“My Body, my Rules”: Der Slogan für Personen mit Uterus, die selbstbestimmt über eine Schwangerschaft entscheiden wollen. [Bild: Canva]
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Meine erste Schwangerschaft und wie ich sie beendete

30. September 2025

Es ist für Frauen – im Gegensatz zu Männern – nichts Neues, dass ihre Körper sowie ihre über ihn getroffenen Entscheidungen immer wieder zur Grundlage gesellschaftlicher Diskussionen werden. Menschen, die nie mit Schwangerschaftsabbrüchen konfrontiert wurden, es hoffentlich nie werden, und dennoch die moralische Deutungshoheit beanspruchen, fällen in den Medien Urteile.

Um es kurz vorwegzunehmen: Eine Abtreibung ist nichts Erfreuliches. Aber ich bin dankbar, dass ich in einem Land lebe, in dem ich meine ungewollte Schwangerschaft straffrei abbrechen konnte. Denn auch in Deutschland ist dies nach wie vor nicht legal.

Diese Erfahrung wünsche ich niemandem. Vielleicht ist es mir deshalb ein Anliegen, meine Erfahrungen zu teilen. Egal welche Form der Verhütung ihr nutzt, das Restrisiko, schwanger zu werden, besteht immer. Wie auch bei mir: Einmal nicht einhundertprozentig aufzupassen reichte aus. Obwohl ich in dem Moment in dem festen Glauben war, dass mir das nicht passieren würde, hatte ich sofort ein schlechtes Gefühl.

Während meine einsetzende Blutung gegen die Vorahnung sprach, räumte der Schwangerschaftstest alle Zweifel aus.  Der Schock kam, die Überraschung blieb aus. Mein Kopf schaltete direkt auf Durchzug; ich konnte die Situation noch nicht realisieren. Mein erster Schritt: Meiner besten Freundin ein Bild schicken – vielleicht um mich selbst davon zu überzeugen, dass ich aus diesem Albtraum nicht aufwachen würde, aber auf jeden Fall, um das, was dann folgte, nicht alleine durchzustehen.

Ich informierte mich im Internet über meine Möglichkeiten. Es gibt medikamentöse oder chirurgische Abtreibungen. Da mir klar war, dass ich die Angelegenheit so unauffällig wie möglich lösen wollte, entschied ich mich für eine medikamentöse Abtreibung. Ich vereinbarte direkt den nächstmöglichen Termin bei einem Arzt in meiner Nähe, um meine Schwangerschaft ärztlich bestätigen zu lassen. Dort erfuhr ich dann, was ich längst wusste, und wurde auf die rechtlichen Auflagen eines Schwangerschaftsabbruchs hingewiesen. Zwischen der verpflichtenden Beratung bei profamilia oder einer ähnlichen Einrichtung und der Abtreibung müssen mindestens drei Tage liegen. Also ging ich direkt von der Praxis zur Beratungsstelle.

Ich bin dankbar dafür, dass weder der Arzt noch die Beraterin versuchten, mir meinen Wunsch auszureden. Beide erkannten, dass ich mir meiner Entscheidung sicher war. Und trotzdem musste ich warten. Die drei Tage kamen mir qualvoll lang vor. Die Wartezeit war ein groteskes Wechselspiel aus Zukunftsgedanken, Verdrängung und Social-Media-Werbung für Pränatal-Vitamine. An meinem Entschluss änderte sich aber nichts.

Mein Körper im Ausnahmezustand

Die Abtreibung an sich war so simpel wie schmerzhaft. Die erste Tablette, welche den Erhalt der Schwangerschaft unterbindet, musste ich in der Praxis einnehmen, die zweite 48 Stunden später zu Hause. Sie bewirkt, dass der Uterus, ähnlich einer Menstruation, die aufgebaute Schleimhaut und in diesem Fall eben auch die befruchtete, nun abgestorbene, Eizelle abstößt. Ich kann nicht in Worte fassen, wie dankbar ich meiner Freundin bin, dass sie mir in diesem Moment zur Seite stand und all meinen anderen Freund:innen, dass sie mir den Rücken gestärkt haben. Niemand sollte in so einer nicht nur körperlich, sondern auch mental schmerzhaften Situation allein sein.

Fast noch schlimmer als die Abtreibung selbst war für mich allerdings die erste Blutung danach. Sie hätte zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können und ließ bei mir alle Dämme brechen. Während ich mir vorher eingeredet hatte, dass alles bereits hinter mir wäre, wurde mir dann klar, dass der emotionale Verarbeitungsprozess gerade erst begonnen hatte. Erst jetzt wurde ich mir der Endgültigkeit der Situation schmerzlich bewusst.

Auch nach einem Jahr bin ich mir noch immer sicher, das Richtige für mich und mein Leben getan zu haben. Diese Entscheidung kann einem niemand abnehmen. Dass ich dazu stehe, bedeutet nicht, dass ich nicht auch Zweifel hatte. Mein Entschluss fiel mir nicht leicht und wird mich für immer begleiten, aber Unsicherheit besteht für mich keine. Ich kann nur hoffen, dass in Zukunft alle Frauen in dieser misslichen Lage so positive Erfahrungen machen können wie ich: Über ihren Körper und über ihr Leben selbstständig und nicht von strafrechtlicher Verfolgung bedroht entscheiden zu können.