Artikel: Nikita Verbitskiy | Die örtlichen Studierenden üben am Campus die menschlichen Pyramiden, ein Teil der katalanischen Feiertage. [Foto: Nikita Verbitskiy]
Das Auslandssemester: Versprechen von Partys und unvergesslichen Erlebnissen abseits des monotonen Hochschulalltags, den wir lernten zu lieben – oder es zumindest versuchten. Unser Redakteur ist mittendrin und berichtet, was es zu beachten und zu erleben gibt.
Das Leben im Auslandssemester kann zu Beginn etwas einsam sein. Freund:innen und Familie fehlen und man ist auf sich alleine gestellt. Ein guter erster Schritt um Menschen kennen zu lernen kann der Einzug in eine WG sein. Wer die letzte Kolumne gelesen hat weiß schon, wie umkämpft der Wohnmarkt ist, daher fällt ein gründliches Mitbewohner:innen-Screening eher weg. Daher spielt ihr menschliches Lotto: Eventuell findet ihr hier eure zukünftigen Besties oder ein Mitbewohner:innen-Trauma. Im schlimmsten Fall habt ihr dann immerhin noch eine gute Party-Anekdote parat, die es euch vielleicht dort erleichtert, Leute kennenzulernen. Abgesehen von der WG-Küche habt ihr zahlreiche andere Möglichkeiten, euer Umfeld aufzubauen. Apps wie Bumble Bff, Besuche von Workshops oder Events können eine Möglichkeit sein. Sehr beliebt sind auch die vom Erasmus Student Network (ESN) organisierten Veranstaltungen. Es gibt in so gut wie jeder Universitätsstadt in Europa ein Team, das Kneipenabende, Sportveranstaltungen und Reisen plant.
Über eine einsame Zeit müsst ihr euch aber auch generell keine Sorgen machen. Die ersten Tage an einem Campus, an dem man niemanden kennt, können zwar einschüchternd wirken, aber denkt daran, dass es den anderen internationalen Studierenden genauso geht wie euch. Im Endeffekt sind 90 Prozent der anderen Studis, die einen Austausch machen, genau so erpicht darauf, Freund:innen zu finden, wie ihr auch. Insbesondere in den ersten Wochen könnt ihr also beruhigt alle möglichen Menschen ansprechen oder auch damit rechnen angesprochen zu werden und könnt euch bald vor „Where are you from“’s und „What do you study“‘s kaum noch retten. Hier entsteht schnell die eigentliche Frage: Wo gehe ich hin? Den Club? Die Bar? Oder doch morgen pünktlich in die Uni?
Verkatert im Hörsaal?
In Barcelona hat man jeden Tag der Woche eine bunte Auswahl an Veranstaltungen und auch Clubs, die alle nur so vor Erasmus-Studis triefen. Ob die Veranstaltungen alle so gut sind, sei dahingestellt, aber der freie Eintritt über die ESN-Gästeliste bringt dann doch wieder ein Pro-Argument mit sich. Besonders am Anfang hat man das Gefühl, nichts verpassen zu dürfen, aber meiner Erfahrung nach war ein Dienstagabend im Shoko oder Opium nicht das Erlebnis, wovon ich noch meinen Enkeln erzählen werde. Nehmt mit, worauf ihr Bock habt und wenn ihr gegen einen Kater im Seminar nichts einzuwenden habt, ist Barcelona der perfekte Ort für euch. Merkt euch: Es wird immer noch eine Party geben. Wenn ihr wie ich 30 ECTS aus dem Ausland mitnehmen müsst, reicht vielleicht auch das Wochenende. Hier ist zwar seltener freier Eintritt, die Partys aber dafür umso besser.
Wenn es euch so geht wie mir, habt ihr in den Monaten vor dem Trip im Kopf schon Bilder gemalt. Bilder davon, wie ihr zusammen mit den Locals die Kultur, die Sprache und die Spots, die man als Touri gar nicht finden kann, kennen lernt. Während Studis, die bereits im Ausland waren, allesamt erzählen, dass das Wunschdenken ist, habe ich mir geschworen, dass es bei mir anders sein wird. So sehr ich es euch gönnen würde, dass es bei euch klappt, so habe ich die gleiche Erfahrung wie alle anderen gemacht und einen Kreis aus Menschen um mich herum, der komplett aus Internationals besteht. So einfach es ist, andere Erasmus-Studis kennenzulernen, so schwer ist es auch bei den örtlichen Studis Einzug zu finden. Insbesondere wenn ihr die Sprache nicht gerade fließend beherrscht, ergeben sich Schwierigkeiten. Die ansässigen Studierenden haben bereits existierende Freundeskreise und ein dauerhaftes Wechseln vereinfacht nicht gerade den Sprachfluss. Da die Hürde sie anzusprechen dadurch auch höher ist, werdet ihr vermutlich auch den sicheren Weg gehen und zur Erasmus-Spaltung beitragen.
