Punkt nicht mehr erfüllen. Dennoch hat das KKC einen wichtigen Zweck erfüllt. Wie es im Geschäftsbericht des Studierendenwerks noch 2014 heißt: „Bingo, Karaoke, Poetry Slam, Video-Games, Grillen und Chillen – das KKC ist das Wohnzimmer auf dem Campus“. Zumindest war es das.
Was ist mit dem KKC?
Seit 2015 hat es immer wieder Anläufe gegeben, das KKC wiederzueröffnen. Uni, Studierendenwerk und AStA beteuerten in den Jahren nach der Schließung immer wieder, dass sie daran arbeiteten. 2016 und 2017 fanden verschiedene Gesprächsrunden unter Beteiligung von Uni, Studierendenwerk, AStA und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, dem das Gebäude gehört, statt. Sie alle führten zu nichts. In weiteren Runden 2018 und 2019 wurden Wiedereröffnungspläne gemacht. Diese verliefen aber ebenfalls im Sand. Der AStA plante zwar schon mit einem konkreten Eröffnungstermin, dieser wurde aber durch die 2020 aufkommende Corona-Pandemie verhindert. Als sie abebbte, war auch diese Planung wieder Geschichte. 2022 verzögerte sich die Vertragsunterschrift über die Zukunft des KKCs weiter, weil die unterschreibenden Parteien sich über eine Pachtforderung des Studierendenwerks schlussendlich doch nicht mehr einig waren. So lief es dann weiter.
Übrigens: Seit 2018 hat jeder neue AStA-Vorsitz angekündigt, dass man damit rechne oder zumindest darauf hoffe, das KKC in der jeweiligen Amtszeit wiedereröffnen zu können.
Was wird aus dem KKC?
Aktuell scheinen sich Uni, Studierendenwerk und AStA einig zu sein. Der AStA befindet sich erneut in konkreten Planungen zur Wiedereröffnung, hat uns sogar Visualisierungen des zukünftigen KKCs gezeigt. Dennoch gibt es keine konkreten Termine für die notwendigen Umbaumaßnahmen, geschweige denn die Wiedereröffnung. Aktuell liegt das wohl am Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, der seine finale Zustimmung immer weiter herauszögert.
Dieses Jahr ist bereits das zehnte, in dem der Campus Essen keine Studierendenkneipe mehr hat. Seit zehn Jahren gibt es keine Räumlichkeit, in der man (ohne riesigen Aufwand) Partys veranstalten darf. Seit zehn Jahren ist das einzige, das nach 18 Uhr geöffnet ist, die Bibliothek. Der Campus Essen hat schon vor zehn Jahren diese Möglichkeiten verloren. Hoffentlich gewinnt er sie bald wieder und es dauert nicht weitere zehn Jahre, bis das KKC wiedereröffnen kann.
Auch der Campus Duisburg hat zuletzt seine Kultur-Location, den AStA-Keller, verloren. Die gesamte Etage darf aufgrund von Schimmelbefall nicht weiter genutzt werden. Bisher dürfen Fachschaften und andere studentische Gremien Sondererlaubnisse beantragen, um auch in Lehr- und Forschungsräumen Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Hoffentlich sind sie darauf nicht auch zehn Jahre lang oder mehr angewiesen. Am Campus Essen gibt es solche Ausnahmen nämlich nicht.
