Zurück im Single-Game und zurück auf den Dating-Apps: Was als lockerer Neustart gedacht war, entwickelt sich zu einer Reihe von absurden (Nicht-)Begegnungen. Zwischen Ghosting, Blockieren und großen Versprechen stellt sich die Frage, was eigentlich mit Männern (auf Dating-Apps) los ist.
Frisch getrennt, und nun? Ab wann darf ich wieder daten? Ist es komisch, dass ich meinem Ex nicht besonders lange nachgetrauert habe? Werde ich verurteilt, wenn ich jetzt direkt wieder auf Dates gehe? Und wie finden es potenzielle Dates, wenn sie erfahren, dass ich erst so kurz getrennt bin? Genau das habe ich mich auch gefragt, als mein Ex-Freund sich im Januar per Telefon von mir getrennt hat (ja kein Scheiß, per Telefon!!). Während mir einige Freund:innen davon abrieten, mich direkt wieder ins Dating-Leben zu stürzen, rieten mir andere dazu, mich einfach mal ein bisschen auszutoben, weil why not?! Und so habe ich mir dann vor ein paar Wochen wieder diese verfluchten Dating-Apps heruntergeladen.
Mein Ex-Freund hat sich im Januar per Telefon von mir getrennt (ja kein Scheiß, per Telefon!!). Während mir einige Freund:innen davon abrieten, mich direkt wieder ins Dating-Leben zu stürzen, rieten mir andere dazu, mich einfach mal ein bisschen auszutoben, weil why not?! Und so habe ich mir dann vor ein paar Wochen wieder diese verfluchten Dating-Apps heruntergeladen.
Direkt habe ich ein paar potenzielle Treffen ausgemacht, die natürlich so nie stattgefunden haben. Warum sollte man sich auch bei der Frau melden, mit der man sich doch eigentlich treffen wollte. Ich dachte vor ein paar Wochen, den Dating-App-Höhepunkt erreicht zu haben. Da gab es einen super sympathischen Kerl (einen Haken gibt es aber doch bekanntlich immer), mit dem ich über mehrere Wochen hinweg mal mehr und mal weniger geschrieben habe. Irgendwann hieß es dann „Lass uns doch mal am Wochenende in Rüttenscheid was zusammen trinken gehen”. Ich habe selbstverständlich zugesagt. Einen Abend vorher haben wir noch die genaue Uhrzeit ausgemacht und bis nachts geschrieben und siehe da… am nächsten Morgen überall blockiert!
Na gut, schlimmer als das kann es natürlich nicht mehr werden. Frustriert über meinen freigehaltenen Freitagabend setzte ich mich wieder an die Dating-Apps und zack, wieder ein super sympathischer Kerl mit dem ich matche. Ich erzähle ihm natürlich von meinem geplatzten Date. Er konnte kaum fassen, wie respektlos das doch sei. Warum macht man sich denn den ganzen Stress des Planens , wenn man sich dann doch nicht treffen möchte. Seine Worte. Merkt sie euch gut!
Die Unterhaltungen beim Schreiben waren super entspannt, wir hatten viel zu quatschen und schnell stand das erste Treffen im Raum. Leider konnte ich nicht direkt, weil es für mich in den Urlaub ging. Für ihn aber kein Problem. Wie ein tapferer Soldat schrieb er weiter mit mir, fragte mich immer wieder, wie denn mein Urlaub lief und wünschte mir jeden Morgen einen guten Morgen und jeden Abend eine gute Nacht.
Nach dem Urlaub war es dann also so weit: Lass uns das Treffen nachholen! Angedacht war ein Mittwoch. Shit! Da hatte ich bis 18 Uhr Uni und bin danach wahrscheinlich völlig müde. Egal, jetzt möchte ich dem Ganzen eine Chance geben – ihm eine Chance geben – und ihn treffen. Den Abend vorher machte er noch einen Vorschlag für eine Location und bot mir an, mich von der Uni abzuholen (Steigt niemals beim ersten Treffen in das Auto eines Fremden!!).
Als der Date-Tag gekommen war, schleppte und hetzte ich mich nach meinem letzten Seminar zur Bushaltestelle, im Versuch pünktlich zu der Verabredung mit dem Kerl zu kommen, der mir heute den ganzen Tag schon fleißig schrieb. Leider wurde das letzte Seminar ein paar Minuten überzogen. Damit er sich nicht wundert, schrieb ich ihm, dass ich wohlmöglich fünf Minuten später am Treffpunkt sein würde und setzte mich in den Bus. Wir fuhren und fuhren und es kam keine Antwort. Erstmal nichts Außergewöhnliches, denn er ist bestimmt vorbildlich und geht am Steuer nicht ans Handy (voll die Green Flag!). Kurz vor meinem Ziel dann doch eine neue Nachricht von ihm und schnell klickte ich natürlich drauf.
Der erste Satz und ich war schon bereit mein Handy aus dem Busfenster zu schmeißen. „Ey, es tut mir so leid…”. Natürlich wusste ich sofort, ich habe mich heute komplett umsonst gestresst und las weiter. Irgendwas von wegen, er könne sich nicht mit mir treffen, und er habe die Tage jemanden kennengelernt und er hasse sich selbst so dafür, dass er mir das nicht schon früher gesagt hat. Bla bla bla. All das Geschwafel löste bei mir bloß Wut und Verwirrung aus. Warum dann das Ganze planen des Dates am Abend vorher und der ganze Kontakt den Tag über? Natürlich erhielt ich nie eine Antwort auf meine Fragen und er machte mit mir genau dasselbe, was an dem Abend unseres Matches bereits ein anderer super sympathischer Kerl mit mir gemacht hat. Wie respektlos…seine Worte!
Aber ratet mal, wer das Match mit mir noch immer nicht aufgelöst hat und immer noch fleißig auf der App unterwegs ist?
War es also zu früh, wieder zu daten? Vielleicht. Vielleicht aber auch genau richtig, um zu merken, was ich (nicht) will und worauf ich in Zukunft gerne verzichten kann. Denn auch wenn ich meinem Ex-Freund nicht allzu lange hinterher getrauert habe, heißt das offenbar nicht, dass mich solche Dating-Situationen komplett kalt lassen. Im Gegenteil. Dieses ständige Planen und Hoffen, nur um dann doch wieder enttäuscht zu werden, macht mehr mit mir, als ich gedacht hätte.
Und gleichzeitig merke ich auch, dass mich solche Situationen von Mal zu Mal weniger treffen. Ich gehe immer mehr davon aus, dass es doch nicht zustande kommen wird und es nicht funktionieren wird, ich halte meine Hoffnungen und Erwartungen bewusst niedriger. Eigentlich ist das doch total traurig, denn nur weil man sich daran gewöhnt hat, heißt das doch nicht, dass es plötzlich in Ordnung ist, so behandelt zu werden.
Vielleicht liegt das Problem aber auch gar nicht bei mir, sondern an einer Dating Kultur, in der Verbindlichkeit immer mehr nur zu nur einer Option geworden ist und in der ein „Ich melde mich oft” oftmals nicht viel zu bedeuten hat.
Die Dating-Apps werde ich wohl so schnell erstmal nicht los. Das lässt der minimale Funke an Hoffnung in mir leider noch nicht zu. Aber eins steht fest: Beim nächsten Mal plane ich parallel lieber schon einmal einen Ersatzplan. Nur für den Fall, dass aus dem nächsten „Lass uns unbedingt treffen” nun schließlich doch wieder nichts wird. Sicher ist sicher.
