Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Januar 2026 zu sehen. [Foto: Anna Olivia Böke]
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NEXT LEVEL: Die Game-Ausstellung im Künstlerhaus Dortmund

10. Januar 2026

Immersiv, ästhetisch, gesellschaftskritisch – all das und mehr ist die aktuelle Ausstellung NEXT LEVEL im Künstlerhaus Dortmund. Ob sich mit Bankautomaten prügeln, seinen düstersten Dämonen in interaktiver Poesie begegnen oder mit VR-Brille auf dem Kopf auf einem weit entfernten Planeten kleine bunte Aliens abschießen, die Ausstellung wird ihrem Namen mehr als gerecht. Wir haben hier einen ersten Eindruck für euch eingefangen und in einer Fotoserie festgehalten.

Schon der Weg hinein fühlt sich ein bisschen wie der Anfang eines Spiels an. Draußen ist es, passend zur Jahreszeit, bereits um 16 Uhr stockdunkel, wenn man vor dem Künstlerhaus steht. Aus dem Inneren leuchtet ein mystisch knall-lila erleuchteter Flur nach draußen. Man klingelt, wartet kurz, wird hereingelassen, was direkt ein besonderes, fast schon privates Gefühl erzeugt und gut auf das einstimmt, was einen drinnen erwartet.

Direkt am Eingang trifft man auf Quantum Jungle von Robin Baumgarten. Das interaktive Werk macht sofort Spaß und spricht ganz klar das innere Kind an: bunt leuchtende Spiralen laden dazu ein, sie anzufassen und auszuprobieren. Durch die eigenen Berührungen wird das Kunstwerk beeinflusst und erzeugt neue Formen und Farben, sodass man schnell merkt, hier guckt man nicht nur, sondern wird Teil des Ganzen. Ein sehr zugänglicher Einstieg, der Lust macht, weiterzugehen.

Spielerische Konsumkritik 

Im selben Raum befinden sich Token Eater und Wasted von Alona Rodeh. Besonders das Videospiel Wasted bleibt im Kopf: Bankautomaten bewegen sich auf einer Plattform im Meer wie Autoscooter, krachen ineinander und explodieren. Die eigene Handlung ist bewusst eingeschränkt: man kann sich nur vor- und zurückbewegen und versuchen, nicht selbst zerstört zu werden. Parallel wird angezeigt, wie viel Geld dabei „verschwendet“ wird. Spielerisch und gleichzeitig ziemlich deutlich in seiner Kritik an kapitalistischen Systemen. Ergänzt wird der Raum durch The Core von Dorijan Šiško sowie The Siren, die zum Zeitpunkt des Besuchs leider nicht funktionierten, aber visuell neugierig machten.

Ein ganzer Raum ist The Living Necrologue von Omsk Social Club gewidmet. Ästhetische Spielfelder und Tarot-ähnliche Karten und Objekte, zu denen man über Kopfhörer eigene Klangwelten hört, schaffen eine sehr dichte Atmosphäre. Das Werk ist nicht ganz leicht zugänglich – allein das Lesen der Anleitungen und die vielen Soundebenen können überfordern. Trotzdem überzeugt es vor allem ästhetisch und konzeptionell und lädt dazu ein, sich Zeit zu nehmen und genauer hinzuschauen.

Entertainment trifft auf Poesie 

Mein persönliches Highlight ist Blue Suburbia, interaktive Poesie und Literatur, die mich komplett überrascht hat. In traumartigen Landschaften begegnet man den eigenen Dämonen und bewegt sich, begleitet von verspielter, manchmal unheimlicher Musik, zwischen der Schönheit und dem Horror des Lebens. Das Spiel hat mich emotional mehr gepackt, als ich erwartet hätte. Besonders spannend ist das Format, denn Literatur wird so spielbar und erlebbar gemacht. Gleichzeitig kann man Blue Suburbia auch zu Hause weiter erkunden und herunterladen. Ein Ansatz, den man so nicht oft sieht und der definitiv hängen bleibt.

Zum Abschluss geht es mit VR-Brille in das Spiel Kathex von Sine Özbilge. Inspiriert von philosophischen Überlegungen zum Universum als eine Art „absolutes Selbst”, zieht einen das Spiel komplett aus dem Ausstellungsraum heraus. Die Ausstellungswände werden zerschossen, ein fremder Planete taucht auf und man schießt spielerisch kleine Alienwesen ab. Eine Erfahrung, die für einen Moment alles um einen herum vergessen lässt und einfach richtig Spaß macht.

Die Ausstellung hat meine Erwartungen deutlich übertroffen. Sie ist spannend anzuschauen, lädt zum Mitmachen ein und regt trotzdem zum Nachdenken an – genau so, wie eine gute Ausstellung sein sollte. Bislang ist es die beste, die ich im Künstlerhaus gesehen habe und deshalb eine klare Empfehlung für den kostenfreien Besuch.

Geöffnet ist die Ausstellung immer von Donnerstag bis Sonntag zwischen 16 und 19 Uhr im Künstlerhaus Dortmund.