Schon seit 1912 ziert die Schauburg die Dortmunder Brückstraße. [Foto: Nikita Verbitskiy]
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Heute mal kein Netflix – 8 tolle Programmkinos im Ruhrgebiet

11. März 2026

Streaming ist bequem, klar. Aber mal ehrlich: Einen Film auf dem Laptop zu schauen ist keine Experience. Zum Glück hat das Ruhrgebiet eine Kinolandschaft, die weit über die üblichen Multiplex-Ketten hinausgeht. Zwischen Dortmund, Essen, Bochum, Duisburg und Oberhausen verstecken sich echte Perlen – Orte mit Geschichte, Charakter und einem Programm, das mehr bietet als den neuesten Marvel-Film.

Lichtburg Essen

Die Lichtburg ist ein echter Rohdiamant inmitten der Ruhrpott-Kohle. Das denkmalgeschützte Kino ist so schön, dass es nur die wenigsten Filme überhaupt mit dem Saal aufnehmen können. Der Saal ist nicht nur schön, sondern auch riesig: Mit 1250 Sitzplätzen ist die Lichtburg der größte Kinosaal Deutschlands. Seit 1928 thront sie in der Essener Innenstadt, wurde 2003 aufwändig renoviert und hat dabei ihren historischen Charme behalten. Hier findet ihr die klassischen roten Samtsitze, goldene Dekoration, prachtvolle Beleuchtung und dazu noch eine 150 Quadratmeter große Leinwand. Daher ist sie auch ein Favorit für Premieren. Hier habt ihr also die Chance, einige davon zu erhaschen und vielleicht auch mal einen Blick auf einen roten Teppich zu werfen.

Eulenspiegel Essen

Neben der Lichtburg darf in Essen nicht das kleine, aber feine Eulenspiegel vergessen werden. 1955 eröffnet, steht mittlerweile nicht nur das Gebäude, sondern auch die liebevoll gepflegte 50er-Jahre-Einrichtung unter Denkmalschutz. Die perfekte Mischung aus klassisch und modern: Hier könnt ihr modernste 4K-Projektionen oder auch die wunderschöne Körnung von 35 oder 70mm Film auf der 100 Quadratmeter großen Leinwand bestaunen. Mit 288 Plätzen und ordentlich Beinfreiheit sitzt ihr bequemer als in so manchem Multiplex. Vorgestellt werden sowohl aktuelle Highlights als auch Klassiker bis hin zu Stummfilmen mit Live-Musik, da ist also für jede:n was dabei.

filmforum Duisburg

Das Duisburger filmforum bietet euch nicht nur einen wunderschönen Kinosaal und spannende Programme, sondern auch einen Blick auf 100 Jahre deutsche Kinogeschichte. Im Archiv des filmforums findet ihr zu rund 11.000 Titeln historische Plakate, Fotos, Programmhefte und viel mehr. Außerdem ist es Veranstaltungsort der Duisburger Filmwoche und des Stadtwerke-Sommerkinos im Landschaftspark Duisburg-Nord – ein Open-Air-Kino vor Industriekulisse, falls euch der Saal im Sommer mal zu stickig sein sollte.

Schauburg Dortmund

Die Schauburg ist das älteste Kino im Ruhrgebiet. Bereits 1912 nahm es den Betrieb auf – damals noch als „Corso-Lichtspiele“ in der Brückstraße, zu einer Zeit, als bewegte Bilder noch von fahrenden Schausteller:innen gezeigt wurden. 1921 bekam das Haus den heutigen Namen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude bei einem Luftangriff komplett zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Seitdem hat die Schauburg allen Krisen getrotzt – auch dem Multiplex-Boom der 90er, der fast alle anderen Innenstadtkinos in Dortmund verdrängt hat. Mit charmanten Vintage-Vibes, einer Mischung aus Blockbustern, Indieperlen, Klassikern und einem tollen Flohmarkt für Filmplakate bietet die Schauburg alles für das cinephile Herz. Die zwei Säle beherbergen zusammen 260 Plätze und das Foyer, mit seinen warmen Rot- und Goldtönen, versetzt euch direkt in die goldene Ära der Kinos zurück.

Roxy Lichtspielhaus Dortmund

Auch das Roxy kann in Dortmund auf eine lange Geschichte zurückblicken. Seit 1932 erfreut das kleine Kino in der Münsterstraße der Nordstadt Filmfans aus nah und fern. Auch hier hat der Krieg Spuren hinterlassen: 1943 wurde das Gebäude zerstört und 1950 wiedereröffnet. Ein entscheidender Wendepunkt kam 1979, als drei Programmkino-Pioniere das Haus übernahmen und es zu Dortmunds erstem Arthouse-Kino machten. Seitdem steht das Roxy für sorgfältig kuratiertes Filmkunstprogramm – weit weg vom Mainstream, nah dran an dem, was Kino im besten Sinne sein kann.

sweetSixteen Kino Dortmund

Das sweetSixteen ist zwar das jüngste der Dortmunder Kinos, der Name bezieht sich aber auf etwas anderes: Ursprünglich wurden hier ausschließlich 16mm-Filme gezeigt, und auch heute gibt es noch regelmäßige sweetSixteen-Abende im analogen Originalformat. Gegründet von einer unabhängigen Gruppe an Filmfans, die ihre Leidenschaft in das Programm und die Arbeit drum herum stecken, hat der Verein 2009 in der ehemaligen Holzwerkstatt des Kulturorts Depot eine dauerhafte Heimat gefunden. Hier findet ihr viele Vorstellungen im Original, spannende Besprechungen und Diskussionen und könnt das ganze auch noch mit dem einzigartigen Flair des Depots verbinden. Kino in einer stillgelegten Straßenbahnwerkstatt – das gibt’s sonst nirgends.

Casablanca Kino Bochum

Mitten im regen Treiben des Bermuda3ecks könnt ihr mal eine kurze Auszeit nehmen und euch das facettenreiche Programm des Casablanca Kinos anschauen. Das Haus entstand im Kinoboom der 50er Jahre – damals noch unter dem Namen „Intimes”. Als es 2001 kurz vor dem Aus stand, wurde es übernommen, bekam seinen heutigen Namen und eine neue Ausrichtung als Filmkunsttheater. Inzwischen gibt es drei Säle und ein Programm, das von Arthouse über Familienfilm bis zur Sneak Preview reicht. Und wenn euch das doch zu ruhig sein sollte, könnt ihr an der im Kino vorhandenen Casablanca Bar direkt mit dem regen Treiben weitermachen.

Lichtburg Filmpalast Oberhausen

Der seit 1931 bestehende Lichtburg-Filmpalast kombiniert bodenständige Ruhrgebiets-Kultur mit anspruchsvollem Kinoprogramm. Von Mainstream über Arthouse bis hin zu festen Festivalreihen wie den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen oder Kinderfilmtagen im Ruhrgebiet. Erstere zählen schon zu den am längsten laufenden Filmfestivals im Pott, seit über 70 Jahren kehren sie regelmäßig in den Filmpalast ein. Einen frischen Wind bringen hingegen die Visuellen Frauenfilmtage, die das jüngste Frauenfilmfest NRWs sind. Hier kommen die Ruhrpott-Filmfans zusammen, ob jung oder alt!