Am 1. Mai wollen bis zu 500 Neonazis durch die Essener Innenstadt marschieren. Breiter Gegenprotest formiert sich und auch der AStA der UDE ruft zur Teilnahme auf. Was ihr wissen müsst.
Organisator des Nazi-Aufmarschs ist die NPD-Nachfolgepartei „Die Heimat”, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird und als rechtsextrem eingestuft ist. Seit 2012 hat die Partei ihre NRW-Landeszentrale in Essen-Kray und baut diese als neuen strategischen Schwerpunkt aus, vielleicht als Pendant zum sogenannten „Nazi-Kiez” in Dortmund , das zuletzt aber an Bedeutung verloren hatte.
Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit und damit zentraler Aktionstag für Gewerkschaftsbewegungen weltweit. Er steht für Solidarität, soziale Kämpfe und bessere Arbeitsbedingungen. Dass ausgerechnet an diesem Tag Neonazis durch Essen marschieren und damit den Tag für rechtsextreme Zwecke kapern wollen, macht den Gegenprotest vieler zur Selbstverständlichkeit. Das Bündnis „Essen stellt sich quer” (ESSQ) mobilisiert unter dem Motto „1. Mai – nazifrei! Solidarität statt Hetze”. Auch der AStA der UDE beteiligt sich an den Protesten. Und auch das antifaschistische Bündnis „widersetzen”, ruft mit über 60 Ortsgruppen zur Teilnahme auf.
Die genaue Route des geplanten Nazi-Aufmarsches ist bisher noch offen. Die Polizei Essen hält diese bisher noch unter Verschluss. Während alle anderen der 25 angemeldeten Versammlungen öffentlich bekannt sind, bleibt ausgerechnet die Route der Neonazis geheim. „Hier wird ganz offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen”, stellt ESSQ-Sprecher Christian Baumann fest.
Warum das auch Studierende etwas angeht
Wir haben Baumann gefragt, warum der 1. Mai und der Protest gegen den Naziaufmarsch auch für Studierende relevant ist. Baumann weist auf die Errungenschaften der Gewerkschaften und Arbeiter:innen hin: Die 5-Tage-Woche, der 8-Stunden Tag, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Und all diese Errungenschaften sehen sich im Moment Angriffen ausgesetzt. „Die Wochenarbeitszeit soll steigen, der erste Krankheitstag soll unbezahlt sein und das Renteneintrittsalter immer weiter steigen. Von all dem sind natürlich auch Studierende direkt betroffen”, so Baumann.
Dass ausgerechnet an diesem Tag Neonazis Aufmarsch proben, macht die Sache für Baumann nur noch dringlicher. 1933 machte die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten den Weg frei für den NS-Staat. Heute, so Baumann, versuchten die Nazis es mit anderen Mitteln. Es wird gezielt ein jüngeres Publikum angesprochen und so versucht, nationalsozialistisches Gedankengut wieder salonfähig zu machen. Baumanns Appell an alle Studierenden lautet also: „Wenn ausgerechnet an diesem Tag gewaltbereite Rassist:innen, Antisemit:innen, Holocaustleugner:innen, völkische Nationalist:innen, Sozialdarwinist:innen, Militarist:innen, Intellektuellenfeinde, also kurzum Faschisten, durch unsere Stadt ziehen, ist es besonders wünschenswert, dass sich auch Studierende mit am Gegenprotest beteiligen.”
Auch AStA-Vorsitzende Berfîn Celiç sieht die UDE-Studis in der Pflicht: „Wir wollen zeigen, dass Studierende nicht neutral bleiben, wenn Grundwerte infrage gestellt werden. Als Studierendenvertretung stehen wir für eine offene Hochschule und eine demokratische Gesellschaft.”
Noch nie bei einer Demo gewesen? Kein Problem!
Wer noch nie bei einer Demo war, muss das nicht als Hindernis sehen. „Ihr müsst keine Vorerfahrung haben, um dabei zu sein. Der 1. Mai ist eine Gelegenheit, gemeinsam Haltung zu zeigen, auch wenn ihr euch bisher noch nicht politisch engagiert habt”. Der AStA der UDE organisiert auch konkrete Unterstützungsangebote. So sind Treffpunkte zur gemeinsamen Anreise und abgestimmte Gruppen für eine sichere Teilnahme geplant. Auf einem gemeinsamen Demotraining mit dem Bündnis „widersetzen” soll über Abläufe, rechtliche Hinweise und Verhaltensweisen informiert werden, so Berfîn. Baumann ergänzt: „Unsere Versammlungen sind sicher, weil wir aufeinander achten, weil wir Solidarität leben und weil wir uns weder beeindrucken noch einschüchtern lassen“.
Demo-Basics für Demo-Erstis
- Kommt nicht allein. Verabredet euch vorher mit euren Kommilition:innen und Freund:innen oder schließt euch der AStA-Gruppe an.
- Praktische Kleidung, wie feste Schuhe und wetterfeste Kleidung sind ein Muss.
- Packt nur das Nötigste ein: Wasser, Snacks, Ausweis und aufgeladenes Handy.
- Fotografiert keine anderen Teilnehmer:innen ohne deren Einverständnis.
- Bleibt ruhig bei Kontakt mit der Polizei. Merkt euch Namen und Dienstnummern, wenn etwas Problematisches passiert.
- Nicht alleine nach Hause gehen.
