Ein Gastbeitrag von S. Arslan
Erinnerst du dich noch an die Zeit, als du mit dem Lehramtsstudium angefangen hast? Das Chaos mit der Stundenplanerstellung, verpasste Anmeldefristen, in der Zulassungsphase leer ausgehen, kryptische Raumangaben und die Frage aller Fragen, ob du das EOP (Eignungs- und Orientierungspraktikum) im ersten oder zweiten Semester machen solltest? Um dieses ganze Drama zu umgehen, gibt es seit dem Wintersemester 2022/23 das Buddy-Programm Lehramt.
Angedockt an das Zentrum für Lehrkräftebildung (ZLB) wird das Buddy-Programm über das Projekt talents4teachers/teachers4talents (t4t) durch das Ministerium für Schule und Bildung NRW gefördert. Neben der Uni Duisburg-Essen (UDE) sind die Ruhruni Bochum und die TU Dortmund ebenfalls mit an Bord. Was diese drei Unis verbindet? Das Ruhrgebiet, der Universitätsverbund UA Ruhr und natürlich das Lehramt. Dabei ist es jeder Uni selbst überlassen, wie die Umsetzung des Buddy-Programms geschieht. Außerdem wird im Rahmen des t4t-Projekts das Lehramtsstipendium Ruhr vergeben.
An der UDE engagieren sich ungefähr 30 Buddys ehrenamtlich, also so viel wie eine große Klassenstärke, und ca. 300 Lehramt-Erstsemester melden sich jährlich für das Buddy-Programm Lehramt an. Demnach liegt der Betreuungsschlüssel durchschnittlich bei 1:10. Es kommt aber durchaus vor, dass bei einigen Schulformen und Fächern die Nachfrage etwas größer bzw. geringer ist als bei anderen und daher die Gruppengröße der „Mentees“ (Erstis, die sich für das Buddy-Programm angemeldet haben) variieren kann.
Wie werde ich Buddy? Was habe ich davon?
Alle Studierende, die Lehramt studieren und ein paar Semester hinter sich haben, können mitmachen. Dabei ist es völlig egal, welche Schulform du studierst. Mit deiner Tätigkeit als Buddy bist du Teil einer Community mit unterschiedlichsten Schulformen, Fächerkombis und Buddy-Erfahrungen. Bevor es allerdings für dich richtig losgeht, ist eine Teilnahme an einem Basisworkshop notwendig. Dort reflektierst und rekapitulierst du mit deinen zukünftigen Buddy-Kolleg:innen, die ebenfalls neu dabei sind, euer erstes, oft holpriges Semester, teilt eure Erfahrungen und sammelt nützliche Anlaufstellen und Tipps, die ihr euch als Ersti auch gerne gewünscht hättet. Darüber hinaus hast du die Möglichkeit, bei extra Workshops mitzumachen, um zusätzliche Methoden kennenzulernen, die später als Lehrkraft hilfreich sein können. Abgestimmt auf deine Schulform und deine Fächer werden dir die Mentees gegen Ende des Sommersemesters zugeteilt. Dann kannst du endlich Kontakt zu deinen Erstis aufnehmen und sie auf der Auftaktveranstaltung kurz vor der O-Woche in persona treffen. Eine Anmeldung ist ganzjährig möglich, allerdings führst du offiziell immer zum Wintersemester deine Tätigkeit als Buddy aus. Dein Engagement wird selbstverständlich mit einer Teilnahmebescheinigung gekrönt.
Was haben Lehramts-Erstis bzw. Mentees davon?
Studien zeigen, dass Studienanfänger:innen, die an Peer-Mentoring, also an Buddy-Programmen, teilnehmen, schneller im Uni-Leben Fuß fassen können, ein stärker ausgeprägtes Selbstbewusstsein aufzeigen und ihre Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit trainieren können. Die Erfahrungen unserer Erstsemester lassen diese durchaus bestätigen:
So berichtet Till-Luca, Mentee, von den wichtigsten Vorteilen, die sich den Mentees bieten:
„Ein großer Vorteil war definitiv, dass man eine:n zuverlässige:n Ansprechpartner:in hatte, da gerade alles Bürokratische an der Uni doch sehr schnell überfordernd sein kann. Auch die Study-Night* war sehr hilfreich, um gute Tipps zu bekommen, wie man effektiver lernt. Zudem sind die Kontakte, die man mit anderen Kommiliton:innen knüpft, ein großer Vorteil fürs Studium.“
(*Die Study-Night fand das erste Mal im Wintersemester 2024/25 statt und wurde von Buddys für Mentees organisiert. Mit einem Workshop wurden die Mentees rund um das Thema Lernen und Zeitmanagement informiert.)
