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Sommer, Sonne, Surfer-Boy: Au revoir, Verstand

12. März 2026

Eine Kolumne von anonym

Ein Sommer auf einer kleinen französischen Insel – die Definition von Freiheit. Ich war mit meiner damaligen besten Freundin unterwegs. Wir kosteten unser Post-Abi-High voll und ganz aus. Der Plan war: Sonne, Meer, Berge – und natürlich Urlaubsflirts. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht ahnte: dieser eine Franzose wird mir das Herz brechen. 

Zwei Wochen nach unserer Ankunft fand ich einen cuten Surfer-Sunny-Boy auf Tinder. Ein Match! Ich fand sein Profil lustig und sympathisch. Er war mit seinem besten Freund unterwegs und am selben Tag noch trafen wir uns zu viert. Wir saßen bei Sonnenuntergang an einem Strand, schwammen und redeten bis in den späten Abend. Ich entwickelte Interesse. Er war diese perfekte Mischung aus smart, aufmerksam, charmant und extrovertiert und dieser gewissen Nuance Arroganz. Die erste Red Flag, die ich total ignorierte. Wir verabschiedeten uns mit den Worten, vielleicht sehe man sich ja nochmal woanders auf der Insel wieder. 

Ganz so unverbindlich sind wir es dann doch nicht angegangen. Wir schrieben – nicht gerade wenig – und zwei Tage später bot er an, uns mit dem Auto Richtung Norden zu fahren. Auf dem Weg machten wir einen Halt an einem Fluss, wo wir uns das erste Mal küssten. Diese Spannung in den Minuten davor und dieses High, begehrt zu werden, war unglaublich. Er und sein Kumpel brachten uns zu unserem gebuchten Campingplatz, von wo aus meine Freundin und ich am nächsten Morgen eine Mehrtageswanderung starten wollten. Wieder verabschiedeten wir uns. Eine Stunde später sahen wir die beiden jedoch an unserem Campingplatz einchecken. „Wir haben keinen anderen Campingplatz gefunden.“ Natürlich wusste ich, dass das nicht der einzige Grund war. 

Wenige Stunden später, meine Freundin und ich lagen schon im Zelt, kam eine Nachricht: “Hey erm, I’m gonna take a shower! Maybe you wanna join I don’t know? 🙂 It’s totally okay if you prefer not to!!” Ich las die Nachricht und war sprachlos. Ich wollte. Sehr. Jedoch musste ich eigentlich in sechs Stunden wieder aufstehen und dann acht Stunden lang wandern. Meine Freundin bestärkte mich: „Wirst du es denn morgen bereuen, nicht hingegangen zu sein?“ 

Er: “Anyway, I’m in the last one, just enter it’s open :)” und “(if you want to ****)”. Ich fand ihn genau dort und es war – OMG. Es war aufregend, intensiv und vor allem: HOT! Danach unser mittlerweile übliches Prozedere: Wir verabschiedeten uns.

Während der Wanderung fiel mir auf, dass ich meine Musikbox auf dem Campingplatz vergessen hatte. Er nahm sie für mich mit und meinte, wir müssten uns in dem Fall unbedingt nochmal sehen und ich sollte doch zu ihm in die Bretagne kommen. Nur wenn er mir das Surfen beibringt, schrieb ich. Zwei Monate ging er mir nicht aus dem Kopf. Wir schrieben fast jeden Tag und meine Gefühle wurden stärker. „I MISS YOU“, schrieb er nicht nur einmal. 

Im Herbst also besuchte ich ihn, lernte seine Familie, Freunde und sein Leben kennen. Er küsste mich sogar vor seiner Mutter (wenn das nicht Commitment ist, dann weiß ich auch nicht!). Ich verliebte mich. Doch als ich ihm meine Gefühle nach einem ausgiebigen Bar-Abend gestand, erwiderte er sie nicht. Ja, hier Dings, äh, wegen der Distanz ginge das doch eh nicht. Dennoch blieb ich. Wir schliefen weiter miteinander. Ich hoffte, er würde irgendwann verstehen, dass wir perfekt zueinander passen. So sah ich es zumindest. Doch nach jedem Mal drehte er sich weg und ich starrte auf meiner Betthälfte ins Dunkle. 

Nach meiner Abreise war ich monatelang unglaublich verletzt. Trotz allem hielten wir Kontakt. Als ich dachte, ich wäre über die ganze Geschichte hinweg, lud ich ihn nach Deutschland ein. Das war ein halbes Jahr nachdem ich ihn in Frankreich besucht hatte. Ich dachte, es wäre doch cool so, alles casual und wir haben einfach Spaß. Doch ein kleiner Funke Hoffnung blieb. Irgendwann würde er es doch bestimmt realisieren.

Kurz nach seiner Abreise ghostete er mich. Ein halbes Jahr später reagierte er, als wäre nichts gewesen, auf meine Insta-Story. Wir schrieben, bis er mich wieder ghostete. Das wiederholte er noch zweimal. Immer antworte ich, immer brach er die Konversation ab. Vielleicht hätte ich nach seiner Abfuhr gehen sollen. Vielleicht war die Einladung nach Deutschland ein Akt der Verzweiflung. Vielleicht hätte ich auf seine letzten Nachrichten nicht antworten sollen. Vielleicht ist trotz allem der französische Akzent bis heute mein liebster.