Mehr Femizide und Hassverbrechen an Frauen: Laut Bundeslagebild 2023 des Bundeskriminalamtes (BKA) steigen geschlechtsspezifische Straftaten flächendeckend an. Am 08. März werden die Betroffenen und ihre Unterstützer:innen wieder laut. Der internationale feministische Kampftag 2025 steht bevor.
Formerly known as Welt-Frauen-Tag hat der Jahrestag für viele weiblich gelesene Personen eine aktivistische Motivation, die weit über die Zelebrierung des weiblichen Geschlechts hinausgeht, sondern auf bestehende soziale Ungleichheiten, sexistische Gesellschaftsstrukturen und Gewalt an Frauen* aufmerksam machen will. So auch Furore Bochum, ein aktivistisches Kollektiv aus dem Ruhrgebiet, das jährlich die feministischen Aktionswochen im März plant. Unter dem Motto „Jetzt erst recht! Für das gute Leben für alle!” werden Events über den ganzen Monat verteilt stattfinden. Darunter sind Vorträge, Screenings, Ausstellungen, Workshops und – nicht zu vergessen – natürlich Demonstrationen.
7 Jahre Feminismus auf der Straße
Das feministische Kollektiv Furore organisiert die feministischen Aktionswochen bereits seit 2018. Und das nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen Bochumer Gruppierungen, Vereinen und Initiativen kann auch 2025 wieder ein vielfältiges Programm stattfinden. Unter den Mitorganisator:innen sind zum Beispiel die Oval Office Bar, universitäre Gruppen und die Seebrücke Bochum. Die Idee ist klar: „Mit den feministischen Aktionswochen sollen jedes Jahr aufs Neue feministische Themen raus aus der Nische und rein in die breite Gesellschaft getragen werden”, so das Kollektiv. Sie sehen Feminismus in direktem Zusammenhang mit gesellschaftlichen Problemen wie Rassismus, Queerfeindlichkeit, dem Klimawandel und dem allgemein zu beobachtenden Rechtsruck. Um gemeinsam für das gute Leben für alle zu protestieren, rufen sie also auf die Straßen. Am 07. März bietet die Vorabenddemo die erste Möglichkeit am Bochumer Hauptbahnhof laut zu werden. Der Treffpunkt dort ist um 19 Uhr der Kurt-Schumacher-Platz. Der Protest zum internationalen feministischen Kampftag, am Tag darauf, beginnt um 16 Uhr am Dortmunder U.
Gemeinsames Ziel ist die Vernetzung unter Feminist:innen und der Aufruf: „Die gewaltvollen Verhältnisse sind heute omnipräsent. Mehr denn je müssen wir zusammenhalten. Wir sind viele!“
Gewalt gegen Frauen*
Zu sexualisierter Gewalt gibt es im Rahmen der feministischen Aktionswochen am 13. März eine Lesung von Nora Kellner in der Zanke. Die Autorin und Sozialwissenschaftlerin arbeitet in ihrem Buch „Opfermacht” eigene Erfahrungen und gesellschaftliche Dynamiken, die zu sexualisierter Gewalt gegen FLINTA* führen, auf.
Wie wichtig das Wissen und der Zusammenschluss gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung und Gewalt ist, macht ein erstmal erschienenes Bundeslagebild des BKA für das Jahr 2023 klar. Die gesammelten Daten legen den steigenden „Trend” zu Straftaten gegen Frauen dar. Besonders erschütternd ist hierbei der Anstieg von Hasskriminalität gegenüber Frauen um über 56 Prozent zum Vorjahr 2022. Die Tatmotivation für solche Verbrechen stammt laut BKA aus Vorurteilen gegen Frauen oder das weibliche Geschlecht.

360 Tötungen von Frauen in Deutschland in 2023. Somit starb fast täglich eine Frau. Dabei waren die Straftäter in mindestens 95 Prozent der Fälle Männer. Oft handelt es sich dabei um (Ex-)Partner. Dabei wird oft flächendeckend der Begriff Femizid verwendet. Dabei fehlt in Deutschland eine einheitliche Definition des Begriffes noch heute.
Definition: Femizid & Feminizid
Femizid =
Der Begriff ist auf Diana Russell, eine Soziologin und feministische Autorin, zurückzuführen. Ihre Definition von Femizid ist die Tötung von Frauen durch Männer, weil sie Frauen sind. Intim-Femizide werden die Fälle genannt, bei denen eine engere Beziehung oder Partnerschaft zum Täter bestand.
Feminizid =
Ein Begriff, der die Rolle des Staates bei Gewalttaten gegen Frauen unterstreicht. Das Wort stammt von lateinamerikanischen Feminist:innen und diente dazu, fehlendes Handeln und Maßnahmen der Länder gegen solche Gewalt an den Pranger zu stellen.
Mehr Informationen und Hintergründe bietet das Goethe Institut.
Der Instagram Account Femizide Stoppen! zählt die Femizide in Deutschland, „um auf das strukturelle Problem aufmerksam zu machen.” Der letzte Fall in NRW war ein Ex-Lebensgefährte in Dortmund, der seine ehemalige Partnerin mit einem Messer tötete.
Da der Bundeslageplan zu Straftaten an Frauen der erste dieser Art ist und der Gewaltbereitschaft von größtenteils Männern gegen Frauen erstmals gesammelt Daten zugrunde legt, reagiert auch die Politik Ende Januar 2025. Die Verabschiedung des Gewalthilfegesetzes im Bundestag war ein guter Schritt in die richtige Richtung. Jedoch darf die Politik es dabei nicht belassen und sollte die Stimmen auf den Straßen am 08. März ernst nehmen und dementsprechend agieren.