Auch Emma, die beim ersten Durchlauf als Mentee mitgemacht hat und jetzt selbst Buddy ist, sieht das Programm als große Unterstützung und einen „Bonus“:
„Ich glaube aber, das Wichtigste für mich war der Gedanke: Du bist nicht allein. Jemand ist bei dir, der das alles schon selbst durchlaufen hat, der weiß, wie man studiert. Das allein hatte eine unglaublich große Last von meinen Schultern genommen. Wenn ich Fragen oder Sorgen hatte, konnte ich mich an jemanden wenden. Es war ein angenehmer Start ins Studium. Ich würde mal sagen, dadurch war ich zu Beginn des Studiums deutlich besser informiert als meine Kommiliton:innen. Das gab mir ein Gefühl von Sicherheit.“
Ähnlich ging es auch Lena. Sie erzählt, inwiefern ein Mentoring stattfand:
„Wir wurden vor allem in der Anfangszeit an die Hand genommen und uns wurde alles sehr geduldig und bis ins kleinste Detail erklärt. Bei Fragen rund ums Studium (Klausuren, Stundenplan, Campus…) hatte man immer ein offenes Ohr für uns und ist auf jede Frage ausführlich eingegangen. Außerdem haben die ‚Buddy-Treffen‘ geholfen, Unsicherheiten oder Schwierigkeiten zu überwinden. Meine Erwartungen wurden teilweise sogar übertroffen, da ich vorher noch nicht genau wusste, was mich erwarten würde.“
Außerdem nimmt sie aus dem Buddy-Programm Folgendes mit: „Nicht direkt aufgeben und das Studium anzweifeln, wenn mal was nicht so gut klappt.“
Nummer-1-Tipps von Buddys für zukünftige Erstis:
Hier findet ihr einige wertvolle Tipps von Buddys, die (fast) von Anfang an dabei sind:
„Es ist völlig in Ordnung auch überfordert zu sein. Häufig ist die Uni nicht so durchschaubar, wie ich mir das wünsche, aber es gibt für fast alles Anlaufstellen, die sich gegenseitig kennen und im Zweifel gut weiterverweisen. Das klärt sich.“
– Lukas, Buddy
Um diese Anlaufstellen und mehr zu finden, müsst ihr nur eins tun, nämlich…
„Die UDE-App runterladen und dort das Erstsemester-Portal des ABZ nutzen. Dort findet man super Infos für den Einstieg.“
– Annika, Mentee then, Buddy now
…oder – falls ihr es analoger und sozialer mögt – euch eben…
„Einen Buddy suchen! Und in den ersten Wochen euch mit anderen Erstis austauschen, damit ihr nicht alleine bleibt.“
– Elisa, Buddy
Um schnellstmöglich einen Buddy zu finden, wäre es natürlich von Vorteil, wenn ihr euch bereits vor dem offiziellen Uni-Start für das Buddy-Programm anmeldet. Alle Lehramts-Erstis werden per Mail benachrichtigt. Aber auch Nachzügler:innen sind natürlich herzlich willkommen!
Wenn du mit einem Buddy gematcht wurdest, dann kannst du mit viel Backup rechnen:
„Mein Nummer-1-Tipp an Erstis ist, sich am Anfang nicht zu viel Sorgen machen, weil man am Anfang wirklich auch noch viel Unterstützung erhält.“
– Finja, Mentee then, Buddy now
Der einfachste Weg – verbunden mit einer Riesenportion Hemmschwelle – ist wohlbekannt das Auf-die-Leute-zugehen:
„Wenn du neu im Studium bist, sprich einfach die anderen Erstis an. Gerade am Anfang des Studiums freuen sich alle darüber, neue Menschen kennenzulernen. Zusammen ist das Studium viel einfacher und macht viel mehr Spaß!“
– Matthias, Buddy
Ein Tipp für das Pauken für die allerersten Uni-Prüfungen darf selbstverständlich nicht fehlen:
„Legt nicht den Fokus auf jede kleine Aufgabe, die die Dozent:innen euch geben, sondern konzentriert euch auf die wichtigen Aspekte, die in euren Augen für die Prüfungen wichtig sind.“
– Laura, Mentee then, Buddy now
Mein eigener Nummer-1-Tipp hat sich im Laufe der Jahre mit jedem Durchlauf entwickelt und es ist definitiv der EOP-Kalender! Diesen hilfreichen Kalender findet man auf der Seite des ZLB. Dort sind die Schulferien, Prüfungskorridore, Semestertermine und der Zeitraum, in dem das EOP abgeleistet werden kann, farblich hinterlegt. Vor allem wenn man mit den Gedanken hadert, in welchem Semester man das EOP am besten machen sollte, kann zum Beispiel ein Urlaub ein Entscheidungsfaktor sein.
Wenn dieser Artikel dich inspiriert hat, selbst als Buddy tätig zu werden, dann melde dich gerne bei der Koordinatorin Amrei Sander: amrei.sander@uni-due.de
Wenn du jetzt im Wintersemester mit deinem Lehramtsstudium an der UDE beginnen solltest, zögere nicht und melde dich beim Buddy-Programm an: amrei.sander@uni-due.de
